Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 75
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wenn sie durch Hecke uwände zu besonderen
Eiuheiteu zusammeugefaßk werden. Die
Forderung des landschaftlichen
Friedhofs wird bei den regelmäßigen An-
lagen unserer Dörfer und kleineren Städte
sdie hier nicht zu entbehren fein wird und
sich wegen ihrer Uebersichtlichkeit hier auch ;
empfiehlt) nur in der Form der Grup-
pen friedHöfe (vergl. den neuen Bremer
Friedhof!) durchzuführen sein. Diese ist
aber auch vollauf genügend, um die bis-
herige Monotonie der regelmäßigen An-
lage erfolgreich und ästhetisch befriedigend
zu überwinden. Alan hüte sich, Groß-
stadtforderungeu und Großstadtallüreu
auf Dörfer und Kleinstädte §u über-
tragen. Sie sind hier völlig deplaciert.
Bor allem kann man auch auf den: Dorf-
uud Kleiustadtfriedhof darauf achten, daß
sich die einzelnen Grabmäler in den Rah-
men des Gefamlfriedhofs gefällig eiusügeu
durch gegenseitige Rücksichtuahme bei Aus-
wahl der Denkmäler aufeinander mit)
auf das Aussehen des Ganzen. Nicht
übel sagt Pietzner (93): „Was die Geo-
metrie geteilt und zerschnitten, das soll
durch die Kunst wieder geeint werden."
Sehr wichtig zur Erreichung dieses Zwecks
sowohl, als auch des anderen, des Zu-
sammeuwachsens unserer Gottesäcker mit der
Landschaft, ist die Anbringung von Baum-
reih eu (besonders Tannen und Linden
oder Pappeln sind empfehlenswert!),
die den ganzen Friedhof und seine Ein-
friedung umsäumen.

Diese starke Betonung einer rationellen
gärtnerisch - landschaftlichen Behandlung
unserer Friedhöfe ist nicht zu beanstanden,
sondern verdient unsere Billigung und
Förderung. Auch Christi Grab lag rn
einem Garten. Und die Grabareae der
ersten Christen lagen inmitten blühender
Gärten mit Bäumen und Blumen. Nur
darauf ist zu halten, daß die gärtnerische
Behandlung nicht zu heiler und fröhlich,
sondern dem Ernste angemessen ser, wel-
cher der Stätte der Toten und ihrem
religiösen Charakter entspricht.

(Fortsetzung' folgt.)

Baugeschichte des vom Reichsstift
lchchusseuried erstellten Wallfahrts-
tempels zu Steinhaufen,

MA. Waldsee').

Von Stadtpfarrer B. Nneß in Fridingen.

Die in kirchlicher Hinsicht zusammen-
gehörigen, eine Wechselpfarrei bildenden
Gemeinden Steinhaufen, OA. Wald-
fee, und Muttensweiler, OA. Biberach,
wurden schon frühzeitig der Segnungen
des Christentums teilhaftig; denn die
Parochie hat bereits ums Jahr 1076 dem
Bistum Konstanz seinen frühesten Weih-
bischof Hertmann geschenkt. Kein Wunder,
daß sich am jetzigen Sitz des Ortspfarrers
die Existenz eines uralten Gotteshauses
Nachweisen läßt. Dieses den beiden
Apostelfürsteu Petrus und Paulus ge-
weihte Heiligtum erscheint schon im
13. Jahrhundert als eine Marianische Wall-
fahrtskirche, da eine in ihr nufgeslellte
Statue der schmerzhaften Gottesmutter
Maria sich als wundertätig erwiesen hatle'H.
Die Pfarrei samt Kirche, Widdum usiv.
kam anno 1363 durch Kauf an das
Kloster Schusseuried. Das alle Stein-
häuser Wallfahrtsheiligtum nun war von
bloß bescheidenen Größenverhältnisseu und
trotz mehrfacher Ausbesserungen namentlich
zu Beginn des 18. Jahrhunderts in einem
so mangelhaften Zustand, daß die Not-
wendigkeit eines Kircheuneubaues von Tag
zu Tag evidenter wurde.

Der Abt von Schussenried sowohl, als
sein Klosterkonvent entschloß sich daher
zur Niederlegnng der alten und zur Er-

i) Vergl. jetzt auch die ausgezeichnete Mono-
graphie über Dominikus Z i mm er m a n n von
M u ch a l l - V i e b r o o k (Archiv für die Geschichte
des Hochstifts Augsburg), Dillingen 1912, S. 25
bis 3ö. — Vergl. außerdem K i et und Pfeiffer,
Barock, Rokoko und Louis XYI. in Oberschwaben
und der Schweiz. 2. 1907. Die Steinhäuser
Banakten befinden sich im Schussenrieder "Archiv
in Stuttgart (Staatsarchiv); evendort auch die
Schussenrieder Hau-chronik von 1704 und das
Repertorium Schussenried Bd. VI Lao. 31.

2j Muchall-Viebrook a. a. O. 25 ver-
legt die Entstehung der LLallfahrtskirche von
Steinhaufen ins 15. Jahrhundert. Genannt
wird die Pfarrei Steinhaufen - Muttensweiler
schon im Liber Decimationis von 1275 und
ihre Kirche im Uber Bannalium von 1324.
lvergl. Freiburger Tiözesanarchiv I. Band S. 147
und IV. Band S. 55.)
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