Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 76
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richtung einer neuen Wallfahrtskirche in
Steinhaufen. Allein über die Höhe der
auszuwendenden Baukosten gingen die An-
sichten der Ordensmänner und ihres
Vorstandes auseinander. Die meisten
Mönche wünschten die Erbauung eines
Kirchengebäudes, welches zwar das bis-
herige an Geräumigkeit übertreffen, jedoch
an barem Geld nur eine Ausgabe von
etwa 9000 Gulden verursachen sollte.

Ein derartiges Projekt hatte Aussicht auf
fast einstimmige Genehmigung in der
Kapitelssitzung. Der Prälat Didakns
Ströbele dagegen schwärmte für eitlen
Monumentalbau und wußte seinen Willen
durchzusetzetl. Allein noch ehe die Innen-
ausstattung des neuen Steinhäuser Wall-
fahrtstempels ganz
vollendet war, mußte
der Abt resignieren
(1733), und der Vor-
wurf, daß er in
Steinhaufen zu lu-
xuriös geballt habe,
bildete nicht die ge-
ringste unter den ge-
gen ihn erhobenen
Beschwerden; ja die
Tragik desGeschickes
fügte es, daß nir-
gends an oder in
dem Gotteshaus das
Wappen dieses sei-

nes eigentlichenBaN- Kirchen von Steinhaufen, Weißenau und Weingarten (Grundrisse)
Herrn Bldatus, Ion- (aus Kick unv Pfeifer, Barock usw., mit gütiger Erlaubnis des Verlags),
dern nur dasje-

seiner „übergebenedeiten" jungfräulichen
Mutter, was den Prälaten zur Errichtung
gerade eines Monumentalbaues veranlaßte.

Als Baumeister faßte der Abt den von
ihm als sehr geschickt prädizierten Do-
minikus 3intmermanu aus Lands-
berg (Bayern) ins Auge. Derselbe baute
gerade zur Zeit, als sich das Reichsstift
Schussenried mit dem Projekt der Erstellung
einer neuen Wallfahrtskirche zu Steinhausell
trug, das Klostergotteshaus in Sießen bei
Sanlgau *)• Von da kam der Meister
den 30. März 1727 nach Schussenried
undI,legte dem Klostervolstand Didakus
Ströbele den Plan des neuen Wallfahrts-
Heiligtums vor. Die Zeichnung und die
ganze Idee gefiel dem Prälaten im höch-

Weißenau.

Weingarten.

nige feines Nachfolgers Siard Frick zu
sehen ist.

Wenn übrigens auch der von Biberach
gebürtige Abt Didakus Ströbele formal
nicht tadelfrei gehandelt hat, so waren
doch die Beweggründe, die ihn beim Banen
leiteten, subjektiv lobenswert. . Er baute
nämlich vor allem deswegen, weil die
alte Wallfahrtskirche „ziemlich ruinös und
baufällig" geworden war, sodann weil sie
wegen ihres „engschichtigen Raumes" die
große Volksmenge, welche jährlich an be-
stimmten Wallfahrtstageu in Steinhausen
zusammenströmte, nicht zu fassen vermochte.
Ferner wollte der väterlich besorgte, „gut-
herzige" Abt für seine Untertanen Arbeits-
gelegenheit und Arbeitsverdienst schaffen.
Endlich war es die Ehre Gottes und

sten Grad; frohbewegt schrieb er nämlich
in sein Diarium von einem „feinen Rißel",
das ihm präsentiert worden sei.

Wenige Wochen nachher begann der
Abt schon mit den Vorbereitungen zu dem
in Aussicht genomntenell Bauwesen. Den
11. Mai z, B. kaufte er im Mochen-
wanger Wald viele Bretter für den künf-
tigen Steinhäuser Gotteshausbau. Es
wurde sodann eine „fast unglaubliche
Menge von Material aller Gattung" bei-
geschafft. Viele Bausteine sprengte man
in der ganzen Umgegend mit Pulver,
die größeren derselben wurden von dem
Ochsengespann des Klosters auf zwei
Lastwagen, die kleinereil aber von Gefährten

*) Vergl. darüber die feinsinnige Monographie
von Muchall-Viebrook (1912) S. 19 ff.
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