Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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Und Exzellenz von Schmittburg?

Herr Oberbibliothekar Dr. Wolff in
München, welcher ans Anregung meines
Freundes, des Herrn Geheimrats Prof.
Dr. Knöpfler, dieser Frage nachging,
glaubte annehmen zu dürfen, daß es sich
liier um die Gemahlin des Damian Hugo
Casimir Philipp Joseph Freiherrn von
Schmidtburg handle. Dieser war des
hohen Erzstifts Trier Erb schenk, auch
Kurmainzischer wirklicher Geheimrat und
Oberamtmauu zu Orb und Lohr, als
welcher er in Hausen residierte. Wie ans
dem Kalender im Jahre 1797 S. 183
zu ersehen sei, haben die dortigen Ober-
amtmänner auch den Titel Exzellenz geführt.

Ist diese Annahme von Dr. Wolff richtig,
dann hätten wir in dem Namen Schmidtburg
(Schmittburg) eine Spur, welche von Kur-
mainz nach Unterfranken und eben damit
nach Mergentheim führt und das Büchlein
von seinen früheren Faten Kunde bringen
heißt.

Vielleicht ist zu hoffen, daß die Namen
Fischer, Porta und München sich noch
ermitteln lassen aus den Knrmainzifchen
Hofkalendern ans den Jahren 1775 und
1802.

Literatur.

Wallfahrten §it U. L. Frau in Le-
gende und Geschichte. Von Stephan
Beissel 8. ff. Mit 124 Abbildungen
XII und 514 S. Freiburg i. Br., Herder,
1913. Preis Mk. 13.—, gebd. Mk. 15.50.
Seinen beiden Bänden über die Marienverehrung
t:u Mittelalter und im 16. und 17. Jahrhundert
hat der Verfasser das oben genannte Werk als
weiteren erwünschten Beitrag zu einer Geschichte
der Marienverehrung folgen lassen. Es ist sehr
zu begrüßen, daß der Verfasser sich nicht bloß
auf die Gnadenbilder und Wallfahrtsorte des
16. und 17. Jahrhunderts in Europa beschränkt
hat, wie es sein ursprünglicher Plan war. Denn
auch im Falle der Beschränkung auf jene Zeit
wäre eine absolute Vollständigkeit doch nicht
erreicht worden. So aber haben ivir einen
abgerundeten Plan einer Marianischen Wallfahrts-
geschichte, die nun ihre Ergänzung und Vervoll-
ständigung sicher finden wird. Möge es dein
gelehrten Verfasser selbst vergönnt sein, sein
Werk dieser Vollendung entgegen zu führen!

Der erste Teil des Werkes in 13 Kapiteln
verbreitet sich über Wallfahrtsorte im allgemeinen,
Wallfahrtslegenden, Marienerscheinungen, Hei-
lungen und Gebetserhörungen, Kraft und Wert
der Wallfahrtsbilder, deren Herkunft und Wechsel,
die Namen derselben, ihre Ikonographie, Be-
kleidung und Krönung der Gnadenbilder, Weihe-

I gaben, Pilger, Ehrung der Gnadenbilder durch
Städte und Fürsten, und Wallfahrtstirchen.

Der ziveite Teil enthält zwei Kapitel, von
denen das erste über die Zahl und Literatur
der Wallfahrtsorte handelt, während das zweite
eine Aufzählung der wichtigsten »wrianischen
Gnadenbilder und Wallfahrtsorte gibt.

Das ganze Werk schließt einen überreichen
Inhalt ein, der mit Bienenfleiß zusammengetragen
und reichlich mit vorzüglichen Jllustrationer
geschmückt ist. Die allgemeinen Gesichtspunkte
bei Beurteilung der Gnadenorte, Gnadenbilder
und Wallfahrte» usw. kommen in den einzelnen
Abschnitten zu einer präzisen und unanfechtbaren
Beurteilung.

Für unsere Leser und den Verfasser mag die
folgende Zusammenstellung der Wallfahrtsorte
Württembergs resp. der Diözese Nottenburg von
Interesse sein: Genannt sind im Werke

als unserer Diözese angehörig folgende Orte:
Aulendorf seit 1857, es muß wohl heißen
1657. D eg gingen, ohne die nähere Be-
zeichnung: Ave Maria (bei Deggingcn). D o z b u r g.
Schönenberg bei Ellwangen. G o t t e s a u
bei Hemmingen (Württemberg): ob das nicht
eine Verwechslung mit Gattnau bei Hemigkofen
sein soll? Herren berg, jetzt evangelisch.
Hohenrechberg, OA. Gmünd, wirv in dem
Werk S. 36 und S. 331 in Bayern liegend
bezeichnet. Von dem dortigen Gnadenbilde
existiert auch ein jetzt selten gewordener Kupfer-
stich. Riedlin gen, Wallfahrtskirche auf dem
Hügel „Buße": genieint ist die Wallfahrtskirche
zur schnrerzhaften Mutter auf dem Berge Bussen,
Pfarrei Offingen, 8,7 km von Riedlingen ent-
fernt. Rottweil, gemeint ist ein bekleidetes
Marieirbild in der ehemaligen Dominikanerkirche,
Stich mit Gebet in meinem Besitz. Rottenburg-
W eg genial. Thüngental bei Hall, jetzt
evangelisch. Unterkochen. Nicht genannt
sind folgende inarianische Wallfahrtsorte unserer
Diözese: 1. Ag genhausen, Pfarrei Mahl-

stetten, Kapelle, ehemalige Wallfahrtskirche 11. L.
Fr., jetzt noch mit Samstagsmesse. 2. B e r gat-
reu t e mit Gnadenbild einer blutenden Madonna.

3. B lau b euren, evangelische Kirche zu Mariä
Heimsuchung, jetzt noch Ziei einer katholischen
Wallfahrt, besonders an Mariä Heimsuchung.

4. Flochberg, OA. Neresheim, Wallfahrts-
kapelle zu U. L. Fr. auf dem Roggenacker seit
1582. 5. Friedberg, OA. Saulgau, Wall-
fahrts-Bild zur schmerzhaften Muttergottes.
6. G u n d e l s h e i m a. N., dazu gehört Gut-
tenberg (hessisch), Wallfahrt zur „Mutter-
gottes im Elend". 7. H e i l i g e n b r o n n, OA.
Horb, zur schmerzhaften Muttergottes. 8. Hei-
ligenbronn, OA. Oberndorf, zur schmerz-
haften Muttergottes. 9. Höchst berg, Maria
ad nuces, Wallfahrtskirche. 10. Herberg, OA.
Gaildorf, jetzt evangelisch, einstige Wallfahrtskirche
zur Muttergottes. 11. Jag st heim, OA.
Ellivangen, Marienwallfahrt. 12. Kirchheim
am Ries, Muttergotteswallfahrtskapelle. 13.
Laudenbach, OA. Mergentheim, Bergkirche,
Wallfahrt zur schmerzhaften Muttergottes.
14. Maria-Buch, OA. Neresheim, Wallsahrts-
kapelle. 15. Mariatal bei Weißenau, Kapelle
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