Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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immer noch das Billigste ist ') — auch noch
billiger als die Heckenumfriedung. Nicht
mit Unrecht miro neuerdings das Ver-
langen laut, auch schon vor der

Friedhofmauer zunächst einen Nasen-
ftreifen anzubringen und zu beiden Seiteil
dieses Naseuieifens eine Doppelallee von
Pappeln, Birken, Linden oder Tannen zu
pflanzen. In der Tat müßte ein so um-
friedeter Gottesacker sich als bedeutsamer
Teil des gefaulten Lanvschaftsbildes zur
Geltulig bringen.

Die zweitbeste Art der Unlsriedung
des Gottesackers ist die lebeirdige Hecke.
Sie muß natürlich dicht, körperhaft sein.
Es eignen sich dafür besonders Thuja,
Tapushecken, Tannen- oder Weißdoru-
heckell.

4. Auch das EingaligStor zum Gottes-
acker muß monumental, feierlich uild
würdig gestaltet werden. Zunächst ist der
Eingang architektonisch hervorzuheben
durch einen entsprechenden, aus der Mauer-
liuie hervorragenden Portalbau, der aber
durchaus nichts Protziges zu haben braucht.
— An demselben läßt sich passender
plastischer, eventuell auch Fresko-Schmuck,
ein auferstandener Christus,7, eine Pieta,
eine Grablegung Christi und dergleichen
anbringen. Jedenfalls soll er eine
passende Inschrift tragen, z. B.: „Sur-
sum corda!" oder: „Et expecto re-
surrectionem mortuorum et vitam
venturi saeculi. Amen!" oder: „Es
kommt der Tag und die Stuilde, da alle,
die ül den Gräbern ruhen, die Stimme
des Sohnes Gottes hören werden," ooer:
„Tod, wo ist dein Stachel, wo ist dein
Sieg, o Hölle" und dergleichen. — Auch
gärtnerisch muß der Gottesackereingang
h e r v o r g e h o b e il werden. Jedenfalls ist
der Eingang liicht der geeignete Platz,
wo Topffcherbeu, verwelkte Kränze uno
lieblich duftende Komposthanfen ihr idyl-
lisches Dasein zu führen hätten^). Aul Ein-
gang zum Gottesacker soll eine schöne

') Kühner, Mehr Sinn für die Stätte unserer
Toten 21.

Hüttenrauch, Der ländliche Friedhot, S. 25.

2j Ganz philiströs bnreaukralisch nimmt es
sich aus, wenn man den Eingang zun: Friedhof
nicht anvers zu betonen weiß, als durch An-
bringung einer unendlichen Serie von Para-
graphen „betreffs Friedhofordnung". Diese soll
anderswo befestigt werden.

Baumgrnppe (Linden, Kastanien, Akazien,
Buchen) oder wenigstens links mtb rechts
je eine Linde rc. angepflauzt werden.
Auch nlacht es sich gut, welin auf ben
Torpfeiler Vasen mit eutsprechendeu
Blllmen, z. B. hängende Gerauieil, Ka-
puzinerkresse und dergleichen ausgestellt
werden. Alan wird Hüttenrauch recht
geben müssen, wenn er anrät, bezw, for-
dert, daß nicht sofort jenseits des Tores
die Belegllng beginne, fonbern freier
Platz gelassen werde für Nasen, Blnmen-
beete, Blattpflanzengruppen I. Das Ein-
gangstor selbst wird je nach den Ver-
hältnissen verschieden gestaltet werden
müssen. Es kann ein hölzernes Tor mit
Beschlägen sein. Schön niacheu sich auch
gut gearbeitete fchmiedeiserne Tore, schlecht
die Staketenzaulitore, die unkünstlerisch
und so prosaisch-philiströs sind, als es
ebeil nlir möglich ist.

5. In der Mitte des Friedhofs bezw.
au einer das Ganze beherrschenden Stelle
muß ein Friedhofkreuz, woniöglich
eilie große Kreuzigungsgruppe angebracht
werden, wenn nicht eine eigentliche größere
Gottesackerkapelle erbaut wird, an welche
dann der Kruzifixus oder eine Krenzigungs-
gruppe sich passend anlehnen würde. Dar-
auf müssen wir besvliders bestehen. Denn
das Kreuz ist für uns Christen das Zeichen
der Erlösung von Tod und Sünde, das
Unterpfalid des ewigen Heils. Es soll
auf dem Gottesacker seine vielseitige
Predigt halten und den Trauernden die
Quelle des einzig wahren Trostes feilt
und bleibell. Die Kommunell haben diesell
religiösen Gedanken zu respektiereli. Das
Gegenteil wäre rohe Intoleranz. Anderer-
seits soll lnau null ans dieses Gottes-
ackerkreuz auch wirklich etwas aufwendeu
und es nicht durch einen Handwerker,
sondern durch einen wirklichen Künstler
Herstellen lassen.

6. Auf die Bauten, die im Gottes-
acker anzubriugeu sind, wollen wir in
diesem Zilsammenhang nicht weiter ein-
gehen. Jedenfalls für Städte mit haupt-
sächlich katholischer Bevölkerung oder für
größere katholische Orte ist eine elltsprechend
große Gottesackerkapelle anzustreben, in
welcher daun auch Seeleugottesdieuste ge-
stiftet werdeil könnten. — Daun werden

a) Ebenso Büchner a. a O. 21 f.
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