Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 89
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^riedhofanlage und Hriedbofkunst.

Von Or. Ludwig Banr, Tübingen.

(Fortsetzung.)

Nlln hat mau iit Erkenntnis der Tat-
sache, daß die reihenweise und enge Be-
legung unserer Gräber wesentlich Schuld
trägt all der Monotonie unserer Gottes-
äcker, die Forderung erhoben: Keilie

Grabreihen von absoluter Regelmäßigkeit
lnehr, sondern Grnppengräber und
Z u s a m ul e ll s a s s ll n g derselbe n zu
besonderen größeren Fliedhofabteilungen,
die in der früher behandelten Weise
durch Hecken- und Buschwerk eingefaßt
würden. Diese Forderung läßt sich
zweifellos nur auf großen Stadtsriedhösen
durchführen. Aus den Friedhöfen unserer
mittleren und kleineren Städte lvürde eine
solche Zerschlieidung und Auflösung des
verhältnismäßig kleinen Terrains in Em-
zelminiaturfriedhöfe zweifellos nicht gut,
sondern kleinlich wirken, wenn liicht ein
schon recht beträchtliches Terrain in Frage
kommt. Hier wird mail sich bannt be-
gnügen müssen, Gräberreihen — vielleicht
nicht so starr linb absolut gerade nach der
Schnur gelegt! — mit Gruppengräbern
angemessen wechselit zu lassen unb die
Vermittlung durch Banmgrnppen und
Bosqnets zu erzielen. Wie das im ein-
zellien aul passendsten geschieht, kann mir
ein erfahrener Gartenarchitekt entscheiden.

Man fordert sodann, daß die Gräber-
abteilungen, llach Material und Art der
Detlkmäler angelegt, gruppiert werden.
Die Denkmäler jeder Gruppe solleil mög-
lichst gleichartig sein und iiach Material
und Foriil denselben Tppils repräsentiereil.

Dies wird iiatürlich nur dadurch zu er-
reichen sein, daß Ulan die Hinterbliebenen
entweder gleich beim Eintreten des Todes-
falls über das beabsichtigte Denkmal be-
fragt und danach die Wahl des Be-
gräbnisplatzes entscheidet, oder daß man
sie nachher zwingt, auf denl einmal ge-
wählten Platze nur ein so oder so ge-
artetes Denkmal zu setzen. — So sagt
Grässel: „Man muß Grüberabteilungen
schasfeil mit Grabsteinen, welche harino-
nisch zueinander passen, also z. B. für
stehende Steindenkmäler, für Grabmale
aus Holz oder a>ls Eisen, denn geschmie-
dete oder geschilitzte Grabdenkmale werden
von solchen aiis Stein erdrückt" (S. 6).
Hervorgegangen ist diese Forderung aus
der zweifellos richtigen Wahrnehmung,
daß die kunterbunte Mischung unserer
Grabmäler das Gesamtaussehen des Got-
tesackers höchst unerfreulich stört, daß
ferner diese wahllose Nebeneinanderreihnng
es mit sich bringt, daß auch die künst-
lerisch wertvollen Grabdenkmäler durch
danebenstehende höchst geschnlacklose Pro-
tzensteine tot gemacht werden. — Anderer-
seits scheint mir diese Forderung doch
wieder eine zit starke Bevormilndttng zu
enthalten. Sie kann unter Umständen
eine so unerhört schikanöse bnreankratische
Mißhandlung der persönlichen Freiheit
zur Folge haben, daß man diese Forde-
rung nur ungern in Form von Verord-
nungen wird erheben lassen; vollends, wenn
man bedenkt, daß unsere Kommunen kei-
neswegs durchweg die Leute zur Ver-
fügung haben werden, die den nötigen
geläuterten Geschnrack besitzen, um mit
Grund in dieser Frage Entscheidungen zu
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