Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 91
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so muß sie ganz niedrig gehalten werden.
Man läßt sie am besten mit Efeu über-
wachsen, so daß der nackte Stein mög-
lichst bald durch Grün verdeckt ist. Auch
muß darauf geachtet werden, daß eine
Steiueinfassung dem Material und der
Farbe des Denkmals entspricht. — Auch
die eisernen Umgitterungen und Umket-
tungen der Gräber sind nicht zu empfehlen
und in neueren Friedhofordnnngen absolut
verboten ans demselben Grunde, weil sie
das Gelänge unschön zerschneiden.

Grässel erbebt direkt die Forderung:
„Jede Art der Einfriedung ist von: Nebel,
bestehe sie nun ans Randsteinen, Eisen-
gittern oder Holzzännen. Solche Einfrie-
dungen bringen die große Ausnützung des
Bodens so recht zuin Bewußtsein! Sie
zerteilen zu sehr den Boden und lassen
den ruhigen und friedlichen Eindruck der
allgemeinen Rasendecke nicht zur Wirkung
kommen. Biel größer sehen die Grab-
stätten aus, über welche sich weder durch
kistenartige Grabhügel, noch durch Ein-
friedungen, oder mit Sand bestreute
Zwischenwege geteilt, eine einheitliche grüne
Rasendecke breitet und das Gefühl der
Ruhe überkommt uns dabei" *).

Für unsere kleineren städtischen und
dörflichen Friedhöfe ist diese Forderung
kaum angängig, zumal wenn es sich um
bereits bestehende Gottesäcker handelt, ans
denen die Einfassung der Gräber bereits
allgemein ist. Aber auch in diesem Falle
ist es besser, anstatt der (ivenn auch nieder
gehaltenen) Steiueinfassung eine Einfas-
sung mit Pflanzen zu setzen. Buchs grenzt
das Grab genügend und nicht aufdring-
lich ab. Efeu hält den Grabhügel auch
ohne Steiueinfassung genügend zusammen.
Eventuell — wenn es zur Umgebung
paßt — besonders bei größeren Familien-
oder Gruppengräbern, mag auch eine nie-
der gehaltene Taxnshecke passend sein.

8. Damit sind wir von selbst zur Frage
der Bepflanzung der Gräber ge-
kommen. Sie soll nicht von der Fried-
hosverwaltnng den einzelnen Familien
abgenommen werden. Denn es kommen
in ihr unschätzbare psychische Und sittliche
Erziehungswerte zum Ausdruck, die man
nicht dadurch außer Kurs setzen sollte,

') Grassel a. a. O. S. 4.

daß man die Pflicht der Gräberbepflan-
znng auf die Allgemeinheit, diese unper-
sönliche, bezahlte, bureankratische Insti-
tution, übertragen würde. — Von den
Familien und Einzelpersonen ausgeübt, ist
die Grabbepflanzung so recht der Stim-
»inngsansdrnck der Dankbarkeit und der
Gradmesser der Pietät gegen die Ver-
storbenen. — Die Blumen sind hier zu-
gleich Symbol, und es liegt im Pflanzen-
schnluck des Grabes zugleich der liefere
poetische Gedanke enthalten, den Rückert
in feinem letzten Gedichte so anziehend
geschildert hat:

„Verwelkte Blume,

Menschenkind!

Man senkt gelind

Dich in die Erde hinunter.

Dann wird ob dir

Der Rasen grün

Und Blumen blühn

Und du blühst mitten drunter."

Auch der Blumenschmuck der Einzel-
gräber soll nach den neuerdings erhobenen
Forderungen in Rücksicht sowohl auf die
Nachbargräber und in harmonischem Ein-
klang mit ihnen, als auch mit Rücksicht
auf das Friedhofsganze erfolgen. Jeden-
falls wird man berechtigt sein, zu ver-
langen, daß die Bepflanzung eines Grabes
nicht in einer Weise erfolgt, daß sie un-
berechtigterweise auf fremde Gräber über-
greift oder deren Bepflanzung beein-
trächtigt.

Vor allem: keine dieser schreck-
lich e n P a p i e r k r ä n z e! K e i n e k ü n st-
l ich en G l a sp erle n kränz e! Diese
sind geschmackloser Import aus Frankreich,
wo man mit ihnen die Friedhöfe verun-
staltet hat. An ihrer Stelle werden besser
Kränze ans Tannenreis verwendet, die
ja lange halten und beispielsweise den
ganzen Winter über als Zierde des Grabes
dienen können. Sehr geeignet zur An-
pflanzung auf den Gräbern sind die ver-
schiedenen Moosarten, Farne, Efeu, Buchs,
Wacholder, Jasmin, wilder Wein, dann
vor alleur Blumen in entsprechender
Auswahl: Rosen, Fuchsien, Geranien,

Pensees usf. Z.

l) Sehr wertvctG Winke für die Grabbepflan-
zung enthält das Buch van Hütten ran ch.
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