Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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(Sine V er bind u n g m ehrere r Mot e-
riaUrteit ist zulässig. 2lber man muß
allzit starke Kontraste vermeiden, wie z. V.
schwarzer Syenit und weißer Karrara-
marmor. Das wirkt viel zn schroff und
zu hart und kann nicht zu einem einheit-
lichen Gesamteindruck zufammenfließen.
Sehr gut geht Muschelkalk und Bronze
zusammen.

Was den D a r st e l l u n g s i n h a l t an-
geht, so werden wir, die wir von der
Wahrheit des Christentums, von dem über-
ragenden Wert seiner Lehre über das
Leben uub den Tod überzeugt sind, allen
Grund haben, daß unsere Gottesäcker
Herolde christlicher Ideen und christlicher
Trostgedanken seien. Nicht zum mytho-
logischen Darstellnngsiuhalt der Antike
können und dürfen wir znrückkehren. Es
läge da eine objektive und subjektive Un-
wahrheit darin. Schiller hat die Grab-
malkunst auf lange Zeit hinaus auf falsche
Pfade gelockt, als er für das Grabmal
das humanistisch-klassische Ideal als Vor-
bild empfahl hi. — Auch die reinen H u-
m a n i t ä t s g e d a n k e n allgemein mensch-
licher Gefühle und Stimmungen, wie sie
Göthe in feiner Italienischen Reise so
besonders nachdrücklich betont, sind nicht,
was wir auf unseren christlichen Gräbern
suchen linb wünschen, sondern positiv
christliche Darstellungsinhalte, die dem
christlichen Glaubensgehalte über den Tod
und die Ewigkeit, über die Erlösung und
Auferstehung entnommen sind. Sie heben
und heiligen zugleich jene natürlichen,
menschlichen Gefühle, die sie durchaus
zu Recht bestehen lassen. — Die christ-
liche Symbolik und Heilsgeschichte bieten
eine überreiche Fülle von Darstellungs-
stofsen, welche die altchristliche Sepulchral-
kunst sich wohl zunutze zu machen ver- l

l) „Damals trat kein häßliches Gerippe
Bor das Bett des Sterbenden. — Ein Kuß
Nahm das letzte Leben von der Lippe,
Seine F a ck e l senkt ein G e n i u s."

Auch Winkel m a n n wandelte dieselben
Bahnen, als er eine weinende Psyche als
Darstellung für ein Grabmal empfahl.

Mit Recht sagt Herder gegen Schiller:
„Lieblich sieht er zwar aus mit seiner
erloschenen Fackel,

Aber ihr Herren! Der Tod ist so ästhetisch
doch nicht."

Bergt, dazu Bestmann.

ftanben hatte. Kehren wir zil diesen Dar-
stellungen zurück: Kreitz, kreuztragender
Heilalid, der Fall Jesu unter dem Kreilze,
der Gekreuzigte, Pieta, Grablegung, Him-
melfahrt. Daiin eignen sich auch Maria
mit dein göttlichen Kiiide, die schmerz-
hafte Mutter mit dem Leichnam Jesu
auf denl Schoße. In all diesen Dar-
stellungeil kommt der Glaube zum Ails-
druck, daß unser Herr durch fein Kreuz,
fein Leiden und Sterben uns den Sieg
über den Tod gebracht und den Zugang
zuul Himmel eröffnet hat. Leider ist ein
Bild auf unseren Gottesäckern nicht mehr
heimisch, das einstens als Trostbild tief
in die Herzell der ersten Christen einge-
meißelt war: der gute Hirte. Wir
sollten auch dieses liebe Bild wieder in
Aufnahrne bringen. Sehr geeignet zu
Grabliialsdarstellnngeu sind die Toten-
ermeckungen (Lazarus, die Tochter des
Jairus). Weniger dem gegenwärtigen
Verständnis geläufig, aber trotzdem sehr
gedaukenties, weil reich an Beziehungen zu
Tod und Anferstehnng, Erweckung zum
Lebeil und dergleichen, sind die in der
altchristlichen Sepnlchralkunst beliebten
Jonasdarstellungen, Opferung des Isaak,
die drei Jünglinge vom Feuertode errettet
und dergleichen. Es wäre eine dankens-
werte Aufklärungsarbeit, wenn wir den
Leuteil diese Bilder wieder verständlich
und lieb machen würden, welche unseren
Vorvätern so reiche Quellen der Seelen-
tröstung erschlossen.

Reben ben eigentlichen Vilderszeueu müssen
wir auch wieder zurückgreifen auf die ge-
dankenreiche altchristliche Symbolik. Die
heutige Kunst ist auffallend arm an Sym-
bolik. Selbst die heidnische Grabmal-
kunst war in dieser Hinsicht reicher. —
Die alt christliche Grabmalsymbolik
war nilgewöhnlich mannigfaltig: sie ver-
wendet gern das Monogramm Christi,
den Anker, die Taube mit dem Oelzweig
des Friedens im Schnabel, die Palme,
Pfaue, die aus bem Gefäß der Unsterb-
lichkeit trinken, Hirsche, die an der Wasser-
qnelle trinken, das Schiff aus ben Meeres-
wogen, mit Christus als Steuermailll und
dem Kreuz als MastbaumI. —

') Sehr nützlich ist in dieser Hinsicht die Zu-
sammenstellung der altchristlichen, auch heute noch
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