Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 111
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in Soleichofer Kalkstein gearbeitet, die im
Kloster zu Königslutter selbst ansgedeckt
ift1). Bis auf die Größe stimmt diese
Form mit itnfeient Zeichen völlig überein* 2).

Das zweite Zeichen aus dieser Glocke
ist ebenfalls giebelförmig; der obere Teil
schließt aber mit einem spätgotischen, krab-
benbesetzten Eselsrücken, mit Krenzesspitze.
Die Höhe ist 5,4 cm, die Breite 2,7 cm.
Am Grunde der Fialen sieht inan zwei
Oesen, die beiden andern haben anschei-
nend an den Fußleisten gesessen. Im
Innern erblickt man
eine sitzende Ma-
donna mit Krone,
das Kind ans
dem linken Arm, zu
ihren Fußen einen
Schild mit dem
sächsischen Wappen.

Welchem Wall-
fahrtsort dieses

Zeichen zuzuspre-
chen ist, vermag ich
noch nicht zu sagen.

(Ein

Reliquienkreuz.

VonKaplanZ i nt »i e r.

St. Salvator.

Am Feste Krenz-
ersindnng vorigen
Jahres wurde aus
St. Salvator bei
Gmünd eine Reli-
quie des hl. Kon-
rad, Bischofs von
Konstanz, in die

dortige Wallfahrtskirche übertragen,
deren Besitz sie nach dem Tode ihres bis-
herigen Eigentümers, Pfarrers Kirchner,
übergegangen war.

Nach längerem Suchen war die Platz-

*) Bergt. Führer durch die Sammlungen des
Herzoglichen Musems zu Braunschweig. 5» Ausl.
Braunschweig 1907, Seite 14.

2) Auch für Wallfahrten von Lübeck nach Königs-
lutter gibt v. Melle a. a O. mehrere Beispiele;
S. 88 heißt es u. a., daß Ludeke Konehoff 1420
bestimmt: „Item schoten myne Bormündere 2 Pele-
grinteit senveit to Lüttere, vppe suitte Peters vitd
sttnte Paivels Dach (29. Juiti), enen van myner
wegheit, vn den anderen van mynes Wiues weghen
to Tröste vn Salicheid unser beyder Sele".

frage gelöst lvorden durch die Direktive:
Möglichst in die Nähe des Altars, etwa
in ein Konsolaltärchen. Die Anssührung
machte einige Schwierigkeiten. Ein Holz-
schrein zllin Einstellen der 41 Vs cm
hohen, die Reliquie enthaltenden Trag-
monstranz wäre zu groß geivorden uild
hätte dem Altar Eintrag getan. Ein
Metallschrein für die Reliquie allein ohne
Monstranz erschien besser.

Von der Firma Förster u. Graf in
Gmünd wurde ein Entwurf vorgelegt, und
die Arbeit (f. Bild
nebenan) geliefert;
eine Wohltäterin
hatte die Drittel zur
Verfügung gestellt.
Die Krenzessorvl
mit Lenchterträger
wurde gewählt,
weil man aus diese
Weise der Schwie-
rigkeit, eine dem
Stil der Felsen-
kirche entsprechende
Form zu finden, be-
gegnen konnte.

Das Ganze mit
dem (ans dem Bilde
nicht sichtbaren)
Fuß des Leuchter-
trägers hat eine
Höhe von 78 cm,
das Kreuz allein
eine solche von
37 cm bei einer
Breite von 30 cm.
Das Kreuz zeigt
romanischeFormen.
Die wuchtigen, künstlerisch schön dnrchge-
arbeiteten Krenzesbalken haben an den
Jnnenteilen Flechtiverk; an den Enden
umschließt je ein sein ziseliertes Blätter-
paar einen Stein. Die Füllungen (durch-
brochen) wirken ganz gut. Jeder Qna-
drant hat in der Mille einen, auf der
Peripherie drei Steine.

Die Krenzesarme stoßen an ein Miltel-
stück aus sehr starkem Glas in einer
Fassung mit 8 Steinen. Dahinter be-
findet sich der Raum für die Reliquie.
Sie ist ein Splitter aus dem Hallpte des
Heiligen, wie die Inschrift sagt: Ex ca-
pitc S. Conradi Episcopi, und nach
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