Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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Ow von Hirrlingen über, der sich mit
Katharina von Brandeck — Tochter des
Vollmar — verehlicht hatte.

Im Jahre 1689 starb diese letzte
Brandeckerin, und nun hatte Württem-
berg die Herrschaft von Sterneck an sich
gezogen, worauf die Reformation in
Unterbrändi und zwar durch Stadtpfar-
rer Jttelhäuser von Dornhan eingeführt
wurde. Letzterer hatte auch von 1589
bis 1592 die Pfarrei pastoriert.

Im Jahre 1693 wurde Unterbrändi
eine eigene evangelische Pfarrei, und der
erste ständige protestantische Pfarrer war
Philipp Jakob Löffler von Tübingen.
Dieser starb schon 1694 an der Pest. In
rascher Aufeinanderfolge wirkten noch
vier bis fünf weitere protestantische Pfar-
rer dafelbst.

Während dieser Zeit — nämlich 1593
bis 1612 — wurde zwischen Württem-
berg und denen von Ow ein langer
Rechtsstreit wegen des Besitzes der Herr-
schaft von Sterneck geführt. Nach sieb-
zehnsähriger Dauer endete der Streit ain
26. August 1612 mit einem Vertrag, der
zwischen Herzog Friedrich und dem in-
zwischen mündig gewordenen Adam von
Ow geschlossen wurde. Der Vertrag be-
stimmte, daß die Herren von Ow die ge-
samte Herrschaft Sterneck als Kunkel-
lehen, und zwar in erblicher Weise er-
halten; für den Fall, daß die Linie ohne
direkten Nachkommen ausstirbt, sollte
das Lehen an Württemberg heimfallen.

Infolge des genannten Vertrags
wurde die Kirche zu Unterbrändi dem
neuen Lehensherrn —- Freiherrn von Ow
— zur Ausübung feines Gottesdienstes
zugesagt, — also wieder katholischer Got-
tesdienst eingeführt — und der Sitz des
evangelischen Pfarramtes der Herrschaft
Sterneck nach Fürnsal verlegt.

Am 14. Mai 1614 weihte Bischof Jo-
hannes Jakob Myrgel von Konstanz eine
Kapelle auf dem Grund von Sterneck zu
Ehren des hl. Georg des Märtyrers
und des hl. Franz des Bekenners, und
zugleich wurde am selben Tage die Pa-
rochialkirche in Unterbrändi, „die schon
seit vielen Jahren von Ketzern inne-
gehabt und entweiht worden war", ge-
weiht. Denjenigen, welche die Kirche
und Altäre am Jahrestag der Einwei-

hung andächtig besuchten, wurde „vierzig
Tage wirklichen Ablasses in der üblichen
Form der Kirche" gewährt. Die Pfarrei
wurde nun zunächst mehrere Jahre pro-
visorisch versehen, und zwar durch den
Sternecker Schloßgeistlichen. Erst am
28. September 1644 kgm wieder ein
eigener Pfarrer in der Person des P.
Augustin Hauser, Konventualcn des
Klosters Rohrhalden bei Rottenburg,
nach Unterbrändi, der auch die kirchlichen
Handlungen in der Schloßkapelle zu
Sterneck zu verrichten hatte.

1649 wurde Christoph Feinstier als
Pfarrer nach Unterbrändi ernannt.

1664 war Pfarrer daselbst Philipp
Maucher von Ochsenhausen.

Nachdem die Pfarrei längere Zeit von
Leinstetten aus versehen worden war,
wurde 1669 Laurentius Mauch von
Nottweil dorthin ernannt; ihm folgte
1673 der Konventuale Wilhelm Krabler
von Oberndorf.

Im März 1683 erscheint Nikolaus
Hohenschild von Stein bei Hechingen als
Pfarrer von Brändi; im November des-
selben Jahres Johannes Michael Zizi-
bin, vorher Pfarrer in Eutingen.

1687 zog Pfarrer Johann Michael
Hörig von Unterbrändi ab, und es wurde
von der Witwe Barbara von Ow der
Pfarrer Johann Wiedmaier von
Schwalldorf nominiert.

Von 1739—1745 amtierte in Brändi
Pfarrer Schroff, welcher seiner Schroff-
heit halber —- wie es heißt — weggetan
wurde.

Ihm folgte als letzter Inhaber dieser
Stelle Franz Anton Lieb, welcher vielen
Schikanen und allerlei Ungemach aus-
gesetzt war.

Am 17./19. Oktober 1749 ging Schloß
und Herrschaft Sterneck ganz in den Besitz
von Württemberg über. Dadurch kam die
Herrschaft in die Verwaltung des Ober-
amtmanns zu Dornhan.

Pfarrer Lieb, der noch einige Jahre
unter dem letzten Lehensherrn — Grafen
von Attems — amtierte, bekam sofort
Streit mit dessen Obervogt in Sterneck.
Derselbe war ebenfalls katholisch, scheint
aber eine große Malice auf die Geist-
lichen überhaupt gehabt zu haben. In
beweglichen Worten schilderte der Pfar-
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