Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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hl. Bernhard das Flammenschwert seiner
Rede gegen Beuron ebenso scharf kehren,
wie gegen Clnny? Wir wissen es nicht.
Aber Beuron ist kein Cluny. Der aszetische
Geist ist dort ein anderer, strengerer.
Cluny war milder imi) von einer gewis-
sen Weichlichkeit nicht frei. Von diesem
strengeren aszetischen Geist ist auch die
Benroner Kunst durchtränkt.

Die Benroner Kunst macht nicht den
Anspruch, die hieratische Kunst im Sinne
des einzig berechtigten kirchlichen Stiles
zu sein, wie Popp den Ausdruck von
Pöllmann mißverständlich deutet. Die
Kirche unterstützt und fördert, wie zu
allen Zeiten, so auch heutzutage alle ehr-
lichen Bestrebungen ans dem Kunst-
gebiete, soweit sie mit den liturgischen
Vorschriften im Einklang stehen. Aber
doppelt freudig wird sie die Türen ihrer
Gotteshäuser einer Kunst öffnen, die wie
die Benroner mit dem Geiste ihrer Heili-
gen erfüllt ist und die Christusnachfolge
so eindringlich verkiindet12).

Drei Kirchen in einem Dorf.

E i n G a n g d n r ch d i e d r e i r e st a u-
r i e r t e n K i r ch e n tt m mendorfs,
ihre Geschichte und Kunst-
g e s ch i ch t e.

Von N. W. U.

„Drei Schlösser auf eine m Berg,
Drei Kirchen in einem Dorf,

Drei Städte in einem Tal
Hat ganz Elsaß überall."

Wenn dieses alte Sprichwort, das in

“) Diese Studie war im Juni 1914 ge-
schrieben und an die Redaktion eingesandt.
Einige Monate später erschien das schöne
Buch, „Benroner Kunst", eine Ausdrucksfovm
der christlichen Mystik von Joseph Kreit-
maier 3. J. Freiburg, Herder 1914. S. 87
gibt Kreitmaier folgendes Gesamturteil:
„Alles in allem wird man die Beuroner
Kunst als eine der mutigsten Reformtaten
auf dem Gebiete monumentaler Kirchen-
kunst begrüßen müssen. Durch so manches
Große, ja Geniale, das sie hervorgebracht, hat
sie sich in der Geschichte der christlichen Kunst
einen Ehrenplatz für alle Zeiten gesichert."
Kreitmaier führt auch das sehr ehrende Ur-
teil Pius' X. in seinem Breve vom 16. Febr.
1913 an anläßlich der vollendeten Krypta in
Montecässino: „Eine neue Kunstschule, ge-
eignet, der Verweltlichung ein Ende zu
machen. . . . Die restaurierte Unterkirche ist
ein glänzender Beweis, wie voll und ganz die

einem französisch geschriebenen Werk rj
überliefert, altdeutsche Kultur- und
Kunstblüte in neudeutschem Lande rüh-
men will, als seltenes, einzigartiges
Denkmal künstlerischen Sinns wie mate-
riellen Reichtums den Bau dreier Kirchen
in einem „Kirchhof" hervorhebt, dann
darf ein Dorf in unserem Schwabenland
diesen seltenen Ruhm beanspruchen.
Freilich nicht für ganz Schwaben über-
all hat das Wort Geltung; wohl nur ein
einziges mag sich dessen rühmen können.
Im anmutigen, von bewaldeten Höhen
eingeschlossenen Tal der Riß liegt ein
stattliches Dorf; unweit der türmereichen
alten Reichsstadt Biberach sieht der Wan-
derer, der von Ulm nach Friedrichshafen
durch die gesegneten Gaue Oberschwabens
fährt, zur Linken in der fruchtreichen,
sich weitenden Ebene des Rißtals drei
Türme im Weichbild von U m m e n -
dorf aufragen: mit dem höchsten Kirch-
turm der Oberamtsstadt wetteifert an
Höhe der spitzhelmbekrönte Turm der
Pfarrkirche; aus lieblicher Umrahmung
durch Bach und Busch schaut bescheiden
das kleinere Heiligtum St. Johannes
Baptista am Nordostrand des Dorfes
hervor; von der Höhe des Kreuzbergs,
einem malerischen Waldhiigel über dem
Pfarrdorf, strahlt im Hellen Sonnen-
schein das goldene Kreuz auf kunstvoll
gewölbter Kuppel. Natur und Kunst,
Vergangenheit und Gegenwart reichten
sich die Hand, in allen drei Denkmälern
kirchlicher Kunst Großes zu leisten, daß
nicht das profane Bauwerk gegenüber
der Pfarrkirche, das alte Prälaten-
schloß, das ebenfalls eine, jetzt abgeris-
sene, noch in den Grundmauern und
Nischen sichtbare Burgkapelle besaß, sie
alle an Monumentalität überrage, an
architektonischem und malerischem
Schmuck sie übertreffe.

„In Schwabens schönen Gauen

Ist Ummendorf zu schauen,

neue Richtung einer Kunst, die sich zurück-
wendet zur ursprünglichen Reinheit, mit der
Feierlichkeit des christlichen Kultus im Ein-
klang steht." S. 88.

*) Nach Charles Grad, Essais sur le
climat d’Alsace des Vosges. Mühlhausen
1870 in: Skizzen aus dem Elsaß und den
Vogesen. 1871. S. 21. Indes ist 'e§ schon
1644 in Merians Topographie bezeugt.
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