Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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der jetzige Bau in den Jahren 1801
und 1805 erstellt, nachdem am 8. Dezeni-
ber 1803 die frühere Kirche durch ein
vom Augenzeugen dort ausführlich ge-
schildertes B r a n d u n g l ü ck völlig
ausgebrannt war. Es war gerade das
Fest der unbefleckten Empfängnis Mariä,

8. Dezember 1803, „jener schauer-
volle, für die ganze Pfarre fchröckliche
Tag, wo die liebe Mntterkirch ein Raub
der verheerenden Flamme wnrd". Kaum
war der feierliche Gottesdienst mit Pre-
digt des Chronisten, des Ochsenhauser
Benediktinerpaters Joseph Kugler, über |
die unbefleckte Jungfrau und Mutter
Maria, Prozession, Hochamt, Opfernm-
gang der Bruderschaftsleute um den Al-
tar vorüber, da erscholl der Ruf: „Feuer
in der Kirche!" Der ganze ungeheure
Hochaltar im Chor stand rechts und
links, oben und unten in Flammen. Durch
die Schneckenstiege der Sakristei drang
das Feuer bis unter das Dach: der

ganze Dachstuhl der außerordentlich
breiten Kirche stürzte hinein. Alles ver-
brannte, selbst das Ciborium mit dem
Allerheiligsten, nur die Mauern blieben
unbeschädigt, sowie der Turm mit den
Glocken, welche brave ledige Burschen
in kühnem Unterfangen retteten. Am
folgenden Sonntag fand der Gottes-
dienst in der St. Johanneskapelle statt:
weil diese als zu klein sich erwies, ließ
die Gutsherrschaft, die hochfürstliche
Metternichsche Regierung, den unteren
Saal im Schloß, der sich Wohl an die
1827 abgebrochene Burgkapelle anschloß,
der Pfarrgemeinde anweisen.

Alsbald ging der Pfarrherr ans Werk.
Das zum Dachstuhl nötige Holz wurde
1804 auf hochfürstliche Verordnung im
Wald gefällt ltrtb von den Pfarrkindern
hergeführt. Den Dachstuhl, der nach dem
Zeugnis der Kenner, wie der Chronist
sagt, immer feinen Meister loben wird,
fertigte Johann H e p p, Zimmermeister
in S t a f f l a n g e n. Die Bauleitung

aus Mußotters Antiquariat in Munder-
kingen in den Besitz des Pfarrers Hader in
Reute, dann des Kaplans Rummel in Mittel-
biberach, der sie dankenswert an die Pfarr-
registratnr Ummendorf abtrat (1912). Einige
Auszüge daraus abgedruckt im „Anzeiger
vom Oberland" (Biber ach) Nr. 74 vom
1. April 1913 und Nr. 164 vom 21. Juli 1914.

übernahm nach dem Chronisten der große
Künstler Herr Thomas Scheit-
h ans I, Baudirektor in Neresheim,
der, wie der Berichterstatter hervorhebt,
durch seine Arbeit in der Kirche „nach
der Aussage jedes Künstlers seinen Na-
men verewigte"2). Die Decke machte
unter dessen Aufsicht und Belehrung
der Maurermeister Andreas Lenzen-
huber von Ummendorf. Es folgten
Stühle und Pflaster. Ehe letztere fertig
waren, erfolgte der sehnlichst erwartete
feierliche Einzug am 4. Adventssonntag
1805. Unter den; Klang der Biberacher
Pauken und Trompeten, die der Tafern-
wirt I. B. Miller in Fischbach aus Ver-
ehrung gegen seine Mutterkirche bestellt
und bezahlt, wurde das Allerheiligste
vom Schloßsaal in die neue Kirche
übertragen mit Predigt des 1'. Herman
Hörmann, Hochamt, Prozession mit
Trompeten- und Paukenschall und Jn-
strnmentalmusik, wobei sich einzelne
Herren Mitbrüder aus Ochsenhausen,
P. Anselm Härle, Augustin Schleiffer
und Philipp Kiene, auszeichneten. Die
Feier beschloß „eine einfache Mahlzeit,
wo wir uns recht brüderlich freuten".
Eine „der Größe und Majestät des
Gotteshauses entsprechende O r g e I" er-
warb der eifrige Pfarrherr und Ochsen-
hauser Konventual durch Kauf um
501 fl. aus der Wallfahrtskirche in
E l d e r n bei Ottobeuren, von wo auch
das Pflaster ersteigert wurde. Der be-
rühmte Orgelmacher H o l z h e u setzte
das Werk auf und erhielt außerdem für
ein neues Register zu den 22 alten 175 fl.
nebst Kost für ihn und seine Gesellen.

Die Weihe dieser unserer jetzigen
Kirche fand erst über ein Jahrzehnt
später statt. Am 27. Mai 1819 kam, wie

st Pfarrchronik, Fol. 37. Unrichtig ist
also die Behauptung Hofeies, Original-
beschreibung des Oberschwäbischen Monu-
mentalkreuzbergs bei Ummendorf nebst Um-
gebung, S. 40, der die Kirche in reinem ita-
lienischen Renaissancestil erbaut sein läßt
und einen italienischen Baumeister annimmt.

st Ein Thomas S ch e i t h a u f aus Wesso-
brunn wird als Stukkateur in Ochsenhausen
1785—1791 tätig bezeugt; ebenso stammen
die Stukkaturen in Neresheim, Deckenraum
der Klosterkirche, von ihm; er war geboren
in Reislingen in Bayern. Siehe Keppler,
Kunstaltert. S. 29, 244.
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