Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

Seite: 43
DOI Heft: 10.11588/diglit.16255.11
DOI Artikel: 10.11588/diglit.16255.14
DOI Seite: 10.11588/diglit.16255#0046
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1915/0046
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
43

Pfarrer Maser in der Chronik berichtet,
der Bischof von Evara, Johann Baptist
v. Keller, nach Unnnendorf, um die
Kirche und ihre drei Altäre einzuweihen
und zugleich die Firmung zu spenden A
Der Hochaltar war zn Ehren des hl. Jo-
hannes Evangelist, der Altar auf der
Männerseite dem hl. Joseph, der linke
Seitenaltar der Muttergottes geweiht.
Von der gläubigen Anteilnahme wie der
Verehrung des Volkes gegen den ersten
Bischof der erst später errichteten Diözese
zeugen die ausführlichen handschriftlichen
Berichte über Ehrenwachen, Ehren-
singen, Blumenstrenen, Abholung und
Geleite von und nach Biberach mitselbst-
errichtetem Militär.

Was ist mm vom alten Bail noch übrig
geblieben? Stehen blieben einmal die
Grundmauern, wie der Bericht der
Pfarrchronik ausdrücklich hervorhebt. Es
steht also der jetzige Bau ganz aus de>n
Platz des älteren und gestattet uns eine
Vorstellung von der Größe des Barock-
baues, der nach vorhandenen Dokumen-
ten 1717—1719 aufgeführt ward. So-
dann steht noch der T u r m, dessen
Unterbau vom noch früheren gotischen
Bau herrührt. Die heutige Gestalt des
Oberbaus ward ihm etiva in der Mitte
zwischen dem zweiten und letzten Kirchen-
ban gegeben. Die gewaltige welsche
Haube mit quadratischem Grundriß und
hohem, spitzem Pyramidenaussatz erhielt
der Turm nach einer I n s ch r i s t im
Jahre 1743. Die lateinische Inschrift,
die ein Chronogramm bildet, ist hellte
noch über dem Südeingang durch den
Turin zilr Sakristei zn lesen: IX O. II
A [bbate] Benedicto Ochsenhusano
[»raesule curamte octoginta prius alta
replicatis pedibus artis et aeris suf-
fragio eleviaibar. Abt Benedikt von
Ochsenhausen (Denzel von Westerstetten
1737—1767) ließ also den Turm, der hier
selbstredend angeführt wird, ziemlich er-
höhen, von 80 Fuß Höhe stieg er ums
Doppelte. Nach einer alten Abbildung
am Plafond des Saales im ersten Ge-
schoß des Schlosses, die den vorletzten

st Fast 100 Jahre vergingen, bis 22./23.
Juni 1916 wieder ein Bischof, Paul Wilhelm,
Dort einzog und Ummendorf erstmals zur
Firmungsstation machte.

Kirchenbau mit dem Dorf zeigt I, kann
man diesen alten Turm noch sehen, wie
er ein Satteldach lnit Fialen trug und
lischt unbeträchtlich in die Höhe stieg.
Dieser ehemals gotische Turm, dessen lin-
kere Hälfte mit seinen Schlitzsensterchen
noch ili ursprünglicher Gestalt vor uns
steht, weist also ebenfalls auf einen
zweiten Vorgänger des heutigen Gottes-
hauses hin, das dritte Bauwerk nach rück-
wärts gerechnet.

Ein weiteres beachtenswertes Ueber-
bleibsel von den: 1803 abgebrannten Ba-
rockban ist das W e st p o r t a l, das eben-
falls größeren Reichtum entsprechend dem
ornamentensroheren Ballstil seiner Zeit
aufweist. Aus glauem Sandstein wölbt
es sich über deill selten benützten brei-
ten Haupteingang in rundem Bogen.
Dorische Pilaster flankieren die Türe, die
ein gebrochener Giebel überragt. Kugeln
steheil auf den Pilastern, links lind
rechts ein gut gearbeitetes Wappen;
Schild mit Mitra lind Schwert krönt
dell ganzen Anssatz. Tie Inschrift H.
A. Z. O. (Hieronymus, Abt zu Ochsen-
hausen) mit dem Wappenschild quer ge-
teilt, iil der oberen Hälfte Löwe, in der
unteren Stengel lilit drei grünen Blät-
tern, läßt Namen lind Zeit des Erbauers
näher bestimmen. Hieronymus Lindau,
von Rottweil gebürtig, war Abt von 1708
bis 1719. Außerdeill stammen einige Aus-
stattnngsgegenstände der heutigen Pfarr-
kirche nach ihrem Stil alls früherer
Zeit, wenn, entgegen des Chronisten
Wort, ilicht gar alles verbrannt lind
nur weniges gerettet worden seili sollte.
Die zwei Seitenaltarblätter: Tod der
Muttergottes liild des hl. Joseph: Brust-
bilder der Apostel; die Beichtstühle nach
Chronogramm von 1783 sind jedenfalls
voll anderswo gestiftet oder beigeschasft
worden.

So weisen Monumente anf den frühe-
ren Kirchenbau hin; aber auch Doku-
mente fehlen nicht, wodurch lut u
manche bisherige Darstellungen z>l er-
gänzen und zil berichtigen vermögen.
Durch die Säkularisation war Ummen-
dorf mit delil Kloster Ochsenhausen an

st Kopie nach diesem Deckenbild, ein
Tafelgemälde von Walz, hängt jetzt im
l „Pfarrschloß" Ummendorf.
loading ...