Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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den Grafen und späteren Fürsten
Metternich gekommen, der die Herrschaft
bis zur Abtretung des Gebiets an Würt-
temberg 1826 innehatte; ihm verdankt
Ilmmendorf das heutige stattliche Got-
teshaus. Vor diesem weltlichen Fürsten
gehörte das Dorf und viele andere in der
Umgebung zur geistlichen Herrschaft der
Aebte von Ochsenhausen, die 1666 um
170 000 sl. die Besitzung von den Erben
des Augsburger Patriziers Matthias
Männlich kauften. Zweieinhalb Jahr-
hunderte herrschte der Krummstab über
den Untertanen der Benediktineräbte,
deren Enkel noch viele dankbare Erinne-
rungen an die einstige Klosterherrschast
sortpslanzen; noch lebt der 90jährige
Altschultheiß Dobler, dessen Vater dem
letzten Abt in Ummendors ministrierte,
und ein Enkel des Inhabers des „Bri-
gittenlehen" Eichen bei Reinstetten, den
derselbe Abt Romuald Weltin von Ober-
zell (1767—1803, gestorben 1805) aus der
Leibeigenschaft entlassen, dessen Ge-
schlecht jahrhundertelang bis heute aus
demselben Hosgut arbeitet, ist heute als
Pfarrer von Ummendors Nachfolger
jenes Prälaten im prächtigen Schloß der
Fürstäbte von Ochsenhausen. So wan-
deln sich die Zeiten in Kunst und Leben!

Der geistliche Landesherr, der zugleich
den Kirchensatz hatte und Konventnalen
zur Verwaltung der inkorporierten
Pfarrei ltnb ihrer Einkünfte bestellte,
hat in den Jahren 1717—1719 seinen
Untertanen jene 1803 abgebrannte Kirche
erbaut, bis aus den stehen bleibenden
älteren Turm. Es muß nach des angeführ-
ten Chronisten Wort ein „ungeheures"
Bauwerk von gleichen Dimensionen wie
das heutige gewesen sein, mit reichen Al-
tären, vielen Glocken, prächtigem Haupt-
portal. Der Meister dieses Barockbaus
ist überliefert, der aus Dietenheim ge-
bürtige Benediktinerpater Christoph
Vogt, der in Ottobeuren lebte und den
großartigen Klosterbau daselbst leitete.
Dieser berühmte Klosterarchitekt (1648
bis 1725) 1) erstellte in den Jahren 1711
bis 1725 unter Abt Ruppert 11. Neß von
Wangen (1710—1740) das neue Klafter-
st Siehe B. Pfeiffer, Einheimische Bau-
meister in Oberschwaben. „Diözesanarchiv
von Schwaben" 12 (1904), S. 10.

gebäude, neben Einsiedeln das herrlichste
in deutschen Landen, der „schwäbische
Eskorial" genannt. Kirchenbaurech-
l'ungen aus der Zeit von 1716 bis 1719
bewahrt das K. Staatsarchiv zu Stutt-
gart aus Z. Was den Anlaß zu einem
Neubau gab, ob Brandunglück, wie beim
letzten Bau, oder die Baulust der
Aebte jener Zeit, oder wohl am ehesten
der 31t geringe Umfang der alten Kirche,
die die wachsende Bevölkerung nicht mehr
fassen konnte, ist zweifelhaft. Einige ge-
druckte Quellen, so noch die sachkundigste
jüngste Darstellung in dem Jnventar-
band Biberach in den Kunst- und Al-
tertumsdenkmalen des Königreichs
Württemberg2), lassen sie durch
Brand (1709) zerstört werden. In
den mir ereichbaren handschriftlichen
Quellen ist kein Nachweis dafür zu
finden. Vielmehr bietet glücklicher-
weise eine Notiz im alten Tanf-
register die Handhabe zu gegenteiliger
Annahme. Dem Eintrag einer Taufe
am 22. August 1717 fügt der Pfarrherr,
ein Ochsenhauser Konventuale, P. Atha-
nasius ch, an: ,,'Iste Inknns (Josephus,
Sohn des Michael Merckh und seiner
Ehefrau Maria Großin von Berg),
ultimns baptizatus est in Veteri Eccle-
sia. Dom(inica) 14. post Pentecost(es)
in Octava Assumpt(ion)is B(eatae)
V(irginis), quo die ad Vesperam facta
est solemnis Transmigra(ti)o cum
Venerabili ad Sacellum S. Joan-
nis." Also am 22. August, dem Ok-
tavtag von Mariä Himmelfahrt, zu-
gleich der 14. Sonntag nach Pfingsten

*) B. 204. Rep. Ochsen hausen, S. 667.
Fälschlich setzen Keppler, Kunstaltertümer
S. 34; I. Jls, Das Wenediktinerkloster und
Reichsstift Ochsenhausen, 1896, S. 34; Säg-
müller, Jubiläumspredigt 1905, S. 2, ebenso
Hüfele et. a. O. S 39 den Kirchenbau ums
Jahr 1709, der daselbst geäußerte Zweifel
über Ab- oder Ausbrennen dieser Kirche
entscheidet sich nach obiger Chroniknotiz.
Ganz falsch berichtet ^die Beschreibung des
Oberamts Biberach S. 168: die jetzige

Pfarrkirche wurde 1709 erbaut!

st 1909, S. 230, ebenso Pfründbeschrei-
bung S. 19, ebenso falsch läßt das König-
reich Württemberg IV" S. 44, die Kirche
nach Brand 1709 erbaut werden.

st Diesen wertvollen Hinweis verdanke
ich H. Pfarrer Wiest.
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