Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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ftert; Mariä Namenfest mit Prozession '
vom Johannes-Kirchlein unter Teil-
nahme von immerosissimus populns
und vieler geistlicher und weltlicher
Herren. Am 25. April 1718 wurde die
Maurerarbeit wieder ausgenommen ltnb
am 25. Oktober glücklich vollendet; ein
vergoldetes Kreuz und drei Fahnen
wurden aus den Giebel gesetzt. Mit der
Kirche wurden am 4. November 1719
auch zugleich die drei Altäre geweiht,
und als jährliches Kirchweihfest der
Sonntag vor Allerheiligen festgesetzt.
Der Hochaltar wurde geweiht zu Ehren
der hl. Sebastian, Vitus, Barbara, Ursula
und ihrer Gesellschaft; der zweite Altar
rechts der hl. Agatha, Brigitta, Cyriacus
und Gefährten; der dritte zur Linken
zu Ehren der hl. Maria Magdalena,
Margareta, Laurentius nnb 10 000
Märtyrer. Als Patrone der Kirche
wurden bestimmt: hl. Maria, Apostel
Petrus und Paulus, Johann Evangelist
and Baptist, Katharina M., Dorothea.

Von höchstem zeitgeschichtlichen Inter-
esse ist eine kleine Notiz, die die bau-
geschichtlich wertvollen Annotationes ent-
halten. Der Schreiber fügt der zum
16. und 22. Aug. 1717 berichteten Fort-
setzung der ersten Bautätigkeit, initium
in designando spatio pro nova Eccle-
sia simulque effossa terra pro fundarn-
ento ex parte frontispicii, fundamenti
structura et aedificatio in praesen-
tia Rev. et Ampi. D. D. Praesulis
(Abt Hieronymus L i n d a u von Ochsen-
hansen), dann der Uebertragung des
Allerheiligsten nach S. Johann am 22.,
iveiter am 23. Desti netto veteris templi
Dei bei: „Eadem die circa horam
octavam advenere nova laetissima
de caesis ad internecionem Turcis
apud Belgradnm.“ Die Schlacht bei
Belgrad fand statt am 10. August 1717.

Als bemerkenswertes Faktum aus
der Geschichte dieser untergegangenen
stattlichen Barockkirche hebe ich noch zwei
päpstliche A blaßverleihunge n
hervor, die Dokumente Ummendorsensia
belegen x). Am 25. Juni 1764 verlieh 9

9 St.-A. Stuttgart, B. 205, R. Ochsen-
Hausen, S. 660, päpstl. Breven, 1734/1770,
für Pfarrkirche, 1752 für Nosen'krauzbrNder-
schast Ummendorf.

Papst Klemens XIII. den Besuchern der
Pfarrkirche in Ummendorf für das Fest
des hl. Johannes des Täufers (Patroci-
nimm secundarium?) plenaria omnium
peccatorum suorum indulgentiam
et remissionem, ebenso Klemens XIV.

3. Januar 1770 der Ecclesia seu ca-
pella publica S. Johannis Evange-
listae loci Ummendorff für das Fest
S. Johannis Evangelistae prima-
rium Patrocinium, wie es in den bei-
den ordo divinorum und Verkmidbüchern
des 18. Jahrh. zum Unterschied heißt. Im
Jahre 1748 fand in dieser Kirche eine
Volksmission durch Jesuiten statt, die
dem Abt als Orts- und Kirchherrn der
Gemeinde Ummendorf einen interessan-
ten Bericht abstatteten; darauf erließ Abt
Benedikt am 20. August 1749 einen Re-
zeß in zwölf Punkten zur Hebung
der Sittlichkeit, u. a. auch ein Punkt über
„den nicht münder gefährlichen Miß-
brauch, Wann bey dem St. Joannis-
oder Muggen feyr wie auch bei dem
Funckhen oder Scheiben schlagen an dem
ersten Sonntag in der Fasten".

Endlich sei als teilweises I n v e n -
t a r an Kunstgegenständen dieser alten
Barockkirche aus einem Blatt mitgeteilt
das Verzeichnis dessen, ivas die Franzo-
sen 1796 aus hiesiger löblichen Pfarr-
kirchen geraubt haben: 1. einen schönen
großen Kelch, 2. Kreuzpartikel samt dem
Kreuz; derselbe hat eine kleine Ge-
schichte, die in der neugefnndenen Pfarr-
chronik geschrieben steht: 1730 in Rom

durch U. Maurus Reger nach Geldsamm-
lung in der Gemeinde erworben, mit
Authentik aus Rom, um 35 fl. gefaßt
und 1730 der Kirche zu Ummendorf vom
Abt von Ochsenhausen, Cölestin Frener,
übergeben, 1790 geraubt; 3. die Krone
vom Ciborium und silberne Bichse
(Pvxis); 4, große silberne Bichsen für
die heiligen Oele, ferner die große Par-
tikel und kleine Versehpartikeln; 6. der
Muttergottes neues gold- und silber-
gesticktes Kleid samt Krone, Zepter, Ro-
senkranz und Schleier; 6. neues, gelbtaf-
fenes Velum; 7. Pluviale nebst Metz-
gewand und Zubehör; 8. fünf schöne
Meßgewänder mit goldenen und silber-
nen Borten samt Kelchtuch, Pallien und
Korporaltaphen; 9. vier sonntägliche
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