Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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ober Stockwerken durch Profile abgeteilt,
durch Schallöffnungen und Fenster mehr
als fetzt gegliedert, erhob er sich an der
Südfeite der Kirche. Das Eingangstor
an der Südseite und die Schlitzsensterchen
des heutigen Turms stimmen noch mit
dem alten Ban überein. Fast 200 Jahre,
von 1373 bis 1564, hatte das Prämon-
stratenferstift W e i ß e n a it den Kirchen-
fatz inne mit den Gütern der früheren
Ortsedeln von Ummendorf, von Essen-
dorf, von Freyberg-Steußlingen und zu-
letzt derer von Schellenberg, die 1373
ihren Besitz an das benachbarte Kloster
veräußerten. Abt Johann von Weißenau
spendete im Jahre 1466 zum Bau der
Pfarrkirche in Ummendorf 160 fl. *). Ob
es sich um einen Neubau oder eher Um-
bau handelt, geht nicht unzweideutig aus
dem Aktenstück hervor. Weihbifchof Tho-
mas von Konstanz, ein Minorit, Bischof
von Agathopolis, hat nach einem andern
Dokument des Stuttgarter Staats-
archivs am Samstag, 4. Oktober 1466,
die Kirche eingeweiht ").

Eingefiigt ward den: Bericht über die
Konsekration durch den Weihbifchof itrtb
Generalvikar des Bischofs Hermann, das;
die Pfarrkirche war fundata sub voca-
bulis, d. h. also geweiht war den Heili-
gen Jungfrau Maria, Petrus und Pau-
lus, Johannes Evangelist und Täufer,
den hl. Märtyrern Katharina und Doro-
thea. Als Patrone der konfekrierten drei
Altäre (altaria minus priiieipalia) wer-
den die gleichen Heiligen angegeben, wie
sie oben für die neue Kirche angegeben
waren.

Ja, wenige Jahre zuvor, 1460,
mußte der Konstanzer Weihbifchof Jo-
hannes, ein Franziskaner, Bischof von
Bellinum, am Freitag, 9. Mai, wie die
Johanneskapelle auch die Pfarrkirche
nebst dein rechten Seitenaltar der hl.
Brigitta rekonziliieren; was für ein Ver-
brechen, vielleicht durch Kriegsfcharen,
begangen ward, ist nicht gesagt. Auch
in den Originaldokumenten des Staats-

archivs ist kein Grund für die Recomülia-
1 io angegeben H.

Gleichzeitig diesem gotischen Kirchen-
bau mag die Ummauerung des Kirch-
hofs fein. Diese zeigt jetzt noch im ge-
wölbten Durchgang von Südosten her
einen ziemlich hohen Spitzbogen. Wir
finden ihn fast dem Turm gegenüber,
auf der Außenseite der Halle. Außen,
der Straße zu sind in einer Stichbogen-
nifche Spuren eines späteren Fresko:
Kreuzgruppe, zu sehen. Entgangen ist
selbst dem scharfen Auge des Konserva-
tors die eine der beiden Statuen in den
Nischen über dem Westportal. Die linke,
Zopssigur St. Johannes des Täufers, ist
von Holz, die rechts ist eine überlebens-
große Madonna in Stein, durchaus spät-
gotisch, wertvoll, in Stein gehauen. Beide
erwarb nach den Akten Pfarrer Müller.

Das K i r ch w e i h s e st der Pfarrkirche
in Ummendors, das bisher am Pfingst-
montag gefeiert worden war, wurde
durch bischöflichen Erlaß 1406 ex eertm
et rationabilibus causis nobis ex-
positis et nos ad hoc moventibus
aus den nächsten Sonntag vor dem Fest
des hl. Johannes Baptista verlegt").

Noch! ein köstliches Zeugnis für das
hohe Alter unserer Pfarrkirche ist uns
ausbewahrt im Kirchenbuch von 1636
bis 1715; aus der letzten Seite steht die
Bemerkung eines der Pfarrvikare aus
dem Konvent von Ochsenhausen: Anno
1716 dum in campanili aliquid re-
ficeretur, inventus est in ligno
vetusto numerus 1452". Also War-
an einem Balken im Turm die Jahr-
zahl 1452 angebracht, die der kundige Be-
obachter bei Reparaturarbeiten am
Kampanile sah und der lleberlieserung
für wert hielt. Dank den wackern Mön-
chen! In diesen alten scribae lebte oft
ulehr historischer Sinn als in manchen
modernen Amtsnachfolgern ohne Kutte!

Ob dieser also urkundlich bezeugte Ban
die älteste Kirche in Ummendors war?
Sicher bestand eine solche im Jahre 1275,

. 0 Staatsarchiv Stuttgart in Kasten Och-
lenhausen XIX, Büschel I, Nr. 24. Jnkor-
poratwnAbulle des Papstes Gregor XI. von
m76, stehe Oderamt Biberach S. 169
) XIX, 1, 23, jetzt B. 197.

1) Ebenda XIX, 1, 20. Regest in Pfarr-
registratur llminendors mit Angabe von
Cista (19) und Numerus (20).

2) Stuttgart, Staatsarchiv XIX, 1, 16;
nad) der alten Psarr-Registraturabschrist

nicht 1406, zu lesen.

wäre eher 1485,
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