Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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was der Liber decimationis Constan-
tiensis aus diesem Jahr bezeugt *). Um
jene Zeit übten das Patronatsrecht nebst
anderen Gerechtsamen die Herren von
Schellenberg aus, die nach der Ochsen-
hauser Chronik schon vor dem Jahr
1200 dort begütert waren und aus dem
Burgstall, Buschet genannt, später in dein
von ihnen erbauten Schloß im Dors
wohnten. Dieser Burgstall ist der heu-
tige Kreuzberg, auf dem letzt die neue
Wallfahrtskirche steht. Alte Abbildungen
von Dorf und Kirche zeigen noch die
Burg auf der Höhe. Reste der Burg
wurden bei Grabungen gefunden; die
zwei Felsstücke, die als Ruhebänke am
Berge von Prälat Hofele gesetzt wurdet!,
sind vom Fundament ausgegraben wor-
den. Wenn das Dorf, wohl nach seiner
Lage an der Umlach, schon 1208 und 1239
urkundlich genannt ist, wird es auch da-
inals schon ein Gotteshaus besessen haben.
Ja nach der Ochsenhauser Klosterchronik
war Ummendorf zur Zeit der Kloster-
gründung im Jahre 1099 bereits eine
selbständige Pfarrei. Ein Marquard von
Ummendorf urkundet 1129 in einer Stif-
tung an das benachbarte Gotteshaus; ein
anderer Ortsadeliger desselben Ge-
schlechts, das einen mit drei ausgebroche-
nen Seeblättern belegten Schräglinks-
balken im Wappen führte, Heinrich von
Ummendorf, Marescälcus regis Frlde-
rici, machte 1221 dem Kloster Weißenau
eine Schenkung 2). Neben diesen Orts-
edlen, die später ineist in Oggelshausen
residierten (noch 1365 urkundet ein Kon-
rad von Ummendorf zu Oggelshausen),
blieben die aus Graubünden stammenden,
nach der Vorarlberger Burg genannten
staufischen Ministerialen, die Herren von
Schellenberg, bis 1373 die bedeutendste
Grundherrschaft, die sich durch den Bau

0 Freiburger Diözesanarchiv 1 (1866)
S. 147. 1357 wirb urkundlich (Stuttgart,

St.-A. Rep. Ochsenhausen, B. 194) ein Kirch-
herr Dietrich zu Ummendorf genannt. Eine
Beschreibung der Feuerstatt usw. in Ummen-
dorf im Kameralamt Ochsenhausen vom
Jahre 1599. Andere Urkunden, Donationen,
Lehenreverse und Lehenbriefe (1405—1561)
im Stuttgarter Staatsarchiv Rep. Ochsen-
Hausen K. 19 F. 22 B. 61 und K. 66 F. 20
B. 1—3.

') Hofele, Kreuzberg S. 34.

des heutigen Schlosses verewigte;
doch stammt dieses nach seinen Haupt-
teilen aus den! Anfang des 16. Jahr-
hunderts. In demselben Kirchenbuch
findet sich ein Eintrag über die Kirchen-
reparatur im Jahre 1716, aus deren An-
laß der Schreiber, wie die Jahrzahl am
Turm, ein Datum am Schloßbau fand
und notierte: in aree infra tectum
versus Schweinhausen legitur Nu-
merus 1504. Dieser ansehnliche Schloß-
bau hatte noch im Südostflügel eine
Kapelle, die 1829 abgebrochen wurde
und öfters als Notkirche diente; eine
Fensterwand steht noch. In dem Schloß,
der Sommerresidenz des Ochsenhauser
Prälaten, Wohnung seiner Pfarrvikare
und Beamten in Anbauten (Stallmei-
ster, Gerichtsamann leben auf Haus-
namen bis heute fort), war seit 1623
einige Jahre lang ein Seminar1) zu
höheren theologischen und philosophischen
Studien eingerichtet; 18. Mai 1799
war hier das Hauptquartier Erzherzog
Karls.

Eine wechselvolle Geschichte hat sich
dem rückwärtsschauenden Auge an der
Hand von Dokumenten und Monumen-
ten entrollt. Jetzt erst steht die kirchliche
Baugeschichte Ummendorfs klar vor un-
serm Auge, und erklärt sich unzweideutig
das vieldeutige Jetzt aus dem aufgehell-
ten Einst.

2.

Die größte von den drei Kirchen Um-
mendorfs ist die dem hl. Johannes Evan-
gelist geweihte Pfarrkirche, durch ihren
Umfang, ihre Einheitlichkeit, ihren Reich-
tum an Ausstattung der Gegenstand der
Bewunderung aller Fremden, die vom
nahen Jordanbad dieses „temrdnm
peramplum" besuchen, wie der Gegen-
stand des Neides mancher größeren
Pfarrgemeinde. Die Größe der jetzi-
gen Pfarrkirche erklärt sich ebenfalls zum
Teil aus der früheren Geschichte der
Pfarrei; es gehörten zu Ummendorf
noch die heute selbständigen Pfarreien
Fischbach und Schweinhausen, ferner
16 Weiler und Gehöfte, die jetzt in noch
entlegenere Pfarreien, wie Ringschnait,

9 Schermauu, Beil, zum „Staatsanzeigrr"
1910 S. 350; Sägmüller, „Tübinger Thcol.
Quart." 86 (1904) 169, 172.
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