Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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Chor eingebaut, wölbt sich der stark pro-
filierte llntersatz und Schalldeckel der
Kanzel aus rotem Stuckmarmor. Die
Brüstung in der Mitte zeigt ein Relief:
Moses empfängt die Gesetzestafeln; den
Deckel zieren als Abschluß Vasen und
Engelkinder; ein stilvoll gegliederter i
Pfeiler stützt das mächtige Werk. In glei- !
cher symmetrischer Anordnung sehen wir
gegenüber an der linken: Chorbogenwand,
wie oft in Barockkirchen aller Stilarten
Oberschwabens, z. B. noch in Wiblingen,
Zwiefalten, auch in kleineren Kloster-
kirchen, wie Jnzigkofen bei Sig-
maringen, ein G e g e n st ü ck zur
Kanzel, überragt von ähnlichem
Schalldeckel, Predigt St. Johannis,
der Christus tauft, darunter ist der
Taufstein. Die Figurengruppe aus Ala- j
basterstuck ist in ursprünglicher Farben-
gebung, Weiß mit wenig Gold, ordentlich
erhalten geblieben. Die stilwidrige,
schreiend buntfarbige Anstreichung der
übrigen Altarfiguren wäre besser unter-
blieben und ruft nach Wiederherstellung
im Originalton, wofür St. Johannes auf
der Gegenkanzel das Muster abgeben
kann! In den Hinteren Ecken des Nord-
und Südquerschiffs sind zwei Beicht-
st ü h l e eingestellt, hübsche Rokokoarbei-
ten mit schwungvollem Aufsatz, rechts die
Abtsmitra im Mittelschild, links die
Papsttiara; ein Schriftband umzieht die
Krönung. Nach der chronostichisch geschrie-
benen Inschrift: Dem, Der ReV Vnd
Vorsatz haLt (rechts), Diesem thVt eJn
KJrChen GVV aLt (links), ergibt das
Jahr 1783. Je zwei weitere Apostelbil-
der, in Oel gemalt, beleben die Fläche
zwischen den oberen und unteren Fen-
stern links und rechts. Auch beginnt hier
die Reihe der 14 S t a t i o n e n b i l -
d e r, in Oel gemalt und einfacher ge-
rahmt; nach Hofeles Aufzeichnung stam-
men sie aus dem Kloster Gutenzell; sie
zeigen nicht gewöhnliches Geschick in
Darstellung reichbelebter Szenen und 1
größere Maßstäbe (1,25 zu 1,08 Meter). |
Andere Ausstattungsgegenstände der
Pfarrkirche mögen von O ch s e n h a u« 1
s c n stammen. Ein Verzeichnis der seit !
1807 an einzelne Pfarreien, darunter
auch Ummendorf, abgegebenen Gegen- !
stände findet sich in der Pfarregistratur;

zu Ochsenhausen. Ein in: Schwaben-
land seltenes Ausstattungsstück bilden
die „Stäbe", bemalte Blechschilde auf
Stangen, die bei den monatlichen Pro-
zessionen die „Stabhalter" tragen. Je
fünf weiße, rote und gelbe Rosen vorn
und die fünfzehn Rosenkranzgeheimnisse
auf der Rückseite 'schmücken die fünf-
zehn Schilde, dazu kommen vier Stäbe,
deren eines Paar auf den Bänken der
Männerseite St. Benedikt und St. Scho-
lastika vorn und das Monogramm
Christi und das Mariens rückwärts
zeigt, das andere auf der Frauenseite
St. Dominikus und St. Katharina von
Siena mit je einem gleichen Mono-
gramm. Sie stammen aus der Zeit der
Einführung der Rosenkranzbruderschaft
durch die Benediktiner von Ochsenhau-
sen, die sie wie eine Kongregation or-
ganisierten; demselben Zweck dienen die
drei alten, beachtenswerten Fahnen
in: Chor; sie tragen auf der Vorderseite
auf Leinwand geinalt das erste Geheim-
nis des freudenreichen, schinerzhaften
und glorreichen Rosenkranzes, und jedes-
nial auf der Riickseite in köstlich ver-
schlungenen Rokokoornamenten die dazu-
gehörigen vier anderen Szenen in klei-
nerer Medaillonform.

Die Flachdecke iiber deu: Stichkappen-
gewölbe füllt ein ebenfalls von Freidcl
gemaltes großes Deckengemälde: Das
jüngste Gericht, eine freie Kopie nach
Kornelius' Hochaltarbild in der
Ludwigskirche zu München, nicht ohne
Kraft und Leben des Originals. In den
Zwickeln sind Medaillons der vier Evan-
gelisten und über der Orgelempore links
und rechts David und Cäcilia als Pa-
trone der Kirchenmusik geinalt. Die ein-
zig noch übrige Westempore tragen drei
Arkaden mit zwei Pfeilern. Ein Meister-
werk ist das Orgelgehäuse, das
nach oben angeführter Chroniknotiz der
letzte Ordenspriester, dann Erkonventual
Joseph Kugler (ß 1812) samt der Orgel
aus der Wallfahrtskirche Eldern bei
Ottobeuren 1805 ersteigerte Z und auf
eigene Kosten, da die Metternichsche
Gutsherrschaft (des Kanzlers von Stein-
st Nicht ganz korrekt also die Angabe
Inventar 'S. 232; Eldern war Subpriorat
von Ottobeuren.
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