Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

Seite: 62
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skulptur von Wilhelm Gerstel: „Adam".
Der Stammvater des Menschengeschlechts
ist offenbar gedacht in dem Stadium, ehe
ihm Gott den Oden: des Lebens ein-
hauchte und fein Seelenleben begann.
Daß er aus Ton gebildet wurde, das ist
drastisch zum Ausdruck gebracht, trotzdem
der Stoff Holz ist. Tüchtiges Können
ist dem Künstler nicht abzufprechen. Auch
„St. Sebastian" (Holz) von Jakob
Blaser inacht seinem Meister Ehre.

Man kann es bedauern, daß in einem
so wohlhabenden Lande mit katholischer
Majorität wie Baden nicht mehr ab-
gefallen ist für kirchliche Kunst. Man darf
jedoch nicht den Schluß daraus ziehen,
daß nichts geschieht fiir Kirchenbau und
Kirchenschmuck. Ein Besuch der nen-
erstellten Kuppelkirche am Südende
Baden-Badens und der Kirche von Kehl
zeigen interessante Versuche, modernem
Kunstempfinden die Wege zu ebnen ins
Gotteshaus. Auch im Badener Knnst-
gcbände präsentieren sich eine Reihe her-
vorragender Meister, deren Kunst, iiber-
tragen auf das kirchliche Gebiet, sicher
reichen Anklang finden würde. Den Mo-
dernen antikisieren sie freilich viel zu
viel, auch technisch. Und so gilt es denn,
vorerst abzuwarten. Auf so manchem
Gebiete hat der Ernst der Gegenwart in
kurzer Zeit neues Leben geweckt. Viel-
leicht erfaßt es auch die kirchliche Kunst.

Drei Rircheu in einem Dorf.

E i n G a n g d u r ch d i e d r e i r e st a u-
r i e r t e n Kirche n ll m m e n d o r f s,
ihre Geschichte und K n n st -
g e s ch i ch t e.

Von N. W. U.

Ikj.

Die S t. I o h a nneskapell e.

Eine kleine Pfarrkirche, ein Schmuck-
kästchen, von Natur und Kunst reich ans-
gestattet, ist die am Ende des Dorfs am
Ufer der Umlach gelegene Kapelle zu
Ehren des hl. Johannes des Täufers.
Malerisch liegt sie an dem Abhang des
nach Häusern, vorbei am Kreuzberg füh-
renden Höhenzugs hingebettet, nmsänmt
von lichtein Baumwuchs. Die Wellen
des Baches rauschen vorüber, nach dein

das Torf wohl seinen Namen bekommen.
Von zwei Seiten geschaut, richtet sich die
Silhouette des schmucken Kirchleins
wohlberechnet nach dem höheren Dach
iind Turm der Pfarrkirche all 8. Jo-
hannem Evangelistam. Beide gehören
ihrer letzten Gestalt nach Ausläufern des
Barock an, beide reichen nach ihrem ersten
Vorkommen in die Zeit der Gotik hin-
ein. In demselben Jahr wie die grö-
ßere Kirche (maior ecdesia) muß sie
sich einer Rekonziliation, einer Wieder-
weihe nach Entweihung der beiden Got-
! teshäuser, unterziehen. Am Freitag den
0. Mai 1460 vollzieht der Konstanzer
Weihbischof Johannes aus dem Franzis-
kanerorden die Rekonziliation, worüber
eine Urkunde ebenfalls aus Ochsenhauser
Archivalien überliefert istch. Die Ka-
pelle ist geweiht dem hl. Johannes, den
hl. Dorothea, Margareta, Katharina
und Barbara (sub vocabulis fundata).
Der Kirchweihfesttag soll der nächste
Sonntag vor dem Fest des hl. Martinas
Bischofs sein. Nach einer aus dem
Ochsenhauser Archiv stammenden Ur-
kunde wurde die Kapelle im Jahr 1400
vor: dem Konstanzer Weihbischof Daniel,
Episcopns Bellinensis, konfekriert
es heißt in dem alten Regest der Um-
mendorfer Pfarregistratur: anno Do-

mini millesimo quadringentesimo.
Die dominica Jubilate in villa Urnen-
dorf prope opidum Biberach. conse-
cravit3).

Pfarrer in Ummendorf war da-
mals nach dein Dokument Fr. Jakob
Murer, plebanus. Der Abschreiber
scheint sich um ein Jahrhundert geirrt zu
haben in der Lesung. der Ziffer oder-
ber schwer zu entziffernden Schrift des
Dokuments. Wir erfahren aus einem an-
deren Notizblatt der Pfarregistratur Bon
einem Gemälde, das die Johanneskapelle
einst geschmückt. Der Chronist berichtet
auf einem einzelnen, zufällig erhaltenen
Blatt: auf der Rückseite des alten Al-

st XIX n. 21.

st XIX n. 29 s. unten Anhang II.
st Nach einer Mitteilung im „Anzeiger
vom Oberland" 1. April 1913 Nr. 74 lautet
das Datum 1500, ebenso nach meiner Ein-
sicht in die Originalurkunde.
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