Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

Seite: 64
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ser Kanoniker mit einigen Pfarrkindern,
gegen das nahe Bild des hl. Johannes
Baptist gewendet. Die Inschrift lautete:

0 foannes cbare, pro me et meis sub-

ditis Deum deprecare, etwa: O lieber
Johannes n:ein, laß mich und die Mei-
nen dir empfohlen fein. In der Mitte
fei zu lesen gewesen: Sub fr(atr)e

Jacobo Murer PJebano et A. Petro
Tauspre Pictore 1503, darunter
ein Wappenschild (scutum gentilicium)
mit drei Lilienblättern. Es war also ein
Votivbild, gestiftet vom Pfarrer von Um-
mendorf, das damals dem Prämonstra-
tenserklofter Weißenau inkorporiert war
(von 1373 bis 1564) und einen Konven-
tualen zur Verwaltung der Pfarrei ent-
sandte. Der Kanoniker empfiehlt sich
und feine Pfarrkinder dem Schutz des
Patrons des Kirchleins mit dem rühren-
den Vers und der Stiftung eines Altar-
bildes, auf dem neben dem Ordensstifter
der hl. Johannes gemalt war, letzterer
vielleicht auch als Statue im Schrein sich
befand. Die Jahrzahl, über deren Hun-
derter schon der Schreiber offenbar in:
unklaren war, dürfte 1503 zu lefen fein.
Auf der andern, also rechten Seite sah
man einen Bischof, der von der Gottes-
mutter ein weißes Gewand erhielt mit
der Inschrift: Pluic Maria dedit Prae-
monstratensem ordinem, unde ipse
ordo et locus Praemonstratensis
vocatus est. Dargeftellt war also wohl
wieder der hl. Ordensstifter Norbert, der
von Maria das weiße Ordenskleid nach
der üblichen Legende und Darstellung in
anderen mittelalterlichen Orden erhalten
haben foll. Darunter war gemalt ein j
Prümonstratenferbischof in einer großen:
Landschaft mit Tempel. Schild-

1 n s i g n i e n, Wappenzeichen (insignia
in scuto) sind: zwei Hirtenstäbe, quer,
mit mehreren Lilien. Vielleicht hat sich
durch eine solch stattliche Altarstiftung
der ans Ummendorf gebürtige Abt Jo-
hann Meier von Weißenau (1495 bis
1523), der um jene Zeit regierte, seiner
Heimatgemeinde erkenntlich gezeigt, zu-
mal da St. Johannes sein Namens-
patron war.

Es dürften also diese alten Altarbilder
zu einem Flügelaltar gehört haben, einem
gotischen Kunstwerk, das spurlos ver-

schwunden ist, wohl beini Um- oder Neu-
bau der Kapelle im 18. Jahrhundert.
Wie in anderen Klöstern war bei der um.
diese Zeit erwachten Baulust das Ver-
ständnis für die Werke der altdeutschen
Kunst verloren gegangen, und diese
fielen vielfach einem zweiten Bildersturm
des Varockfanatismus zum Opfer, so daß
von all den alten Kunstdenkmälern in den
großen Klosterkirchen Oberschwabens
kaum eine Spur auf uns gekommen ist.

Daß St. Johann in Ummendorf in:
16. Jahrhundert eine von weiter her
besuchte Wallfahrtsstätte war, geht aus
den: von Schilling herausgegebenen Be-
richt aus der Reformationszeit in Bi-
berach hervor. Darnach habe man „in:
alten Glauben" viel gehalten, „welcher
mit guottem Andacht ist gangen zue an-
deren Hayligen und Khürchen ahn der
nöhe, es fey in die Rechte Khürch...
oder anderen Kappellen, es sehe gehn
Wahrthausen zue Unser lieben Frauen,
es s e y e gehn Ummendorf zue
SanctJohansen, gön Fischbach zue
Sanct Ottilgen oder ander Orth" I.

Nach demselben Bericht scheint es in
Biberach Sitte gewesen zu sein, daß
wie von Hochdorf (Sanct Onhilten) und
Fischbach (St. Ottilgen) „haplige Bett-
ler" auch von Ummendorf kamen mit
„Sancte Hanns Haupt" und Wachs-
kerzen, Wachsaugen und -zehen sammel-
ten 2).

Unter den Festbräuchen an St. Jo-
hannes-Baptista-Tag weiß der Verfasser
„des wahren, rechten, guetten, christen-
lichen" Glauben ans Biberach um 1540
zu berichten: „Ahn dem Tag seindt vil
Leüth gehn Ummendorff gangen zue
Sancte Hannfen" 3). „Am Montag in
der Creutzwochen ist man mit den:
Creuz gangen gehn Ummendorff nüt der
Prozess, Creuz, Fahnen, Schneller,
Prüester, Mann und Frawen in aller
Ordnung nach dem brauch, und hat man
ein Reimben beim heyligen Creuz ge-
sungen" ch. Also war ein Bittgang in
der Bittwoche vor Christi Himmelfahrt

0 Freiburger Diöz.-Arch. 19 (1887) S. 16.

h A. o. O. S. 98.

h Freiburger Diöz.-Arch. 19 (1887) S 104.

4) A. a. O. S. 134.
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