Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

Seite: 66
DOI Heft: 10.11588/diglit.16255.16
DOI Artikel: 10.11588/diglit.16255.19
DOI Seite: 10.11588/diglit.16255#0069
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1915/0069
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
66

Gemälde. St. Bernhard neigt sich der
Gekreuzigte zu, eine Vision des Zister-
zienserabtes, voll Affekt dargestellt. Zur
Rechten beim Eingang von der Südseite
begrüßt uns die moderne Statue des
Täufers, von Prälat Dt. Hosele gestiftet.
In der Nähe davon stellt ein kleines
Oelgemälde in Querformat Johannes'
Enthauptung als vollzogen dar: der Hei-
lige liegt an einer Säule gefesselt tot
am Boden, das Haupt kaum sichtbar vom
Rumpf getrennt, die Hände auf den
Rücken gebunden, einen Strahl seines
Blutes aus der Herzenswunde in seinen

Mund mit der Hand leitend. Ein Engel
hält die Leidenswerkzeuge. Auf dem
ganz dunklen Hintergrund sticht das
fließende Blut grausig ab, kein Häscher
ist zu sehen.

Auf einem größeren Gemälde an der
linken vorderen Wand sehen wir Johan-
nes vor Herodes und den zwei aus-
gelassenen Weibern des Hofs predigen.
Das non licet spricht aus dem Ernst des
Sittenpredigers. Die größte Darstellung!
aus Johannis Leben ist das Altarbild.
Bei der Reinigung und Renovation
des großen Oelgemäldes durch die Ma-
lerin Frl. Freudenreich stellte sich eine '

Signatur des Künstlers I. G. Berg-
müller 1737 heraus. Johann Georg
Bergmüller, der in Ochsenhausen, Bibe-
rach, Bellamont, Obersulmetingen und
auch außerhalb des Bezirks tätige Maler,
gehört unstreitig zu den bedeutendsten
Künstlern der ersten Hälfte des 18. Jahr-
hunderts (1688 bis 1762). Geboren
.15. April 1688 zu Türkheim (Bayr.
Schwaben), war er Schüler Joh. An-
dreas Wolfs in München, malte Kirchen.
Altäre, Hausfassaden; auch als Kupfer-
stecher hat er sich ausgezeichnet. Er gab
1723 die „Anthropometria" und 1752
ein Werk „Säulenord-
nung" heraus. Direktor
der Augsburger Aka-
demie war er bis zu sei-
nein Tod (30. März
1762). Er ist gleich groß
als Freskenmaler (Dek-
kensresken in der Klo-
sterkirche 1725 u. ff. und
Treppenhaus (1743),
und in der Prälatur
(1745) gu Ochsenhau-
sen) wie als Meister von
Tafelgemälden. Altar-
bilder sind von ihm in
St. Antonius in Ochsen-
hausen (1718), Mariä
Himmelfahrt in der Bi-
beracher Stadtpsarr-
kirche (1720), St. Bla-
sius in Bellamont
(1725), Versuchung des
heiligen Benedikt (1720),
St. Ulrich und Madonna
in Obersulmetingen; ein
Johannes Evangelist in der Kirche von
Ochsenhausen (1742) ist nicht mehr vor-
handen. Auch profane Malereien stam-
men von seiner Hand; in dem seit der
Mitte des 18. Jahrhunderts im Rokoko-
geschmack erneuerten Schloß zu Ummen-
dors malte er mehrere Jagdstücke, wäh-
rend die anderen Dekorationen von
einem seit 1760 dort tätigen Maler F.
ft. Forchner aus Dietenheim herrüb-
ren *).

Von I. G. Bergmüller sind Werke
in Württemberg noch nachzuweisen in

si Inventar Biberach S. 231.
loading ...