Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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Tannha n s e rt, OA. Ellwangen
(Hochaltarbild: St. Lukas als Maler
der Madonna 1717); das sehr verdor-
bene, nach Rafaels Art gemalte Bild
hängt jetzt an der Seite; die Malereien
am Ständehaus in Stuttgart
(1745), Entwürfe dazu im K. Kupfer-
stichkabin/ett, ebenso Entwürfe zu den
Malereien am Landschaftsgebäude, 12
Bl. in 4° getuscht, um 1746 H; Ehingen
a. D. Konviktskirche, Mariä Tod:
M o ch e n t a l, Propstzimmer, Agonie
Christi, 1747 von Zwiefalten dorthin
gebracht (verloren?); Erbach, OA.
Ehingen: Altarblatt,

Beweinung Christi, sig-
niert: I. Bergmüller

kamt aetatis suae 74
anno 1766 2).

Das große (1,50
Meter breite, über zwei
Meter hohe, im Rund-
bogen oben endende)

Altarblatt der St. Jo-
hanneskapelle stellt den
Vollzug der Enthaup-
tung des Täufers dar.

Im Mittelpunkt steht
der Häscher, in flattern-
dem, blauem Gewand
schwingt er das Schwert
über den Nacken des
Täufers; ein Blutstrahl
spritzt eben aus dem zu
seinen Füßen gebeug-
ten, an den Pflock ge-
bundenen Johannes,
dessen Kleid und Fahne
an: Boden liegen. Ein
römischer Soldat lind
ein Weib mit einer Schüssel iteht
zur Rechten. Wie vom hohen Balkone,
durch eine Bogenöffnung schauen die
beiden Anstifterinnen des Mords, Sa-
lome und Herodias, von oben der grau-
sigen Szene zu; beide sind jugendlich
anmutig, in leichtgeschürztem Rokoko-
gewand. Durch das Gitter im mittle-
ren Bogen der Kerkerarchitektur blicken * I.

zwei andere Gestalten, ein Mann nnb
eine Frau. Ergreifenden Ausdruck ver-
mochte der Künstler dem Haupt des
sterbenden Täufers zu geben. Bergmül-
lers Gemälde bildet den Mittelpunkt
des holzgeschnitzten Altars; es steht tm
Bogenfeld, in eine Nische hineingestellt,
einem abschnittweis gegliederten Rund-
bogen. Zu beiden Seiten desselben sind
gegliederte Ansätze angebracht, ohne
Säulen. Eine Girlande mit Engelskovf
oben ziert gar zierlich den äußersten Eck-
pfeiler, ein reich verkröpftes Gebälk, Ka-
pitell mit Vase, aus der Wasserstrahlen

Inneres der St. Johanneskapelle in Uminendorf.

aufspringen, krönt die Ecken, dazu Aufsatz
mit Volliten zu beiden Seiten, und am
obern Rand in der Mitte ein Engel,
Muscheln haltend, am linken lind rechten
Rand Engel, die Ketten wie sonst
Girlanden halten, das Ganze nicht zil
überschwenglich und doch reich belebt.

st Nach Kunst- und Altertums-Denkmale
in -Württemberg, Neckarkreis S. 38, starb

I. >G. Bergmnller 1765, nach S. 610 korri-
giert in 1762.

st Sicher 1762 zu lesen.

Hinter dem Gitter der säulenlosen
Eckansätze des Altars erscheinen zwei
schmale Gemälde auf Holz: rechts der
fratzenhafte, wild sich gebärdende, rea-
listisch aufgefaßte Wildling, gefesselt,
links eine Gestalt, ruhig, betend, in Ket-
ten. Nach sinniger Deutung des ini
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