Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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Jordanbad einst weilenden Erzbischofs
Abert von Bamberg der geduldige und
der ungeduldige Gefangene, Abbilder
der zwei Schächer am Kreuze 1).

Daß sich auf den späteren Petrusbil-
dern meist diese Gitterfenster vorfinden,
leitet sich von einer mißverständlichen
Anlehnung an Rafael her. In den
Stanzen des Vatikans ist bekanntlich
Petri Befreiung aus dem Kerker dar-
gestellt; der Meister hatte aber nur ein
Halbrund mit Ausschnitt als Raum
übrig. Er machte nun aus der Not eine
Tugend, zeigte sich als Meister in der
Beschränkung und brachte ideelle Fenster
an, Gitterfenster, ohne den wirklichen
Raum zu belasten.

In der Rundung am linken unteren
Altarpfeiler ist ein Wappenschild an- I
gebracht: aus einer Kirche mit zwei

Fensterchen übereinander und zwei Eck- z
türmen kommt ein Ochse (es ist das j
Wappen der Abtei Ochfenhaufen). Rechts j
ist das Wappen des Abtes Benedikt,
Denzel von Ochsenhausen: drei Rosen

auf einem Dreiberg, in vertikal geteil- !
tem, links weißem, rechts rotem Schild.
In der Mitte der Predella über der '
Altarmenfa ist eine winde Vertiefung!
ausgehöhlt, in der sich die goldene,
Schüssel rnit dem weiß gefaßten Haupt
des Täufers befindet.

Zwei Leuchter in Silberblech getrie-
ben, Rokoko, und ein Kruzifix mit
Empirefuß ist Original, anderes neu,
wie das holzgefchnitzte Christkind über
der Mittelnische, das zu einer der fünf
früher in der Pfarrkirche aufgestellten
Marienstatuen gehört2).

Als letzte Darstellung aus des Täufers
Leben kommt in Betracht das Fresko-
g, e m ä l d e in der Mitte der Decke des
Kirchleins, ein frisch, lebendig aufgefaß-
tes, mit technischer Bravour ausgefükp--
tes Szencnbild. Johannes der Täufer-
Predigt den Volksscharen von der Höhe
eines Felsens; der landschaftliche Hinter-

st Nach eines anderen bischöflichen Kunst-
kenners Meinung sind es !die armen Seelen
in ihrem Gefängnis.

st Die Darstellung: Jesuskind zu Füßen
Mariä wurde als mit römischen Kongre-
gationsdekreten im Widerspruch getrennt
und das Kind allein hier ausgestellt — Hin-
weis auf den Kindergottesacker um die
Kapelle!

grund ist meisterhaft dargestellt, nicht
weniger die verschiedenen Typen seiner
Zuhörer, Männer, Frauen und Kinder.
Aus der Ferne kommt Jesus einher, auf
ihn weist der Prediger seine Zuhörer
hin: Ecce Agnus Bei! In der Höhe
des Himmels schwebt der himmlische
Vater. Das ganze, von Allmendinger
1908 restaurierte Deckengemälde ist von
reicher Stukkatur umrahmt, die an den
Seiten selbst die durch den Raum gezo-
genen Grenzlinien überschneidet. Vom
gleichen Meister mag das Wandgemälde:
„Taufe Jesu durch Johannes" über der
Eingangstüre des Schlosses herrühren.

Diese vielgestaltige Verherrlichung des
Täufers zeigt die Bedeutung des Heili-
gen für die Kirche und die Gemeinde.
Jetzt wird seit etwa 1829, der kirchlichen
Neuordnung der Pastorationsverhält-
nisse durch die neuerrichtete Diözesanlei-
tung und Diözesaneinteilung, St. Johan-
nes der Täufer auch als Patron der
Pfarrkirche gefeiert; früher war St. Jo-
hannes der Evangelist, dessen Bild den
Hochaltar schmückt, der Hauptpatron.
Aeltere Gottesdienstordnungen, deren
zwei schön geschriebene und köstlich ge-
bundene Exemplare von 1761 und 1788
in der Registratur aufbewahrt sind
(Rationale Parochiae in Ilmmendorf,
entworfen von P. Kolumban Düringer
und P. Kajetan Held), verzeichnen das
Fest Johannis Baptistä als festum pa-
ke oni secundarii und den Evangelisten
als patronus parochiae primarius.
Dessen Fest war also das Primarpatro-
zinium.

Fast hätten wir in dieser großen Fülle
an Johannesbildern ein kleines zu guter
Letzt übersehen. An dem Antependium
des Altars ist grau in grau in der Mitte
die Szene der Predigt des Täufers ge-
malt.

Neben diesen sieben Johannesbildern
beherbergt „St. Johann im Felde" noch
eine Anzahl unverächtlicher Gemälde.
Vor allem fesseln, dem Eingang nahe,
zwei größere Tafelbilder von nicht ge-
wöhnlicher Malmanier und rätselhafter
Bedeutung. Rechts oben sieht mau
einen Jüngling und weltliche Gestalten
voll Liebreiz neben ihm; links wird ein
König von einem Bischof getauft. Man
kann an Chlodwigs Taufe durch Remi-
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