Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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gius denken und sein Wort: Mitis de-
pone colla Sugamber; Incende, quod
adorasti, adora, quod incendisti. Erst
eine kürzlich gefundene Notiz aus dem
Testament des früheren Ummendorfer
Pfarrers Müller bestätigt letztere An-
nahme und klärt die Bedeutung des sonst
unerklärlichen ersteren Bildes auf.
Beide Gemälde stammen aus dem Nach-
laß dieses Pfarrherrn, der auch für die
Pfarrkirche mehrere Bilder und Statuen
erworben bezw. hinterlassen hat; sie
stellen den Abschied des jungen Remi-
gius von der Welt, die ihn vom hohen
Berufe zurückhalten will, und die Taufe
des Frankenkönigs Chlodwig durch den

Altarblatt: Johannes Enthauptung in der
St. Johanneskapelle in Uimnendorf.
Von I. G. Bergmüller.

Bischof von Reims dar. Von demsel-
ben Donator sind die beiden kleineren
Gemälde in Querformat, Jesus und die
Ehebrecherin, sowie die Zinsmiinze,
wohl italienische Arbeiten. Weiter vorne
im Schiff hängt zur Rechten ein größeres
Geinälde, das nach der längeren In-
schrift den hl. Guilbert darstellt; offen-
bar ein Votivbild, das die Hilfe des Hei-
ligen in verschiedenen Anliegen bekrinden
soll. Das Bild des Prämonstratenser-
heiligen kann, da als ein Datum aits
seiner Kanonisierungsgeschichte das Jahr
1728 auf der Unterschrift genannt ist,

erst aus der Mitte des 18. Jahrhunderts
stammen. Am wenigsten wertvoll sind
die 14 kleinen Stationen - Bilder,
lrach Führich von einem modernen
Dilettanten ausgeführt.

Den innen wie außen dreiseitig ab-
schließenden Chor schmücken außer dem
Altar zwei Gemälde voll lieblicher An-
mut der Dargestellten; rechts Mutter
Anna mit ihrem Kind Maria, links
Maria mit dem Jesllskind, Brustbilder.

Einen gotischen St. Veit im Kessel
in kleinster, aber zarter und feiner Aus-
führung ließ Pfarrer Wiest nach jüngster
Restauration vom Pfarrschloßbühnen-
raum in das Kirchlein verbringen. Es
sollten die Kinder, für die draußen der
Friedhof gerichtet ist, wie am kleinen
Jesusknaben, der von der modernen
Marienstatue getrennten Figur, auch an
diesem Jugendpatron sich erfreuen.
Scheidend von diesem lieblichanmuti-
gen Heiligtum an der Umlach, gestehen
wir unumwunden unsere Zustimmung
zu dem Urteil zahlreicher fremder
Künstler und Kunstfreunde vom nahen
Jordanbad, deren einem wir die Abbil-
dungen verdanken. „St. Johann im
Felde" ist in seiner, seines jetzigen
Pfarrherrn „sinniger, minniger Mühe-
waltung" verdankten Erneuerung ein
Kleinod voll künstlerischer und stini-
mungsvoller Erhebung x).

III.

Was schimmert dort auf dem Berge
so schön? Es ist das goldene Kreuz, das,
über die Bäume des malerisch gelegenen
Waldhügels herausschauend, strahlend int
hellen Sonnenschein von Osten her, den
vergoldeten Knopf einer Kuppel krönt.
Den „kauft-, natur- und heiligschönen

st Eine andere merkwürdige Erscheinung
der Pluralität von Ortskirchen bietet
Ditzingen, OA. Leonberg. Der kleine
Ort hat zwei gotische Kirchen — der kleinere
Teil links der Glems war fränkisch, bischöf-
lich-speirisch, der größere schwäbisch, bischöf-
lich-konstanzisch. So kam das Dorf zu der
heute noch sog. Speirer und Konstanzer
Kirche. Diese ist 1477 erbaut. So mögen, wie
die Diözesenscheidung, auch die oft nahen
Grenzen klösterlicher Territorien zum Bau
mehrerer Kirchen auf engem Gebiet geführt
haben. R o t, OA. Leutktrch, Sitz des ein-
stigen Prämonstratenserklosters, erfreut sich
ebenfalls solchen Reichtums.
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