Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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des apostolischen Stuhles Gnaden Bi-
schof der Kirche von Agathopolis,
bischöflicher Generalvikar des vochwürdi-
gen Vaters in Christo und Herrn, Herrn
Hermann, durch dieselbe Gnade Bischof
von Konstanz, tun kund allen und jeden
Christgläubigen, die unfern gegenwärki-
gen Brief einsehen, desgleichen lesen und
hören werden: Wir haben im Jahre

1466 nach Christi Geburt am Samstag,
dem Tag des hl. Franziskus, den 4. Ok-
tober, die Pfarrkirche in U m -
m e n d o r f in der Diözese Konstanz ge-
weiht, die zu Ehren der seligen Jung-
frau Maria, der glorreichen Mutter un-
seres Herrn Jesus Christus, der hl. Apo-
stel Petrus und Paulus, des Johannes
Evangelist und Johannes des Täufers,
der Jungfrauen und Martyrinnen Ka-
tharina und Dorothea gebaut ward, und
haben in derselben Kirche drei Altäre
von minderer Würde cm dem gleichen
Tag geweiht, den Altar in der Mitte der
Kirche zu Ehren der Märtyrer Sebastian
und Vitus, der Jungfrau und Märtyrin
Barbara, Ursula und ihrer Gefährtin-
nen, den Altar aber auf der rechten
Seite zu Ehren der Jungfrauen und
Martyrinnen Agatha und Brigida, des
Märtyrers Cyriakus und seiner Gefähr-
ten; den Altar zur Linken aber zu Ehren
der Maria Magdalena, der Jungfrau
und Märtyrin Margaretha und des Le-
viten Laurentius und der zehntausend
Märtyrer. Ta wir aber alle vor dem Tri-
bunal des gestrengen Richters stehen wer-
den, um, je nachdem wir im leiblichen
Leben Gutes oder Böses getan haben, zu
empfangen, und uns nottut, dem letzten
Erntetag durch gute Werke zuvorzukom-
men, auch nach des Apostels Wort:
Wer spärlich sät, wird auch spärlich ern-
ten, und wer im Segen sät, wird auch
vom Segen ernten und das ewige
Leben (erlangen), unb da die Schrift be-
kennt, daß Almosen die übrigen Werke
der Frömmigkeit übertreffe und den
ersten Platz einnehme, denn wie Wasser-
Feuer, so löscht das Almosen die Sünde
aus, deshalb gewähren wir allen Christ-
gläubigen, die reuigen Herzens die vor-
genannte Kirche am Tage der Kirchweihe,
für alle Zeit der letzte Sonntag vor dem
Fest des hl. Johann Baptist, besuchen mW

ihr frommes Almosen zu obgenannter
Kirche oder zu den Altären stiften, 40
Tage (Ablaß von Schuld und Strafe)
der schweren und ein Jahr der läßlichen
Sünden, ja, wir erlassen sie im Herrn in
Gnaden, und an den einzelnen Festtagen
der Patrone und Patroninnen ebenso-
viel. Des zum Zeugnis und zur festen
Bekräftigung hielten wir dafür, diesen
Brief durch Anhängung unseres Siegels
zu beglaubigen. Gegeben und geschehen
irn Jahr und Tag, wie oben geschrieben
steht, in der ersten Jndiktion.

II.

Bestätigung der Weihe der St. Jo-
hanneskapelle in Ummendorf durch den
Konstanzer Weihbischof Daniel. 1500.
Mai 10. (Sonntag Jubilate).

Orig.-Perg. Staatsarchiv Stuttgart.
Rep. Ochsenhausen 23. 18. 199, ohne
Siegel. 20 Zeilen 1).

Daniel2) dei et apostolicae Sedis
gratia Episcopus Bellinensis3), Reve-
rendi in cristo patris et domini do-
mini Hugonis4) eadem gratia epi-

9 Nach altem Registraturvermerk des
Kloster-Archivs Ochsenhausen: Cista 19;

Nr. 29. Die 'Schrift ist äußerst klein und
fein und voll Abkürzungen; Probe in pho-
tographischer Reproduktion von Pfarrer
Th. Selig in Uigendorf.

st Daniel Zehender, Weihbischof voir Kon-
stanz, Generalvikar, Franziskaner; nach
Haids Konstanzer Weihbischöfe 1076—1548
«Freiburger Diözesanarchiv 7 (1873) S. 225)
„soll" er aus Zürich oder Brugg gebürtig,
Ordeusmitgtied der Provinz Straßburg und
Professor der Theologie gewesen sein. Papst
Sixtus IV. ernannte ihn 3. Dez. 1473 zum
Suffragan des Konstanzer Bischofs und
UpiscopU8 Bellinensis (auch Bellicensis,
Balliocensis). lieber 60 Kirchen- und Altar-
weihen aus der Zeit zwischen 1474 und 1498
sind nachweisbar, so weihte er 1485 die Kirche
in Weingarten, 1491 das neue Krankenhaus
in Zwiefalten; 1493 benedizierte er den
neuen Abt von Bebenhaufen und firmte den
jungen Grasen Heinrich von Württemberg
in Anwesenheit des Grafen Eberhard im
Bart. Die Weihe in llmmendorf führt
Haid nicht an.

9 Das Bistum in partibus infidelium,
dessen Stadtnamen Haid nicht nennt und
kennt (9, 1875, 29), liegt nach Weidenbach
Calendarium medii et novi aevi 1855 S. 645
in Syrien. Auch Weihbischof Johannes IX.
(1440—1461) war auf diese Diözese geweiht
«F. D. A. 7, 282).

9 Hugo von Hohenlandenbevg, Bischof von
Konstanz 1496—1529 und 1531—1532, vgl.
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