Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

Seite: 86
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-fülltft erfolgen kann, zahlreich sind — trotz der schweren Zeiten — immer noch, besonders
unter dem kunstsinnigen Rlerus der Diözese, die Freunde der Sache unseres Lunstvereins
und seines „Archivs", und in weiten Rreisen ist warmes und reges Interesse für die
Fragen und Angelegenheiten der kirchlichen Run st vorhanden.

Es ist ja freilich wahr, daß die gegenwärtige Zeit viele und große Opfer verlangt,
daß besonders auch der Rlerus hieran in vorderer Reihe teilnimmt; aber wir werden doch
gewiß nicht fehlgehen in der Hoffnung' daß unter diesen Zeiten und Opfern das „Archiv"
nicht auch zu büßen haben werde. Es ist ja eine bescheidene Leistung, durch welche der
Einzelne nnthilft zum Weiterbestände und Weiterblühen des „Archivs für christliche Runst".
Und wenn es draußen im Felde und innen im Lande überall heißt: „durchhalten bis zum
siegreichen Erfolge", so ist es auch Ehrensache vor allem der sämtlichen Mitglieder des
Diözesankunstvereins, dann aber auch des großen Rreifes unserer Runstfreunde, dasür
zusammenzustehen, daß auch das Organ für christliche Runst Rottenburgs in kritischen
Lagen sich über Wasser hält und den neuen Jahrgang unter günstigen Auspizien beginnen kann.

Stuttgart, im Rriegsjahr 1916.

Die Redaktion.

„Das ^ild Lhristi im Mandel
der Zeiten."

Ein. Buch mit dem obigen Titel I,
dos wir uns etwas näher angesehen ha-
ben, ist Veranlassung geworden zu den
nachstehenden Ausführungen, welche, über
den Nahmen einer gelvöhulichen Bespre-
chung hinausgehend, Weniger eine Ein-
zelkritik geben, als vielmehr unsere Ge-
danken über den ganzen prinzipiellen
Standpunkt des Buches zum Ausdruck
bringen möchten.

Das Buch gibt nach einer entsprechen-
den Einleitung (3. 3 21) allgemeiner
Art auf 96 Seiten zusammen 113 Bil-
der in Kunstdruck, angefangen von
den ältesten Christus-Darstellungen >
in den Katakomben bis herauf zur Ge- !
genwart, wobei die verschiedenen Ge- j
biete der bildenden Kunst: Malerei, !
Skulptur, Miniature», Holzschnitt usw. ;
berücksichtigt sind. Jeder einzelnen Bild- !
tafel gegenüber findet sich ein meist j
nicht über 15—40 Zeilen gehender Be- >
gleittest, der vielfach das reiche Wissen
und eine geistvolle Art zn charakterisie-
ren seitens des Verfassers zeigt. Von
vornherein muß aber die Meinung ab-

') Das Bild Christi im Wandel der Zeiten. j
113 Bilder auf 96 Taseln, gesammelt und mit !
einer Einführung sowie mit Erläuterungen ver- !
sehen von Hans Preuß, Lic. th. Dr. ph., !
a. 0. stpros. der Universität Erlangen. Gr. 8.
-15 S. Leipzig 1915, N. Voigtländers Verlag.
M. 3.50.

gelehnt iverdeu, als ob das Thema, wel-
ches der Titel des Buches bildet, irgend-
wie erschöpfend behandelt wäre. Das
ist angesichts seines ungeheuren Gebie-
tes und angesichts des verhältnismäßig
geringen Umfangs des Buches ganz
ausgeschlossen. Schon die Auswahl der
Bilder beschränkt sich im großen und
ganzen auf Deutschland und Italien
bezw. Spanien.

Genauer besehen, will das Buch
Nachweisen, „lvie vilel tiefer und kraft-
voller, wenn auch nicht so schön, die
germanisch-deutsche Knust das Christus-
bild auffaßt und darstellt im Gegensatz
zur romanisch-italienischen". Das geht
ganz unzweideutig aus der Einleitung
hervor, welche geistvoll einen originellen
Rückblick über die Geschichte der Chri-
stusdarstellungen seit der Katakomben-
zeit in knappen Umrissen gibt. Bei
aller Anerkennung des ehrlichen Willens,
des reichen Wissens und des feinen
künstlerischen Verständnisses des Ver-
fassers, das sich sowohl in der Einleitung
lvie in den kurzen Begleitsätzen zu den
einzelnen Bildern offenbart, möchten
wir doch in diesem und jenem Punkte
nicht durchaus auf seine Worte und
Ansichten schwören. So z. B. in der Beur-
teilung verschiedener Christusdarstellun-
gen der Vergangenheit (von Guido Renis
Weltberühmtem dorngekröntem Chri-
stushaupt z. B. heißt es: „F e r n i st e r
(G. Reni) und dieses Bild von dem e ch -
ken christlichen Passionsgedanken"-
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