Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 33.1915

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über die Gesamtzahl. Ausführliches'
hierüber in Herdtle H., Flipse aus dem
Kloster Bebenhausen, 46 T., Stuttgart
1868.

4. Auf anderwärts gefundene Fliesen
macht arifmerkfam das Werk unseres Bi-
schofs : P a l! I K eppl c r, K i r cf) I i ch e
Kunst alte rtümer, Seite llXXtl,
in Adelberg, Bargau, Bebenhaufen,
Blaubeuren, Voll, Faurndau, Großalt-
dorf, Heubach, Kleinheppach, Margret-
Haufen, Unterboihingen, Wendlingen,
Weingarten und Willmandingen. Auf
die gemodelten Bodensliese von Groß-
altdorf, OA. Gaildorf, wird im gleichen
Werk noch Seite 108 hingewiesen.

5. In D o l m e t s ch, Der O r n a -
m entenscha tz, Stuttgart 1897, wer-
den vier Fliefenmuster abgebildet: ein
graviertes Muster aus dem Rathaus zu
Ravensburg, ein solches aus einem Pri-
vathaus in Ravensburg, eine Tonfliese
mit vertieftem Grund aus der Kirche
zu Gaildorf, eine solche mit reliefierten
Figuren aus Kloster Alpirsbach. (Tafel
68, Fig. 28—31.)

Diesen bisherigen literarisch erreich-
baren Funden schließt sich nun als neue-
ster der in den Jahren 1914 und 1915
von dem Verfasser dieser Arbeit gemachte
sehr bedeutende Fliefenfund in
Söflingen an.

1. Der Fund.

Es war im Frühjahr 1913, als ich bei
einem Rundgang um die Stadtpfarr-
kirche und ehemalige Klosterkirche 31t
Söflingen mit dem Fuße zufällig an ein
kleines Ziegelsteinbruchstück stieß, das
einen ganz kleinen Rest von Zeichnung
aufwies. Ich hob das Bruchstück, das
nur etwa 3 Quadratzentimeter groß
war, auf und benützte es eine Zeitlang
als Briefbeschwerer. Die Zeichnungs-
reste waren zu klein, uni irgendwelche
sichere Schlüsse aus denselben zu machen.

Als man im Frühjahr 1914 Probe-
löcher aushob für ein zu erbauendes
Schulhaus im Garten des bisherigen
Forsthaufes, wo früher der Gottesacker
für die Klosterbeamtzen und ihre Fami-
lienmitglieder war, da wurde mit einem
Spatenstich ein Bruchstück eines schwar-
zen Tontäfelchens ausgeworfen, welches

die Zeichnung eines Pferdes mit Scha-
bracke zeigte. Diese Zeichnung wies klar
auf die frühgotifche Zeit hin. Der neue
Fund weckte mein Interesse.

Wenige Wochen hernach fand ich beim
Umgraben eines Gartenstückchens in der
Nähe der Sakristei nochmals ein Bruch-
stück, das die Füße eines Basilisken auf-
wies.

Nach diesen drei scheinbar wertlosen
Funden drängte sich mir die Meinung
auf, daß irgendwo in der Nähe Ton-
plättchen mit Zeichnungen verwendet
worden fein mußten und daß dieselben
in die gotische Zeit des Klosters Söflin-
gen zurückführen müssen.

Nun steht aber aus alter gotischer Zeit
vorn Söslinger Kloster nichts mehr als
ein Stück Mauer, das den jetzigen Pfarr-
garten nach Westen abschließt, der ein-
zige Ueberrest des eigentlichen Kloster-
gebäudes, das am Anfang des 19. Jahr-
hunderts abgebrochen wurde. Oft bin
ich schorr an dieser Mauer auf und ab
gegangen und forschte und suchte, ob sie
mir gar nichts zu sagen habe, ob nicht
irgend ein Stein durch ein Zeichen ir-
gend eine Kunde der Vorzeit verrate.
Bis jetzt vergebens. Nach dem dritten
Bruchstückfund ging ich mit dem eben
gefundenen Steinteil in der Hand wie-
der die Mauer ^entlang, ltnb groß war
meine Ueberraschung, als ich aus einmal
fast in Mannshöhe zwischen den gewöhn-
lichen Ziegeln eine Reihe von dünnen,
kleinen Ziegeln eingemauert fand, die
denselben seitlichen Durchmesser aufwie-
sen, wie mein Bruchstück. Sofort wurde
mit deui Messer ein Teil des zwischen
den Ziegeln liegenden Mörtels ausge-
kratzt, und gleich zeigten sich auch die
Spuren einer Zeichnung. Doch war der
Sache mit dem ungenügenden Jnstru-
urent nicht beizukommen, denn der Mör-
tel war sehr hart geworden und es soll-
ten die erwarteten Plättchen mit ihren
Zeichnungen nicht zerstört werden. Es
wurden sehr lange und diinne Meißel
erworben, um den Mörtel leichter weg-
schassen zu können. An der betreffenden
Mauerstelle waren etwa acht Plättchen
nebeneinander von außen sichtbar an
ihrer Schmalseite. Es zeigte sich aber,
daß hinter dieser vorderen sichtbaren
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