Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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stellen ist, wie bei den Gebrüdern Asam,
kam er von einer früheren Stilperiode
her, nnd zwar vom Barock, das ja auch
bei der Entwicklung der ersten Wesso-
brnnner Ornamentik eine so bedeutende
Rolle gespielt hatte.

Die Deutsche Runstausstellung
Baden-Baden.

Besprochen von Prof. Dr. Rohr
(Straßburg).

Der Musentempel der Bäderstadt an
der Oos hat seine Hallen wieder geöff-
net, trotzdem Janus seine Pforten noch
nicht geschlossen hat, die Kriegsfurien
nach wie vor iiber die Lande rasen und
die Invaliden in den Anlagen Badens
und das Dröhnen der Geschütze von
den Vogesen herüber die Nähe des
Völkerringens deutlich genug künden.
Ja, der Frühjahrsausstellung ging eine
solche während des Winters unmittel-
bar voraus. Dennoch steht der Erfolg
der neuen Veranstaltung wenigstens in-
sofern bereits fest, als sie schon nach
den wenigen Wochen ihres Bestehens
eine ganz beachtenswerte Anzahl von
Verkäufen erzielte.

Das deutsche Geld geht also nicht
ausschließlich in Geschiitzen und Muni-
tion auf.

Eine reiche Auswahl ist allerdings
geboten, nicht, als ob dch Zahl der
Kunstwerke besonders hoch wäre. Es
sind insgesamt 496 Nummern. Aber
die Beiträge sind aus allen Gauen
Deutschlands gekommen. Selbstver-
ständlich ist vor allein Karlsruhe stark
vertreten. Amend, Bergmann, Conz,
Dill, Dufsault, Eggers, Egler, Engel-
hard, Fehr, Gebhard, Göbel, Gräber,
Graf, Hempfing, Horn - Zippelius,
Hiibsch, Hiifmeier, Koth, Kropp, Lencer,
Ley, Lottar, Luntz, Mändlen, Mar-
schall, Matthäi, Nagel, Ortlieb, Pfef-
ferle, Proumen, v. Ravenstein, Riedel,
Rnppert, Schild, Schönleber, Schrey-
ögg, Seele, Segewitz, Süs, Steiner,
Straßberger, Thoma, Trübner, Ly-,
rahn, v. Volkmann, Volz, Wallischeck
haben ausgestellt. Das ist für eine ein-
zige Stadt, die nicht einmal das kauf-
kräftigste Publikum im Lande hat, ge-

nug. Dazu kommt noch eine Reihe von
Künstlern nnd Künstlerinnen aus Dur-
lach, Baden-Baden, Offenburg, Frei-
burg, Mannheim, Pforzheim, Hinter-
zarten, Heidelberg, Ettlingen usw.
Außerdem haben hervorragende au§-
wärtige Kräfte noch zu dem Bestände
beigesteuert. Es seien von Stuttgart
nur Pankok, Faure, Landenberger, Ka-
pell und Mohr, von München v. Def-
regger, Zügel, v. Zumbusch, Bohnen-
berger, Goossens, v. Hayek, Scheerer,
Schinnerer, Schramm-Zittau, I. Bier-
thaler, aus Frankfurt Steinhaufen,
Haueisen und Seiler, aus Charlotten-
bnrg Schuster-Woldan, ans Strapvurg
Blumer. Daubner, Doris Ewald, Haas
und Stoskopf, ans Berlin L. Corinth,
Büttner, H. und P. Herrmann, Lieber-
mann, Slevogt, Spiro, Struck, ans
Dresden Claus, ^Claudius, Dorsch, He-
genbarth, aus Düsseldorf Miinzer,
Rooholl, v. Wille, Wolf, airs Worpswede
H. Vogeler, aus Wien Schnmtzer, ans
Breslau v. Gosen genannt.

So ist denn vieles und selbstverständ-
lich auch vielerlei geboten. Malerei,
Graphik, Plastik, Keramik und Gold-
schmiedekunst sind bedacht, und ob man
die Farben fein vertrieben und wie hin-
gehaucht, ob man sie in breiten Stn-
chen, in Quadraten oder Klexen auf-
getragen wünscht, ob man Gemälde
sucht, deren Farben erst von ferne zu-
sammenklingen, oder solche, die eine
Betrachtung von der Nähe vertragen,
ob man also den alten, den modernen
oder den hypermodernen Idealen hul-
digt —- ein jeder wird auf seine Rech-
nung kommen. Von einer lähmenden
Wirkung des Krieges bei der einen oder
anderen Richtung ist nichts zu verspü-
ren.

Dagegen vermochten sich die Künstler
seinem Einfluß bei der Wahl ihrer
Stoffe allerdings nicht ganz zu ent-
ziehen. Für Kampfszenen haben sich
zwar nur ganz wenige begeistert. Da-
für hat Dill allein einen ganzen Zy-
klus kleiner Kriegsbilder geliefert. Sie
schwelgen nicht in Feuer, Qualm itnb
Blut. Mancher möchte vielleicht auch
mehr Ausführungen, als Andeutungen
wünschen. Daß aber Leben und Bewe-
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