Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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Gmünder Gebäude beschreibt J). Hier
heißt es: „Die Felsenkirche auf dem Sal-
vator erinnert an die Felsentempel In-
diens, muß schon in frühester Zeit an-
gelegt, von Zeit zil Zeit aber erweitert
worden fein. Die Kirche, aus zwei Ka-
pellen bestehend, ist in einen Felsen von
weißen Quarzsandsteinen eingehauen.
Die Arbeit zeigt keinen Baustil und
auch keine Kunstfertigkeit." So kann
nur vollendete Oberflächlichkeit reden.
Auch die in sonstigen Veröffentlichungen
iiber den Salvator enthaltenen Urteile
und Ausführungen geben kein richtiges
Bild des „altehrwürdigen" Wallfahrts-
ortes. Das soll nun als Säkulargabe
in diesen Blättern versucht werden.

I. Quellen u n d Literatur.

1. Der erste, der iiber den Salvator
geschrieben zu haben scheint, war Dr.
iuris Leonhard Friz in Gmünd. Das
Gmünder Taufbuch berichtet von Kin-
dern, die ihm mn 6. Februar 1614 und
20. April 1615, und einem Sohne
Franz, der anr 5. Oktober 1620 geboren
wurde. Paten seiner Kinder waren
Diethelm Blarer von Wartensee, Vero-
nika Vöhlerin von Frickenhausen und
Ursula Dorothea Fuggerin, geb. Baro-
nin von Höfingen. 1615, 1618, 1620,
1622 erscheint Dr. L. Friz als Pate ver-
zeichnet. Sein Todesjahr ist unbekannt.
Seine Frau Agnes starb am 2. August
1657 im Alter von 80 Jahren. Er
schrieb: „Beiläufige Beschreibung des
Eppersteins oder Salvatoris bei Schw.
Gmünd, jenseits der Rems an: Berg.
Mit angehenkten etlichen Mirakulen, ge-
schehen von dein hochberühmten und für- .
nehmen Herrn Leonardo Fritzen, beider ;
Rechten Doktore, der Röm. Kais. Reichs-
stadt Schw. Gmünd bestellten Syndi-
kus und Advokaten anno 1620." Doch
ist nicht dieser ganze Titel von Leon-
hard Friz selbst, der sich jedenfalls nicht
selbst „hochberühmt" genannt hätte. Auch
ist die Jahreszahl 1620 nicht mit Recht
als Zeit der Abfassung der Handschrift
gesetzt. Denn die Schrift selbst spricht!
im Kontext von den: 1646 erfolgten Tode
Kaspar Vogts, ist also erst nach diesem

l) Im Privatbesitz des 1910 verstorbenen
Oberförsters Gustav Steinhäuser, von der ich
eine Abschrift genommen habe.

Datum entstanden. Vielmehr liegen
uns unter dem genannten Titel zwei
handschriftliche Bände vor, die offenbar
Abschriften der Handschrift des Dr. Friz
sind, die den Schristzügen nach von einer
und derselben Person genommen wur-
den. Die eine dieser Abschriften gehört
zirr Pfarr-Registratnr Heiligkreuz in
Gmünd, ein Ouartband, später in Lein-
wand gebunden, der eine Fortsetzilng
von Erzählungen iiber Mirakel und
Gnadenerweise bis zum Jahr 1862 ent-
hält. Die zweite Abschrift, in Leder mit
Randpressung gebunden, mit einem ver-
blaßten Goldschnitt versehen, ebenfalls
Quartband, behandelt den oben genann-
ten Vorwurf in „zwanzig Fragen" oder
Kapiteln nrtb fügt drei „Mirakul" hinzu,
die aber keine direkte Beziehung zum
Salvator haben. Sie zählt nach der
von mir vorgenommenen Paginierung
174 Seiten ilnd befindet sich in der Re-
gistratur der Salvatorkaplanei. Diese
beiden Abschriften stammen erst aus der
zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts;
sie geben vielfach die in der Frizschen
Handschrift verzeichneten Zitationen un-
genau und falsch wieder. Die Jahrzahl
1620 ans dem Titel will nur die unge-
fähre Zahl der Vollendung des Salva-
tors bezeichnen. Die Urhandschrist des
Dr. Friz ist nicht mehr vorhanden.

Eine dritte Abschrift befindet sich
ebenfalls in der Pfarr-Registratnr Hei-
ligkreuz: ein Foliohest mit dem Titel:
„Beschreibung von dem Epperstein St.
Salvatoris Wallfahrt bei Gmünd extra
rauros", geschrieben von dem vielschrei-
benden Chronisten Dominikus Debler
1830 und gewidmet dem Kanonikus
Anton Reis („Reisenhairle"). Von den
„zwanzig Fragen" der beiden erstge-
nannten Abschriften bringt Debler nur
„sechzehn Fragen". Er läßt die 11., 12.,
13., 14. Frage aus, die sich nicht mit
dem Salvator, sondern mit der Ge-
schichte Gmünds befassen. Doch macht
Debler noch „Zusätze, teils aus eigener
Erfahrung, teils aus Erzählungen alter
Männer entnommen". Er berichtet noch,
er habe das Manuskript des Johann
Maser, Benesiziat an der Pfarrkirche,
von 1696 ausgezogen. Da sich seine
Auszüge wörtlich mit dem Inhalt der
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