Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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vators stammt aus der Feder des 1904
in Gmünd verstorbenen Kaplans Theo-
dor Riß.

8. Fiir die Kunstgeschichte des Salva-
tors sehr interessant ist eine an der in-
neren Ostwand des Eingangs zur obe-
ren Kapelle aufgehängte H o l z t a f e l,
die in drei Reihen neun Bilder über
das frühere Aussehen des Salvators
bietet. Unter den Bildern ist eine Unter-
schrift angebracht, die u. a. folgende No-
tiz enthält: „Anno 4622 ist mir Chri-
stoph Friede! Maler von einem ehrsa-
men Rat anbefohlen worden, diese Wall-
fahrt oder Neperstein abzureißen, wie
allhie zil sehen, ltnb dann wieder neu
an Tag gebracht worden, geschehen 18.
Januar 1662." Danach hat Maler
Christoph Friede!, der am 22. Februar
1668 achtzigjährig verstarb, schon 1622
ein Bild vom Salvator gemalt, das er
wohl 1662 wieder aufsrischte. Später
ist das Bild noch öfter restauriert wor-
den.

9. Ein ganz eigenartiges S a l da-
to r b ii ch l e i n befindet sich jetzt im
Städtischen Museum zu Gmiind. Es ist
ein in rotes Leder gebundenes Büchlein,
geschrieben von Anton Herlikofer, Syn-
dikus der Reichsstadt Gmünd und spä-
ter Stadtpfleger, geboren 1774, gestor-
ben 1834. Es enthält versifizierte Be-
trachtungen über die einzelnen Leidens-
szenen Jesu aus 38 Blättern, zu welchen
um die Wende des 18. zum 19. Jahr-
hundert der Gmünder Zeichenlehrer
B a u m e i st e r A q u a r e l l b i l d e r,
18 an der Zahl, zeichnete. Vierzehn von
diesen Aquarellen schließen sich eng an
die Willschen Kupferstiche an, vier sind
eigene Zugabe- des Zeichners und Ma-
lers: Jesus zieht am Palmsonntag in
Jerusalem ein, Abendmahl, Jesus am
Kreuz, Dreifaltigkeitsbild. Die Aqua-
relle sind nach Anordnung und beson-
ders nach der architektonischen Zeich-
nung (allerdings ziemlich freie) Kopien
der Leidensdarstellungen in den Salva-
torkapellen.

10. Unter den vielen Nachbildun-
gen des Salvators im kleinen
muß eine von ganz guter künstlerischer
Bedeutung gewesen sein, von der aber
nur zwei Szenen ganz in meinem Besitz

erhalten sind: Jesus am Oelberg, vom
Engel getröstet, und die Dornenkrönung;
von anderen Szenen habe ich nur noch
Bruchteile: einen schlafenden Jünger,
einen annagelnden Soldaten, und die
Figur Christi an der Geißelsäule. Die
Figuren sind in öpd Zentimeter Größe
aus Buchsbaumholz sehr sein geschnitzt
und hatten Bemalung.

Merkwürdigerweise habe ich in Gmünd
nie ein altes Wallsah rtsbild vom
Salvator außer den Willschen .Kupfer-
stichen zu Gesicht bekommen. Das eigent-
liche Salvator-Wallsahrtsbild — Gna-
denbild ist die Kreuzigungsgruppe in
der unteren Kapelle. Diese ist erst in
letzter Zeit in schlechtem Farbendruck
als Wallfahrtsbild erschienen.

11. Gelegentliche Erwähnung in mehr
oder minder ausführlichen geschichtlichen
Bemerkungen findet der Salvator viel-
fach. So z. B. im „Kathol. Volkskalen-
der" fiir 1866 von Rieß u. Laib, wo „die
vornehmsten Gnadenorte in Württem-
berg" behandelt werden und als erster
„der Kalvarienberg zum hl. Salvator
bei Schwäb. Gmünd" mit drei Illustra-
tionen. Ferner enthält das Inventar
von „Die Kunst- und Altertumsdenk-
male im Königreich Württemberg"
Jagstkreis S. 416—419 eine gedrängte
Beschreibung, lieber den Stationenweg
allein handelt: Weser, Stationenwege

in Württemberg, im Schwäbischen Hei-
matbuch 1916. Sodann werden noch
die Akten und Urkunden bei der Kathol.
Kirchenpflege und Akten der Gmünder
Dekanats- und Pfarr-Registratur zu
Rate gezogen. Andere Literatur ist ge-
legentlich zitiert.

II. Das Alter des Salvators.

An die Spitze der Abhandlung über
das Alter des Salvators sei der Satz
gesetzt: Der Salvator als K u l t -
o r t und Wallfahrtsort be-
ginnt e r st mit dem B a lt der
Felsenkapellen 1617 b i s 1620
durch Kaspar Vogt, Kirchen-
m e i st e r (=4$ i r ch e n b a u m e i st e r)
von Gmünd. Dieser Satz steht in
ziemlichem Widerspruch mit der land-
läufigen Meinung, die hauptsächlich ver-
> ursacht ist durch die Bemerkungen des
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