Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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auf Papier geschriebenes Anniversar aus
dem Anfang des 16. Jahrhunderts, wel-
ches eine Agende für die Pfarrei
Gmünd von der Hand des Stadtpfar-
rers Thomas Köllin ca. 1520 und sei-
ner Nachfolger enthält. Jedes Kapell-
chen findet Erwähnung — vom Salva-
tor oder Epperstein ist nichts zu lesen.

Die alten Akten nennen den Berg
und den Felsen sehr oft. Er heißt in
denselben richtig Neberberg, Na-
be r b e r g, d. i. ausgebohrter Berg,
von dem alten Worte näber, der Boh- i

genannt der neberberg (15. Jahrhun-
dert) 1S), Verkauf eines Baumgartens in
der Nebergasse 1561, Verkauf eines
Krantgartens an der Nebergasse 1570,
Baumgarten under Neber gelegen
1671 19). Die Chronik des Dreimohren-
wirts Franz Anton Killinger20) nennt
zum 3. Juli 1737 die „Nepperwiesen
unterhalb dem Hohlenstein". Heute noch
wird in Gmünd volkstümlich einer der
Schergen, die bei der Kreuzannagelung
die Löcher bohren, der „Salvatornäberle"
genannt. Nirgends bei Bezeichnung der

rer. Die Höhlungen mögen durch na-
türliche Einflüsse geworden oder durch
Menschenhand zur Gewinnung von Sand
in den Felsen gebohrt worden sein. Das
Wort „Epperstein" und Fabris „Eber-
stein" sind Verballhornungen oder
Falschhörungen des gut deutschen „Ne-
berstein". Von den Anführungen die-
ses Neberbergs nenne ich aus alten Ak-
ten: underm näbar 1409 16), in der nä-
bergassen 1409 17), uß ainem Weinberg

lci) Utf. der Christophoruskaplanei.

17) Uvf. zur Andreaskaplanei.

den Berg umgebenden und hinanstei-
genden 'Gewände ist in diesen Akten
eines Heiligtums oder auch nur eines
Kreuzbildes Erwähnung getan. Der
Nanie „S a l v a t o r" erscheint zum er-
stenmal in der Schrift des Dr. Leon-
hard Friz, also nicht vor der Mitte des
17. Jahrhunderts, und ist wohl auf den

18) llrf. einer ungenannten Messe.

19) llrf. der Priinineß bei S. Johann, alles
Uri. der Kirchenpflege.

2 ) Angebunden den „Kronologischen Nachrich-
ten" des F. X. Debler.
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