Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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Einfluß der seit 1044 in Gmünd an-
sässigen Kapuziner zurückzuführen, welche
die Pastoration und Predigt auf dem
hl. Berge übernommen hatten. Dieser
letztere Name hat seither den früheren
Namen Neberberg, Neberstein fast voll-
ständig verdrängt.

Es erübrigt noch ein Bedenken gegen
meine Aufstellung über das Alter des
Salvators zu überwinden. In der
Pfennigmannfchen Salvatorstiftung heißt
es nämlich: „200 fl. für Reparie-
rung des Eppersteins". lieber dem
Portal der unteren Kapelle wird des-
halb der Stifter diefer Summe „Imius
ci-iptae r e p ;a r a t o r" genannt. Eben-
so heißt es am Turm der Felsenkapel-
len, es fei „dieser Stein oder Kapel r e -
n o v i e r t worden". Der Sinn des
Wortes repiatrare, renovieren, ist jedoch
keineswegs zu pressen. Er bedeutet der
ganzen Geschichte des Baues nach nicht
nur ein Wiederherstellen des Vorhan-
denen, sondern eine Weiterführung, Er-
weiterung, Vergrößerung dessen, was
bisher da war. Zunächst wurden die
vermauerten Höhlungen, die im Innern
klein waren, repariert, als solche,
von außen zugänglich, wiederhergestellt.
Mit möglichster Schonung der alten
Form, „des alten Wesens"21), wurde
„der Eingang oder Türen, welche zuvor
nur gleich wie ein Loch einer Spelunken
formiert war, lvie auch andere gar un-
gestalte Finsterlöcher zierlicher gemacht"
und lvo „der Rauch (vom Aufenthalt „der
Banditen") den Stein unsauber ge-
macht, solches den Maurern abzuwa-
schen anbefohlen". Das ist die Repa-
rierung des „Steins". Alles andere ist
Weiterführung und Neuschöpfung des
Baues. Damit dürste auch dieses letzte
Bedenken gegen meine Behauptung zer-
streut sein.

Durch diese notwendigen Erörterun-
gen dürfte nun hinreichend klargestellt
sein, daß von einem religiösen Kultort
vor 161. aus dein Neberstein keine Spur
zu finden war.

Es mag sein, daß mit dem Aufkom-
men und der weiteren Verbreitung der
Kreuzwegandacht und der Andacht zum 2

Leiden Christi überhaupt um die Wende
des 16. zum 17. Jahrhundert in Gmüud
das Verlangen nach einem Kreuzweg
sich geäußert hat. Die auch sonst in
diesem Sinne tätigen Franziskaner, die
seit Anfang des 13. Jahrhunderts in
Gmünd ansässig waren, mögen auch da-
hin gewirkt haben. Die Oertlichkeit des
Nebersteins wird jedenfalls als die ge-
eignetste erschienen sein, um dieses Ver-
langen zu realisieren, und der Stätt-
meister Balthas Pfennigmann, dessen
Name aus der Turminschrist verewigt
ist, wird seinen Verwandten, den Geist-
lichen Heinrich Psennigmann, Vikar in
Sulzseld am Main, auf diese Pläne
aufmerksam gemacht haben, so daß die-
ser sich zu der Stiftung entschloß, die
den Anfang des Werkes ermöglichte.

III. Baugeschichte des Salva-
tors und Kaspar Vogt,
ah Im siebzehnten Jahrhundert.

Das Testament22) des Heinrich Psen-
nigmann, Vikars in Sulzfeld am Main,
wo er auch in der Pfarrkirche begraben
liegt, ist datiert vom 4. Jahr der Re-
gierung des Kaisers Matthias I., den
12. April neuen Kalenders des Jahres
1616. In demselben heißt es: „Sechs-
tens verschaffe er in sein Vaterland 2:!)
Schwäb. Gmünd 300 sl., nämlich 200 sl.
für Reparierung des Eppersteins, von
den übrigen 100 sl. zwei Seelenmessen * 23

ch Frlz II, S. 91—110.

23j Die Familie Psennigmann war in
Gmünd alteingesessen. In einer Verkaufs-
urkunde von 1534 ist der Spitalpfleger
Hans Pf., des Rats, genannt; vgl. Wör-
ner-'Denkinger, Geschichte des Heilig-Geist-
Spitals zu Gmünd, S. 292. Balthasar
Pf., Stättmeister, „der herzliebste Bruder"
Heinrichs, ist auch im Testament bedacht,
f 1. April 1633 (Totenregister). Ioha n n
Pf., Vetter des Heinrich, Bäcker, ist vielleicht
der im Totenreg. genannte Hans Pf., „der
Krattenmacher", 53 Jahre alt, j 8. Juli
1635. A cha tius Pf., Wagmeister, 77 Jahre
alt, f 20. Mai 1652. Im Testament sind
noch zwei Schwestern und drei Basen Hein-
richs genaimt und bedacht. Ein Ada m Pf.
ist 1581 in der Urkunde der Funkenpfründe
genannt. Michael Pf., Wagmeister, 56
Jahre alt, f 14. Juni 1681 (Totenregister).
Abgesehen von der Inschrift an der Felsen-
kapelle ist der Name des Geschlechtes in
Gmünd im Namen der „Pfennigmühle" er-
halten.

2') Friz II, S. 83.
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