Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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in der Pfarrkirchen, eine am Fest Kreuz-
erfindung, die andere an Kreuzerhöhung
zu lesen." Die letztere Stiftung ist im
alten Anniverfar 1530, Fol. 43 b später
eingeschrieben worden, und Fol. 65
schließt der Magister Johann Schleicher,
Pfarrer und Dekan in Gmünd, gestor-
ben 1662, den Wohl mit ihm verwand-
ten Heinrich Pfennigmann in seinen
Jahrtag ein. Letzterer, der in feinem
Testament als leibeskrank bezeichnet
wird, ist Wohl noch 1616 oder Anfang
1617 gestorben. Die in Gmünd sehr
angesehene Verwandtschaft des Testa-
tors — ihr Ansehen ist bewiesen durch
die von den einzelnen Familiengliedern
verwalteten Aemter — machte sich sofort
daran, den letzten Willen des verstorbe-
nen Geistlichen zu erfüllen. Besonders
sein Bruder, der Stättmeister Balthasar
Pfennigmann, mag als treibende Kraft
gewirkt haben, wozu ihm auch sein Amt
die nötige Autorität gab. Am Turm
der Felsenkapelle befindet sich über dem
Eingang eine Relieftafel aus gelbem
Sandstein. Auf derselben ist ein Kreuz
ausgehauen mit noch gotisierendem Len-
dentuch des Kruzifixus. Vor demselben
knien von links nach rechts drei Män-
ner hintereinander mit Rosenkränzen
in der Hand. Darunter liest man die
Inschrift: „Als muno 1617 diser Stain
oder Kapel renoviert worden, sein Her-
ren Stetmaister in der Regierung ge-
wesen Jakob Spindler, Balthas Psining-
man und Martini Grieb z. G. (=■ zu
Gmünd)." Das waren also die eifrigen
Mithelfer bei dem Werk und ebenfalls
Angehörige vornehmer Gmünder Fami-
lien. Martin Grieb wurde 1620 Bür-
germeister seiner Vaterstadt und starb
schon 1622. Jakob Spindler ist ein Ver-
wandter und Namensbruder des be-
rühmten Gmünder Pfarrers Jakob
Spindler, geboren in Gmünd 1496, Be-
nediktiner in Lorch und Murrhardt, 1544
bis 1558 Pfarrer in Gmünd, gestorben
29. Juni 1665 24).

Nun galt es noch, einen tüchtigen
Baumeister für das Werk zu gewinnen.

'st Weser, Zur Geschichte der Stadtpfarrei
Schw. Gmünd, Diözesanarchiv von Schwa-
ben XX, 1992, S. 81 ff.

In Gmünd lebte damals eine Banmei-
sterfamilie Vogt, die vielleicht schon
seit der Mitte des 16. Jahrhunderts in
ihrem Handwerk tätig war. Ein Glied
dieser Familie war der Kirchenmeister
Kaspar Vogt, der zugleich Bild-
hauer war, der bedeutendste Baumeister
Gmünds im 17. Jahrhundert. Sein
Geburtsjahr ist nicht sicher. Dr. Friz 25 26)
sagt: „Im Jahr 1646 den 22. Martii,
seines Alters im 60., seines Kirchen-
maisters Dienstes aber, so der detz hail.
Röm. Reiches Statt Schw. Gemendt ge-
treulich gelaist, 36. Jahr" starb er christ-
lich im Herrn, „nachdem er auch die Ka-
pelle zu Unseres lieben Herrn Ruhe,
wie auch Fürsten, Grafen und Edlen
viel schöne Arbeiten gemacht hatte". Mit
dieser Angabe stimmt nicht ganz die
Notiz des Totenregisters: „1646,

23. März, Kaspar Vogt, gew. Kirchen-
meister, 60 Jahre alt". Vielleicht bietet
die letztere Datierung den Begräbnistag.
Das Familienregister kennt einen Kaspar
Vogt, geboren 1582, dessen Eltern Mat-
thäus und Brigitta hießen, und einen
anderen Kaspar Vogt, geboren 1587,
dessen Eltern Melchior und Margareta
waren. Im Taufregister finde ich den
Kaspar Vogt, Kirchenmeister, nur ein-
mal am 4. Februar 1645 als Paten ge-
nannt. Seine Frau Anna Maria, Kir-
chenmeisterin, starb 44 Jahre alt am
5. Dezember 1634 (Totenregister). Sein
Nachfolger im Kirchenmeisteramt war
Friedrich Vogt, der schon am
21. Mai 1647 mit dieser Bezeichnung
und am 2. August .1648 und 6. Dezem-
ber 1648 mit der Bezeichnung „<aiedilis
summi ternpli" als Pate im Taufregi-
ster erscheint. Ich glaube nicht, daß
Friedrich ein Sohn 2°) Kaspars ist, son-
dern halte ihn für einen Verwandten,
der wohl im Dienste Kaspars sich so
qualifizierte, daß die Gmünder ihn als
den geeignetsten Mann zur Nachfolge
im Kirchenmeisteramt beriefen. Im To-
tenregister steht über ihn: Friedrich
Vogt, Senator und Kirchenmeister,
52 Jahre alt, gestorben 10. November

25) S. 89. 90.

26j Klemm, Württ. Baumeister und Bild-
hauer, S. 189 lWürtt. Vierteljachrsch. 1882).
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