Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

Seite: 50
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1674. Ein weiteres Glied der Familie
Vogt vermag ich als einen neuen 9ü>
men der Liste der württembergischen
Baumeister und Bildhauer einzureihen.
Das ist ein Balthasar V o g t, des-
sen Name und Zeichen der Station bei
den drei Kreuzen eingeritzt ist und des-
sen Signierung bisher allen Forschern
entgangen zu sein scheint. Die Signa-
tur ist B ^ V, die ihre Verwandtschaft
mit dem Zeichen Kaspar Vogts 0 ^ A

nicht verleugnet. Eine Eigentümlich-
keit der Familie Vogt scheint zu sein
die öftere Wiederkehr der Namen der
heiligen Dreikönige: Kaspar, Melchior,
Balthasar. Ein Hans Vogt, Stein-
metz und Soldat, starb 46 Jahre alt am
17. Juli 1632 laut Totenregister,

Eine schöne Probte bildhauerischen
Könnens hatte Kaspar Vogt n. a. abge-
legt in der Errichtung eines siguren-
reichen Grabdenkmals, das er
1611 für Hans v. Hausen zu Wagen-
hosen und Veronika Vöhlerin von Frik-
kenhausen herstellte. Das Denkmal für
diese in Gmünd wohnende adelige Fa-
milie ist heute noch in einer Seiten-
kapelle der Heiligkreuzkirche erhalten.
Und nun ging's ans Werk. Zuerst wur-
den die vorhandenen Löcher gereinigt
und erweitert und zunächst die untere
Kapelle hergerichtet. Aus dem gewach-
senen Felsen wurde die Kreuzignngs-
gruppe gehauen, vor welcher anfangs
ein Altar stand. Ein zweiter Altar
stand an dessen Seite, dem Innern des
Felsen zu, mit der Verklärung Christi
ans Tabor, den schon genannten Figu-
ren des verklärten Heilands, Moses und
Elias, und der Apostel, die jetzt noch er-
halten und über einer neuen Altarmensa
zu einer Gruppe, in Tuffstein aufge-
bant, vereinigt sind. Ein dritter Altar
rechts vom Eingang ist verschwunden.
Das Innere der reparierten tinteren Ka-
pelle ist ans dem ersten Bild der Chri-
stoph Friedelschen Tafel dargestellt, aber
offenbar viel zu sehr in die Länge ge-
zogen. Man entschloß sich dann, über
der unteren noch eine Kapelle in dersel-
ben Breite und Länge auszuhauen. Die

über der unteren Türe befindlichen Lö-
cher wurden erweitert und der Fels ge-
gen Osten ausgebrochen. Die eigent-
liche obere Kapelle bekam zwei „Kreuz-
gewölbe" nnb einen Altar, der genau
über der unten befindlichen Krenzi-
gungsgruppe stand. Von diesem (ein-
zigen) Altar der oberen Kapelle ist
heute nur der über der Mensa sich erhe-
bende Bildschmuck erhalten, der eben-
falls, einem Grabdenkmal vergleichbar,
aus dem Felsen gehauen ist. Wiederum
ist es, wie unten, eine Kreuzignngs-
gruppe, der aber noch eine kniende
Stifterfigur beigegeben ist mit Wappen:
rechts ausspringendec Löwe mit Blüten-
zweig oder Stab in der Pranke. Viel-
leicht ist es das Martin Griebsche Wap-
pen. Daß dies wirklich der alte Altar
der oberen Kapelle war, zeigt genau das
zweite Bild der Friedelschen Tafel, wo
das oben geschilderte epitaphartige Bild-
werk mit einer Mensa davor und einer
Anzahl von Kirchenbänken abgebildet
ist. Die in denselben knienden Leute
schauen alle gegen Osten auf diesen Al-
tar -'). An der Stelle des jetzigen Al-
tars war nichts zu sehen. Seitlich des
Altars wurde noch weiter gegen Osten
ausgebrochen und so noch ein Raum,
die jetzige Vorhalle der oberen Kapelle,
gewonnen, dessen Türe ins Freie führt.

(Schluß folgt.)

Zwei neue Schmuckstücke der Lieb-
frauenkirche zu Ravensburg.

Von Stadtpfarrer Br. Hafner
(Ravensburg).

1. Die neue W e i hn a ch t s -
k r i p P e.

Als Grundsatz für einen Pfarrherrn,
der in seiner Kirche etwas Künstle-
risches machen läßt, sollte gelten: Warte,
bis du genügend Geld hast, um etwas
wirklich Gediegenes zu erhalten. Das
hebt die Kunst, erfreut und erzieht das
gläubige Volk zu künstlerischem Ver-
ständnis und setzt unsere Künstler ins
Brot. Von diesem Grundsatz ließ sich

~:) Es ist also unrichtig, in diesem Altar-
bild ein „'Votivrelief" zu sehen, wie das In-
ventar S. 418 will.
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