Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

Seite: 51
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ber Schreiber dieser Zeilen leiten, als
er dem hiesigen Bildhauer Schlach-
t e r, der einer unserer tüchtigsten Mei-
ster ist, ini Frühjahr 1915 den Austrag
gab, für die Liebsrauenkirche, die bis-
her einer Krippendarstellung entbehrte,
eine Krippe aus Weihnachten 1915 zu
fertigen. Damit wollte er auch die
Kunst, die in dieser Kriegszeit nach
Brot schreit, unterstützen.

Das Prinzipielle über die Krippen-
darstellungen hat in trefflicher Weise

Ganze soll ja das Volk zur Andacht
und Gemütserhebung und nicht zum
Witzeln stimmen. Das Volk will des-
halb als Hintergrund Bethlehem sehen
und keinen Hintergrund aus der Ge-
genwart (vgl. die Tübinger und Horber
Krippe. Auf ersterer fehlt bei der Dar-
stellung des Schloßbergs nur noch der
Professor, der zur Bibliothek geht auf
das Schloß, oder der Konviktsdiener,
der Bücher von da herabträgt). Unser
Volk ist gereifter und kritischer, liebt

Prof. Dr. L. Baur in dieser Zeitschrift
(Jahrgang 1907, S. 109 ff. und 125 ff.)
dargelegt. Dazu sei folgendes be-
merkt: Bei einer Krippendarstel-

lung soll die Krippe mit den Figuren
und den Engeln die Hauptsache sein,
wie bei einem Sakramentsaltar der
Tabernakel. Das übrige ■—• besonders
der Hintergrund — muß sich dem an-
und einordnen. Genrehafte und popn-
läre Szenen können dabei mitgehen,
wenn sie sich nicht aufdrängen. Das

deshalb nicht wie das Volk im goti-
schen Mittelalter Anachronismen in
Landschaft und Kleidung. Anderer-
seits erscheint uns eine Krippendarstel-
lung ohne jegliches Beiwerk zu leer.
Das Volk, die Großen wie die Kleinen,
hat seine Freude an einigen genrehaf-
ten, idyllischen Darstellungen in ein-
facher realistischer Darstellung.

Wir glauben, daß Meister Schlachter
diese dogmatischen, geschichtlichen, litur-
gischen und ästhetischen Voraussetzungen
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