Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

Seite: 53
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originellen Kronleuchters, bevor er an
seinen Platz aufgezogen wurde. Der-
selbe ist ein imposantes Kunstwerk, das
die gut renommierte Firma Stotz u.
S cf) I e e in Stuttgart tadellos aus-
sührte. (Die Lieferung besorgte Gold-
schmied Otto Burth hier.)

Der Kronleuchter, in gotisch-romani-
schen Formen reich gehalten, ist massiv
ans Messing, Handarbeit und verniert,
d. h. mit Goldlack überzogen. Sein
Gewicht ist 5 Zentner; er besteht aus
drei Teilen, dem untersten Reis, d. h.
dem Gehänge, mit 16 Lampen, dem
mittleren großen Reif (mit einem Um-
fang von 10hsi Meter und einem Durch-
messer von 3,3 Meter; er trägt 72 Lam-
pen) und dem oberen kleineren Reis
(Umfang 6,3 Meter und Durchmesser
1,7 Meter, mit 40 Lampen). Die Zahl
der Lampen ist 128. Am reichsten ist
der große Reis ornamentiert. Er trägt
acht Emailschilder, und zwar sieben
Wappen: 1. das Wappen Pins' X.
(Venetianischer Löwe mit Anker), 2. das
Wappen des Hochw. Herrn Bischofs
Paul Wilhelm (Stern und Palme),
3. das Stadtwappen (ein gotisches Tor
mit zwei Türmen), 4. das württember-
gische Wappen (drei Hirschhörnlein),

5. das Reichswappen (Reichsadler),

6. das Bild unserer lieben Frau Maria
und 7. das des heiligen Andreas mit
dem Kreuz, nach der Fugelschen Zeich-
nung (beide Heilige sind Schutzpatrone
der Kirche). Auf dem achten Email-
schild steht: Gefertigt im Jahre 1914 un-
ter Hochwürden Herrn Stadtpfarrer Dr.
Hafner. Die Birnen sind so angebracht,
daß sie nirgends plump und störend
wirken. Der Preis des Kronleuchters
(mit Montage und Getriebe) ist 3900
Mark; die elektrische Einrichtung und
andere Arbeiten kosteten 700 M., so
daß der Gesamtpreis des Kronleuch-
ters 4600 M. beträgt. Die Mittel hiezu
stammen aus milden Beiträgen und
Stiftungen. Der Kronleuchter wurde
schon zu Anfang des Jahres 1914 in
Arbeit gegeben, vollendet und aufge-
hängt wurde er im Oktober 1914. —
Schnell hat das Problem trefflich ge-
löst, daß der Kronleuchter nicht zu klein
und nicht gu groß ist, daß er die Fn-

gelschen Bilder nicht schädigt und einen
freien Vorblick vom Mittelschiff über
den siligrannrtig gearbeiteten Kreuz-
altar ans den massigeren Hochaltar ge-
stattet. Wenn die 128 Lampen bren-
nen, so wirft der Kronleuchter eine
große Lichtfülle in den Chor und legt
einen wunderbaren Zauber aus die Fu-
gelschen Wandgemälde im Chor. Wie
eine päpstliche Tiara mit ihrer drei-'
fachen Krone hängt das Kunstwerk luf-
tig und leicht im Feuerglanze da. Wie
bei den gotischen Turmpyramiden im
Münster zu Ulm und Freiburg und in
der Frauenkirche zu Eßlingen hat die
künstlerische Durcharbeit hier das Pro-
blem des Schweren und Massigen ge-
löst. Der Kronleuchter, welcher für die
Originalität des Kiinstlers Schnell und
die Tüchtigkeit der aussührenden
Firma Stotz u. Schlee, wie für die Op-
serwilligkeit in der Gemeinde zeugt, sei
der Beachtung aller Kunstliebhaber emp-
fohlen. Er wird in dieser künstlerischen
Originalität wohl einzigartig bei uns
sein.

Das Marienbild
von St. Eberhard Stuttgart.

Von Stadtpfarrer B r i n z i n g e r
(Oberndorf).

Durch ein Dekret vom 30. Oktober
4807 wurde bestimmt, daß die aus der
Solitude stehende evangelische Kirche
abgebrochen und nach Stuttgart trans-
feriert werde zum Gebrauch für die
Katholiken der Residenzstadt. Am
7. September 1808 wurde der Grund-
stein der Kirche in Stuttgart gelegt
und am 1. Oktober 1811 wurde die
Kirche eingeweiht von dem Fürsten von
Hohenlohe-Waldenburg - Schillingsfürst,
Weihbischos von Tempe, dem späteren
Generalvikar in Ellwangen und 1818
erwählten Bischof von Augsburg. Die
Weihe geschah ans den Wunsch König
Friedrichs ans den Namen des heili-
gen Eberhard, Erzbischofs von Salz-
burg, zu dessen Ehre auch der Hochaltar
geweiht wurde.

Diese St. Eberhardskirche, ein Lieb-
ling der Stuttgarter ltnb wegen ihrer
günstigen Lage von den Fremden itnb
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