Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

Seite: 63
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Eine Gruppe Soldaten unter Führung
des Verräters dringt eben auf der lin-
ken Seite des Beschauers durch die Türe
des umzäunten Gartens herein, ganz
treffliche Figuren unb Gesichter, darun-
ter auch ein Schriftgelehrter mit Brille
auf der Nase. Diese ganze Gruppe ist
in ausgesprochener Renaissance gearbei-
tet. Von der Decke herunter schaut mit-
leidig die Mondscheibe auf den Heiland
und seine Jünger, und neben dein
Monde blickt ein Stern herab in das j
Düster des Oelgartens. Zwischen der

Kaspar Vogt, nachdem er am Eingang
der unteren Kapelle dem Stifter mit
der Majuskelinschrift : Ven : Henrico
Pfennigmam 110 liuius Criptae repa-
ratori memoriat P. 1617 die Ehre er-
wiesen, nachdem er den Stättmeistern
mit der schon genannten Turminschrift
Anerkennung gezollt, jetzt an der obe-
ren Kapelle über dem Fenster mit Freude
über sein gelungenes Werk die Inschrift
seht: „Als man zalt 1620 Hab ich Caspar-
Vogt Steinmetz und Kirchenmaister dise
Capelen gemacht" 2!)).

Oelb erg non Kaspar Vogt.

knienden Figur Jesu und dem hinter
ihm daherkommenden Verräter Judas
kriecht eine Schildkröte zu Jesus hinan
(Bild der Geldgier), während über den
geflochtenen Zaun ein Moloch sich her-
aufdrängelt (Bild der Verleumdung),
lieber diese Oelbergtiere vergl. Reiter
im „Archiv für christliche Kunst", 1902,
S. 101, wo jedoch der Gmünder Oelberg
nicht erwähnt ist. Vom ganzen Figu-
renwerk ist nicht ein Stück freistehend,
alles ist aus dem gewachsenen Felsen j
herausgehauen. Wir verstehen es, daß

An der Südlveftecke der oberen Ka-
pelle führt eine Türe auf die ins Freie
hängende, aber durch eine Säule auf
den Boden gestützte Kanzel, deren
Inschrift unter einem Bilde des Hei-
lands lautet: Salvator nmndi und

0. 16 ^ 21. V. Daraus geht hervor,

daß sich die Arbeiten Vogts an den
Felsenkapellen von 1617—1621 hingezo-
gen haben. Der T u r m ist oben acht- 29

29) Friz II, S. 87.
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