Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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stehende reich gearbeitete Bildstock mit
schönem Säulenschaft. An seiner Basis
steht die Jahreszahl 1621 "). Ein zwei-
ter Bildstock steht setzt in der Nahe der
St. Josephskapelle im Anlage ngebüsch
fast verborgen. Es dürfte kein Zweifel
sein, daß er ernst den Weg zu den Fels-
kapellen schmückte. Er ist noch untade-
lig erhalten; das Bild, eine Kreuzi-
gungsgruppe, schaut noch unversehrt
aus der Nische, unter der ein Doppel-
lvappen, Reichsadler und Einhorn und
darunter die Jahrzahl 1625, angebracht
ist. Deutlich sind am Bilde die Reste
der Bemalung zu erkennen. Es ist der
einzige Bogtsche Bildstock, der noch die
ursprüngliche Form zeigt, die anderen
haben die Bildwerke verloren oder sw
sind verwittert und zeigen neue min-
derwertige Stationenbilder. Der dritte
Kaspar Bogtsche Bildstock steht zwischen
der ersten und zweiten Wegkapelle mit
dem Namenszug Jesu in der Bekrönung
der Bildnische. Ein stierten Bildstock
steht nach der zweiten Wegkapelle. Er
trägt die Jahrzahl 1628 und die alte
Inschrift: „Durch scharpffe Straich der
Gaiseln hartt, mein ganzer Leib ope-
rieret wardt", die anzeigt, daß die
Nische einst das Bild der Geißelung
Christi barg. Die Bekrönung ist mit
der Halbfigur eines Priesters, wohl des
Stifters, der Schaft mit dem Löwen- !
Wappen geschmückt (vielleicht das Fami-
lienwappen der Mößnang). An dem
Felsvorsprung, auf dem sich die drei
Kreuze erheben, ist eine Reliefskulptur
eingelassen: „Die Aufrichtung des Kreu-
zes". Nicht weniger als zehn Personen
sind auf der kleinen Fläche ausgehauen.
Die Anordnung ist aber so gut getros- j
fert, daß kein Knäuel und keine Häufung
und Störung entsteht. Die Unterschrift
unter der Skulptur heißt: Bern oen-
los tuos et vide. Unter derselben

ch Nicht 1681, wie ich. im Schwab. Hei-
matbuch 1917 -sage. Eine nochmalige genaue
Untersuchung im August dieses Jahres ließ
mich die schön und deutlich. geschriebene Zahl
1621 erkennen, nachdem ich von dem Stein
Moos und Pflanzenwuchs und Erdreich ent-
fernt chatte. Auch die Jahrzahl 1601 für
einen Bildstock, wie das Inventar S. 415 sie
nennt, ist unrichtig.

rechts in der Ecke ist Name und Zeichen
Kaspar Vogts angebracht. Die Relief-
tafel ist eine Zeitlang bei der oberen
Remsbrücke eingelassen gewesen und erst
im 19. Jahrhundert an den jetzigen
Punkt versetzt worden. Es ist aber gar
kein Zweifel, daß die Tafel einst in einen
Bildstock eingelassen war. (Fünfter Bild-
stock.) Der sechste Bildstock steht neben
den drei Kreuzen. In einer Steinkehle
unterhalb der Nische ist der Name B. V.
mit dem schon genannten Steinmetzzei-
chen des Balthasar Vogt eingehauen. Ei::
weiterer Bildstock bei der achten Kapelle
ist neue Arbeit des 20. Jahrhunderts,
Nachahmung des B.-Y.-Bildstocks ^).

Die alten Bildstöcke bestehen aus einer
rechteckigen Steinbasis, auf der sich ein
Schaft erhebt, dessen vordere Kanten teil-
weise abgeschrägt und mit Engelsköps-
chen verziert sind. Die Vorderseite des
Schaftes hat Flachornament. Auf den:
Schaft steht die nedieala, Bildnische, die
mit einen: Kreuzaufsatz bekrönt ist. Die
Vogtschen Kreuze haben fast alle die
Eigentümlichkeit, daß die drei Balken-
enden nicht glatt, sondern wie einge-
kerbt sind. Zwischen den Kerben wächst
eine Traube oder ein Granatapfel her-
vor. Die Rückwand der aedicula ist
eine Steinplatte, auf der sich das Relief
abgehoben hat. An allen Bildstöcken ist
diese Steinplatte noch vorhanden —
man beachte die Rückseite der Bildstöcke!
Doch ist die Bildnische mit neumodischen
Stationenbildern ausgefüllt, bis auf den
Bildstock von 1625.

Es ist leicht möglich, daß ums Jahr
1630 der Stationenlveg von der Werk-
stätte Kaspar Vogts vollendet war und
daß es überhaupt nicht inehr als sechs
oder sieben Bildstöcke waren. Das i st
diee r st eEnt wickln ngdesSta-
tionenweges oder Kreuzwe-
ges als Wallfahrtsweg des
Salvators. Schon im Jahre 1618
wurde in Gegenwart des Bischofs von
Augsburg, Heinrich IV. von Knöringen,
von seinem Weihbischof Petrus Wall

“O Die Jahreszahlen der Bildstöcke sind im
Inventar S. 417 unrichtig angegeben. Zu
BV vergl. Klaus, Gmünder Künstler, Württ.
Vierteljahrshefte N. F. IV, 1895, S. 242
bis 245.
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