Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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Bommhawer Her leutenant und derzeit
Vogt, Jakob Kohleisen gastgeber und
Jörg Stitz, Wagner, Heiligenpfleger all-
hie gewest, welche solches Werk viel ha-
ben helfen befirderen, denen Gott hie
zeitlich und dort ewige Wolfert verleihen
wolle. Amen. Es hats erbauhen Kaspar
Vogt Stainmetz und kir(chenmaister) zue
Gewende." Das Steinmetzzeichen Vogts
ist nicht angebracht oder nicht mehr er-
kennbar, da der zweite Stein stellen-
weise abgeschliffen ist. Doch ist die Ar-
beit Vogts deutlich erwiesen, wenn auch
nicht mehr nachzuweisen ist, wie weit sich
die erneuernde Tätigkeit Vogts erstreckt
hat.

Die Gmünder Kirchenbücher erzählen
auch, daß Kaspar Vogt die steinerne
B r ii ck e über die Rems bei der Sankt
Leonhardskapelle erbaut habe. Vielleicht
findet man in diesem oder im nächsten
Jahre bei dem Umbau und Erweite-
rungsbau noch eine Spur oder ein Zei-
chen der Wirksamkeit Kaspar Vogts au.
derselben. Bis jetzt ist davon weiter
nichts bekannt.

Klar und deutlich aber ist Vogt wie-
der bezeugt als der Erbauer der R u h c-
E h r i st i - K a P e l l e.

Fast am äußersten Ostende der Stadt
in der Nähe der St. Leonhardskapelle
steht an die Friedhofsmauer angebaut
die Kapelle zur Ruhe Christi, Requies
Christi, in Gmünd gewöhnlich „Herr-
gottsruhkapelle" genannt. An diesen:
Orte muß schon von altersher eine Ka-
pelle oder ein Bildstock mit einem Ruhe-
Christi-Bild gestanden haben. Im vor-
deren Teil des Schiffes ist an der rech-
ten Wand eine Steintafel eingelassen
uit der Inschrift: „Anno Domini 1622
ist dise Capellen zu der Ehre Gottes!
und der Schmertzlichen Ruhe Jesu Christi
unsers Erlösers uff der Straßen an die
Schedellstatt der Creutzigung v o n
n e w e m ufferbawet worden. Durch
ahngewendeten Vleyß dern Ehrvösten
und Wohlweysen Herrn Pflegern S. Leo-
nards H. Martini Grieb, Bürgermeister,
H. Veit Thommens und H. Thomä
Messnang, Beeder (beider) des Ratheß
und Stättmeistern." Darunter 0 ^ V,
das Zeichen Kaspar Vogts. In die letz-

ten drei Zeilen der Inschrift strecken sich
drei Wappen hinein. Das erste Wappeu
zeigt einen rechtsausspringenden Löwen;
das zweite einen Heiligen mit Nimbus,
in der linken Hand ein Buch, in der
Rechten einen Stab; das letzte ist drei-
teilig, schräg geteilt, int oberen Feld
Traube mit Weinlaub, im mittleren
linksausspringenden Löwen mit Zepter
in der Hand, im unteren wieder Traube
mit Weinlaub. Außen an der Längs-
wand der Kapelle ist eine weitere schön
gearbeitete Steintafel eingemauert. Die-
felbe zeigt als Relief das Brustbild der
hl. Veronika mit dem Antlitz Christi. In
den Ecken oben links unb rechts davon
zwei Wappen, der Doppeladler und das
Einhorn. Unter dem Bilde die In-
schrift 16 C ^ V 22. Es sind also eben-
falls zwei Steintafeln, wie in Mögg-
lingen. Nur ist hier der Meister auf
beiden verewigt. Vielleicht fall die erst-
befchriebene Tafel die Tätigkeit und
den Opfersinn der drei Beamtenperso-
nen nnd der St. Leonhardspflege her-
vorheben, während die zweite den Opfer-
finn der Stadt Gmünd selbst (darum
die Stadtwnppen) dokumentieren sollest

Das Bauwerk ist in seinem Hauptteil
ein achteckiger Kuppelbau, der den Chor
bildet. Ihn: ist vorgelagert ein qua-
dratisches Schiff von geringer Länge,
dem zur Gewinnung von weiterem
Raum 1792 ein weiteres Quadrat an-
gefügt wurde (Zahl am Stein über dein
Portal), wozu noch ein Sakristeianbau
im gleichen Jahr (Zahl am Stein über
der Sakristeitür) kam. Die Gewölbe
iiber dem Schiff sind im älteren Teil
Rippenkreuzgewölbe, in: jüngeren Krenz-
j nahtgewölbe, die jedes in einem Schluß-
stein niit den: Einhorn zufammenlaufen.
Die Kuppel hat ein schönes Steinge-
wölbe mit gut profilierten Rippen und
einem Schlußstein mit doppelköpfigem

39) Das Inventar spricht irreführend von
zwei Tafeln innerhalb und von „Tafeln"
außerhalb der Kapelle, die Jahr, Namen und
Zeichen Vogts angeben sollen. Auf den Bau
Vogts beziehen sich nur die zwei geschilderten
Tafeln. Zwei andere kleine Steintafeln
außen beziehen sich auf spätere Remsüber-
schwemmungen.
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