Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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befindet sich ein Schild mit öeut latei-
nischen Buchstaben F. Vielleicht soll sich
dieses F auf die Franziskaner beziehen
die auch das Doppelkreuz im Wappen
führten.

b) D e r S a l b a t o r i m l 8. b t s 20.

Jahr h unde r t.

Der Salvator, zu dem wir uns nach
der in umserem Thema inbegriffenen
Digression iiber das Wirken Kaspar
Vogts nun zurückwenden, ist wohl bis
weit ins 18. Jahrhundert hinein in dem
Zustand geblieben, wie ihn Vogt ge-
schaffen hat. Die Heiligtümer des Ber-
ges waren die beiden Felsenkapellen
und im Aufstieg zu ihnen etwa sieben
Bildstöcke.

Das Fortschreiten der Entwicklung
der Stationenwege, bei der man nicht
nur Leidens fzenen, sondern iiber-
haupt die verschiedensten Begebenhei-
ten des Lebens Jesu in Skulptur
und Malerei, oft in reich ausgestatteten
Einzelkapellen, darstellte, machte auch
der Salvator mit. Leider fehlen uns
über die einzelnen Stufen dieser Ent-
wicklung beim Salvator nähere geschicht-
liche Nachrichten und Daten. Doch gibt
uns der ungefähre Abschluß der Arbei-
ten etwa um 1800 die Möglichkeit, niit
annähernder Sicherheit diese Entwick-
lung zu verfolgen.

Durch die zahlreichen Einzelwallfahr-
ten und Pilgerzüge, die das eigenartige
Heiligtum anlockte, wurden die Opfer-
stöcke des heiligen Berges reichlich be-
dacht und der Salvator und die Salva-
torpflege, die eingerichtet wurde, kam zu
Geld und Vermögen. Auch bedeutende
Stiftungen erfolgten. Achilles Stahl
und sein Sohn, der Bürgermeister Jo-
hann Georg Stahl, hatten in den Kriegs-
läuften des Siebenjährigen Krieges der
Stadt Gmünd zur Bezahlung der fran-
zösischen Kontributionen ein Kapital von
7000 Gulden vorgeschossen. Als I. G.
Stahl 1740 starb, vermachte er diese
7000 Gulden der Salöatsorpflege zur
Gründung eines Benefiziums. Die
Summe blieb einstweilen noch im Besitz
der Stadt, welche der Salvatorpflege

280 Gulden Jahreszins zahlte"). — Der
Kapuzinerbruder Kaspar, Prediger auf
dem Salvator, berichtet zum Jahre 1761
von einem magnus benefactor l’ress-
lavio mittens nulle florenos oder
200 Stuck Dukaten tecto nomine, qui
ex rota fortunae versatili depanpe-
ratus subito dives factus in recogni-
tionem gratiae fecit. Derselbe berich-
tet von einem Bäcker, der 100 Gul-
den gab. Ebensoviel spendete eine um
bekannte Person, und Bruder Kaspar
fügt bei: ,,reliqua beneflcia accumu-
lare nequeo, satis si pluriinum thauma-
turgum depraedico S. Salvatorem“* 43),

Daß auch die Opferstöcke ergiebig
waren, beweist eine Notiz desselben
Kapuziners: ,,arino 1761 ex gazo-

phylacio clepsit für quidam ultra 30
florenos, demum captus, pecunia resti-
tutä, capite plexus est, cuius corpus in
rota ad patibulum adhuc conspicitur.“
— „Am 29. Januar 1732 an einem
Fastenfreitag ist auf dem Salvator
ein Kreuzpartikel, welchen Herr
Chryfostomus Wels, der katholisch
geworden, dahin verehret, mit Hal-
tung einer Ehrenpredigt ltnb Lob-
amt eingesetzt worden", berichtet F.
Debler"). Der .Kreuzpartikel ist heilte
noch vorhanden. Er ist von Silber
und trägt am Fuß die Bilder der vier
Evangelisten. Meisterzeichen fehlen.
Neben diesem Stiick hat der Salvator
einen kleinen Kirchenschatz, der aus fol-
genden Stücken besteht:

1. Ein Kelch, Silber, teilvergoldet,
gute Treibarbeit: Wolken mit Engeln
und Leidenswerkzeugen am Fuß, Engels-
köpfe mit Flügeln am Knauf, Silber-
gewölk mit Engeln an der Kuppe, Mei-
fterzeichen M. M.., Augsburger Arbeit
ca. 1700.

2. Eine kleine silberne A m p e l, zier-
liche Durchbrucharbeit, Augsburg zirka
1730.

*9 Schuldbrief der Stadt vom 24. Juni
1745 im Archiv der Kirchen pflege.

43) Friz I, bei den Wunderberichten.
ch Chronologische Nachrichten, 1. Teil,
S. 120 (Rathaus Gmünd).
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