Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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tuen Stahl von Pfeilhalden geadelt
wurde. Am 20. September wurden die
vom Stahlschen Benefiziaten ehemals
wöchentlich zu lesenden gestifteten sechs
Messen vom Generalvikariat zu Augs-
burg ans zwei Wochenmessen herabgesetzt
zur besseren Sustentation eines jeweili-
gen Benefiziaten Nach dem Rats-
protokoll vom 24. November 1787 wurde
das zu diesem Benefizium gehörige Haus
im Pfeifergäßle verkauft, die Kaufsumme
auf Zinsen gelegt und die Zinsen dem
jeweiligen Benefiziaten angewiesen. Un-
terdessen war, wie schon berichtet, ein
zweites Benefizium für den Salvator
mit 12 000 Gulden Kapital gestiftet
worden von der Familie Debler, welche
mit weiteren 3000 Gulden ein Bene-
fiziathaus auf dem Berge erstellen ließ.

1770 wurde mit dein Bau begonnen, der
dem städtischen Baumeister Michael Kel-
ler :'4) übertragen wurde, der das Haus

1771 vollendete. Das Haus mit dop-
peltem Freitreppenaufgang und sehr
schönem Portal in Rokokostil hat ein
Frontispiz mit Chronostichon: Probi
coniuges Georgius Debler et Tlie-
r68i>3, fundatores et eonditores (1770)
mit dem Deblerschen Wappen. Nachdem
durch diese beiden Stiftungen und den
Hausbau für die Besorgung des Got-
tesdienstes auf dem Wallfahrtsberge
Sorge getragen war, sollten auch die
Stationshäuschen in besseren, massiven
Stand gesetzt werden. Oberstättmeister
Johann Majer und nach ihm der Bür-
germeister Egidius Beitz nahmen die
Sache energisch in die Hand. Laut Rats-
protokoll vom 4. November 1788 faßte
Beitz als Stättmeister noch den Plan,
das eichene Geländer, das bisher den
Salvatorweg säumte, git ersetzen durch
eine Heckenpflanzung und ließ am Ein-
gang unten zwei Linden setzen. Im
folgenden Jahr 1789 wurde begonnen
mit dem Umbau der Kapellen. Diese
Jahreszahl steht auf einem Stein der
ersten Kapelle (Abschied Jesu). Die Ka-
pellen lvnrden als kleine Kuppelbauten

53) F. T. Debler, Chronolog. Nachr. S. 162.
,4) lieber ihn Klaus, Gmünder Künstler
in den Württ. Vierteljahrsheften, N. K. iv,
1895, S. 250 ff.

erstellt und mit Blech abgedeckt. Die
offene Vorderseite von vier Kapellen ist
durch zwei Pfeiler und zwei schlanke
Säulen in drei hohe Oeffnungen geteilt;
die Bildwerke sind außerdem durch gute
und zierliche Schmiedeisengitter, die
vom Fußboden bis an den Plafond rei-
chen, abgeschlossen. Zwei andere Kapel-
len sind im Sechseck gebaut; auf einer
Steinbaluftrade erheben sich an den
Ecken die Säulen, die das Kuppelge-
wölbe tragen. Die Zwischenräume zwi-
schen den Säulen sind ganz offen und
gewähren von allen Seiten freien Ein-
blick und Durchblick. Auch die Stein-
balustrade bei den drei Kreuzen ist auf
diese Zeit und die Wirksamkeit des Egi-
dius Beitz zurückzuführen. Die Ecce-
Homo-Kapelle und der Kerker werden
dagegen nicht viel verändert worden
sein. Dagegen wurde das Häuschen mit
Mariä Verkündigung, dem Tod des
hl. Joseph und dem Bild der heiligen
Familie 1792 von Beitz ganz abgebro-
chen und dafür eine ganz neue Kapelle
gebaut, in welche das heilige Grab ver-
setzt wurde. Dies ist jetzt die oben schon
beschriebene Kapelle unmittelbar neben
dem Kaplaneihaus mit schönen schmied-
eisernen Fenstergittern im Stile Louis
XVI. In die bisherige Grabkapelle
scheint nun die Pieta gekommen zu sein,
die früher in der „Eremitenkapelle" ge-
wesen sein mag. Dazu wurden in die-
ser jetzt sog. Muschelkapelle eine Reihe
von Bildwerken untergebracht, deren
Herkunft ich nicht anzugeben vermag:
St. Petrus mit dem Hahn, St. Hiero-
nymus als Büßer, St. Magdalena,
St. Johannes der Täufer, St. Alexius
unter der Stiege, St. Eustachius oder
besser St. Hubertus mit dem Hirsch.
An Wände und Decken kamen weniger
gute Oelgemälde auf Leinwand land-
schaftlichen und symbolischen Charak-
ters. Weniger Veränderungen erlitten
die Felsenkapellen. In der unteren Ka-
pelle hatten die Eheleute Georg und
Theresia Debler das eiserne Gitter ma-
chen lassen, das deshalb auch das Wap-
pen der Debler neben dem Stadtwappen
in seiner Bekrönung zeigt. Die Brun-
nenschale beim Mofisbrunnen an der
Außenseite zeigt die Jahreszahl 1769.
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