Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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Obwohl die Kapuziner, denen die Sal- '
datorpredigerstelle übertragen war, seit
1644 in Gmünd waren, kennen wir doch
nur sechs Namen dop solchen, d.ie auf
deni Salvator wirkten: F. Edelbert 1735, |
Jlluminatus 1758, Kaspar 1761, Nar-
cissus 1767—1769, Peregrinus p. t.
iwnitor 1769, Urban Haslangkreiter
1770oS). Mit dem Letzteren sind jwir
schon in der Zeit der Errichtung der
eigentlichen Salvatorbenefizien ange-
kommen. Der erste Stahlsche Benefiziat
war Ignatius Stahl von 1772 bis
1778, gestorben am 18. Juli dieses Jah-
res, 74 Jahre alt und in der Franzis- ,
kanerkirche begraben, wo heute noch sein
Grabstein ist°"). Sein Nachfolger war
Johann N e p o m u k Netze l, der
aber das Benefizium . vertauschte an ,
Pfarrer Joseph Strauben in ü l - I
l e r von Oberbettringen. Schon 1790 1
meldete sich für diese Stelle Albert!
Leopold D e b l e r, Enkel des Achil- !
les Stahl. Er wurde inzwischen Pfar-
rer auf dem Möhnhof (Bartholomä) und
in Mutlangen und erhielt nach Strau-
benmüllers Tod 1802 das Stahlsche
Benefizium. Unterdessen hatte seit 1784
Bernhard Mayer das Deblersche
Benefizium inne. 1830 wurden beide;
Benefizien vereinigt und das Doppel- ^
benefizium hatte jetzt Albert Leopold!
Debler. 1839 folgte ihm Joseph
Bihlmayer und diesem 1856 Max
v. Auer bis 1871. Letzterer hat sich
um den Salvator verdient gemacht durch
sein Wallfahrtsbüchlein „Begleiter auf
den Wallfahrtsberg zum heiligen Salva-
tor" 1856 und 1869. 1871 erhielt die

Stelle G u st a v G e r u m. Im Okto-
ber und November 1884 war Anton
K ö s l e r Kaplan, der am 28. Novem-
ber von der Eisenbahn überfahren wurde.
Von 1886—1892 war wieder ein gebo-
rener Gmünder, nämlich Johann ;
Baptist Bommas, Inhaber der i
Stelle, über welche bis jetzt die Debler-
sche Familie das Patronat ausübt. In ^
seine Amtszeit fällt eine Stiftung von

5S) Friz I in den Wunderheilnngsiberichlen.

59) Weser, Alte Gmünder X, „RemsAlg."
1910, Nr. 246. l

3000 M. zur Aufbesserung der Kapla-
neistelle durch den von Gmünd gebür-
tigen Pfarrer Paul Burkart. Am 11. Ok-
tober 1892 wurde K o n r a d K i r ch n e r
sein Nachfolger. Er ist Verfasser und Her-
ausgeber eines „Wallfahrtsbüchleins"
für den Salvator, 1904, und wußte die
Verbindung seiner Privatandacht zu sei-
nem Namensheiligen mit dem Salvator
durchzusetzen durch Aufstellung einer
Statue des hl. Konrad, durch die Weihe
des Altars der oberen Kapelle zur Ehre
dieses Heiligen und durch Stiftung der
St.-Konrads-Reliquie und durch eine
Glocke zu Ehren desselben Heiligen
Nach seinem Tode am 11. August 1911
erhielt 1912 die Stelle L u d w i g Z i m -
m e r, der mit Eifer und Kunstverständ-
nis das Heiligtum weiter behütet.

Am Schlüsse der lateinischen Distichen
über dem Gnadenbild in der unteren
Felsenkapelle stehen die drei Buchstaben
L. F. I). Die Auflösung derselben, die
bisher noch nirgends erfolgte, beißt:
Laus Filio Dei — Lob' dem Sohne
Gottes. Lob dem Gottessohn, dem Sal-
vator, singt der ganze heilige Myrrhen-
berg. Lob singen ?hm diel bisherigen
drei Jahrhunderte in der durch mensch-
liche Kunst genährten Andacht der Wall-
fahrer; Lob dem Gottessöhne, dem Sal-
vator, will auch mit schwacher Stimme
diese Arbeit singen zum Jubiläum.

Marie Lllenrieder,

geboren in Konstanz am 20. Mai 1791,
gestorben in Konstanz am 5. Juni 1863.

Von Stadtpfarrer Adolf Brinzinger
in Oberndorf a. N.

Mit bedeutenden Frauen ist die
deutsche Kunst nicht gesegnet, wie die
französische und italienische. Neben Sa-
bina, der Tochter des Erwin v. Stein-
bach, und neben van Eycks Schwester
glänzte Angelika Kauffmann lange Zeit
ziemlich allein am Kunsthimmel Deutsch-
lands. Marie Ellenrieder aber ist weit
bedeutender als sie und hat uns über
200 eigenartige Werke hinterlassen, die
allerdings in weiteren Kreisen weniger
bekannt geworden sind, da sie seit 1840,
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