Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

Seite: 83
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und Wände erhielten gotische Verzierungen.
Die -Chorlvgen schmückt ein Bild von

den 14 Nothelfern mit Maria als Friedens-
königin (Regenbogen und Taub-e mit Oöl-
zweig).. An der rechten Seitenwand -befindet
sich das Bild des Kirchenp-atrons St. Michael,
wie er einem sterbenden Soldaten beifteht.
Links sieht man das Bild des Papstes Bene-
dikt XV., wie er um Frieden betet, neben
ihm die Erdkugel mit der Kriegesfackel und
hinter ihm eine weinende Frau mit zwei
kleinen Kindern.

Professor Fng-el malte ein Kriegs-
erinnerungsbild in die Kapelle zu E i ch bei
Ellwang en.

Im Heft 1 des XII. Jahrgangs (1916/17)
von „Die christliche Kunst" sind Abbildungen
gegeben von d-en beiden. Ghorfenstern für die
Marienkirche zu M e r g e n th e i m.
Es handelt sich ebenfalls um Kri-egs-
e r i n n e r u n g s b i l d e r. Dem Künst-
ler, Albert F i g e l, war die Aufgabe ge-
stellt, je eine Darstellung aus dem Le>ben des
gefallenen und heimgekehrten Kri-etzers in
Beziehung zu bringen zur schiM-erz-ens- und
glorreichen Gottesmutter. Das linke Fen-
ster erzählt über der Fürbitte: „Du Trösterin
der Betrübten, bitt' für uns" von dem Ab-
schied des Kriegers von Weib und Kind, von
feinem Heldentod .uttö feinem Grab- in
Feindesland. Diese drei Bilder führen auf
dein Fenster hinan znm Bild der Schmer-
zensmutter mit dem Leichnam Jefu, deren
Leiden..Mei Engel beweinen.

Das zweite Fenster mit dem Gäbet: „Du
Hilfe der Christen, bitt' für uns" schildert
die Heimkehr des Kriegers in Vaterhaus und
Vaterarm, fein Dankgebet vor dem Gekreu-
zigten und feine einstige Krönung im Him-
mel für feine Taten und Opfer für das
Vaterland. Diese -drei Bilder führen hin
zur thronenden Himmelskönigin als der
Fürbitterin der Kämpfenden, über der zwei
Engel Lilie und Krone halten. Die Räume
zwischen den drei Bildern auf sedem -Fenster
sind geschickt ausgefüllt mit Wappen und
Ordenskreuzen. -Eisernes Kreuz und sogar
der Eiserne Halbmond fehlen nicht.

Die Fenster wurden ausgeführt von F.

Zeltler (München).

Anfrage.

In welchen Kirchen Württembergs finden
sich Fresken oder Mtargemälde von Boni-
f az Locher? Was stellen dieifelben dar?
Welches waren die Kosten für die Gemälde?
Hat Locher auch in Württemberg Kirch-en-
malereien restauriert? Antworten sind
höflichst erb-eten an die

Redaktion des „Archi-v".

Literatur.

Kriegergrab und Krieger »
denk nt a I von Emil H ö g g. Mit
85 Abbildungen. A. Ziemssen Verlag,
Wittenberg, 1915. (Scheffer, Die Bü-
cher der Kirche, 7. Band.) 60 Seiten,
Preis?,

Die Fri-edh-ofkunst im Dienst des Krieger-
grabes und -d-enkmals aus alter und neuer
Zeit kommt in der Schrift zum Worte und
wird i-m Bilde dargestellt, um die zeitgemä-
ßen -Fragen über Herstellung, Schmuck und
besondere Auszeichnung dieser Gräber und
Denkmale der Lösung entgegetizusühren.
In den Abschnitten: Das Einzelgrab ans dem
Schlachtfeld, das Sammelgrab, der Krieger-
friedhof, das Kriegergrab in der Heimat,
die Kriegergedächtnisstätte gibt der Verfasser
eine Fülle von anregenden und wegeweisen-
den Gedanken, mit denen wir uns im großen
und ganzen einverstanden erklären können.
Im Abschnitt: „Sammelgrab" hat er einer
uns besonders ansprechenden Form das Wort
geredet, „die deutschem Kunstempfinden von
alters her besonders naheliegt und in un-
gezählten feinsinnigen Werken den Reiz und
Mittelpunkt malerischer Landschaftsbilder
ausmachen: es sind dies die Bildstöcke oder
Marterln und die Wegkapellen". „Es ist
wahr," sagt Hügg, „man trifft sie heute nur
in Gegenden mit katholischer Bevölkerung.
Aber wir werden hoffentlich aus dem großen
Kriege auch einen freieren Blick und grö-
ßere Ueberlegenheit kirchlichen Gegensätzen
gegenüber mit heimbringen und uns -an
derartigen Bedenken nicht mehr stoßen.
Wegkapellen und Bildstöcke an der Stelle er-
richtet, wo tapfere Soldaten in Erfüllung
ihrer Pflicht gefallen sind und begraben lie-
gen, sie scheinen die aller-geeignetste Form,
um in wettergeschützter Inschrift, von Ma-
lerei oder Plastik unterstützt, bei der Bevölke-
rung das Andenken an große Geschehnisse
festzuhalten. Grabhügel vergehen und ver-
wachsen mit der Natur, Steinmale werden
nur zu bald wie etwas Fremdes kalt und
verlassen dastehen. Bildstock und Wegkapelle
fügen sich organisch in die Landschaft als
ein Stück von ihr und dem Volksbewußtsein
vertrant. Und es ist -ein schöner Gedanke,
daß noch nach langen Jahren, wenn die
Schrecken des Krieges längst vergessen sind,
der Wanderer hier stille stehen und ein
Gebet für Freund und Feind sprechen wird."
Diese von wahrhaft künstlerischem und echt
christlichem Sinn zeugenden Worte verdienen
unsere vollste Anerkennung. -Ein Bildstöckl
aus Bayern, ein Tiroler Marterl und die
Wegkapelle bei Huy in Belgien illustrieren
die'Gedanken. Im Abschnitt: „Kriegergrab
in der Heimat" sind unter den Abbildungen
auch der Grabstein des Ritters von Rotenhan
in der Franziskan-erkirche zu Gmünd (Ab-
bildung 46s und drei Grabmäler in der Vor-
halle der Kirche, zu Brenz/Abb. 48stgegeben.
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