Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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1 ingen, Morbach?, Rottenacker, OA. ,
Ehingen, von 1485.

Kapellen: Bietigheim, ab gegangen,

Wallfahrtskapelle, Crailsheim, abgegan-
gen, Frickenhausen, OA. Nürtingen, ab-
gegangen, Gruibingen, OA. Göppingen,
abgegangen, schon 1563 zerfallen, Wall-
sahrtskapelle, Heidenheim, abgegangen
(Sta. Ottilia Mitpatronin), Künzelsau,
abgegangen, Steinreinach, OA. Waib-
lingen, Tierbad, OA. Welzheim (1487
wurde die hölzerne Kapelle von Wall-
fahrern in eine steinerne verwandelt),
Trichtingen, OA. Sulz, von 1490, Tul-
lau, OA. Hall, von 1476.

Hohenzollern: Wolfgangskirche in

Wessingen, OA. Hechingen, Filial von
Weilheim.

Wolsgangskapellen in Hippetsweiler,
OA. Sigmaringen, Filial von Kloster-
Wald, und in Hitzkofen- OA. Sigmarin-
gen, Filial von Bingen.

Der heilige Zeno.

12. April.

Kapelle in Allensbach bei Böttingen,
im 18. Jahrhundert abgebrochen.

Die neue Airche von ^traßdorf.

Bon Pros. Br. R o h r (Straßburg).

Der sel. Prälat Br. Schwarz in
Ellwangen soll nach Mitteilungen aus
ihm sehr nahestehenden Kreisen erklärt
haben, wenn er noch einmal eine Kirche
zu bauen hätte, so würde er sich die von
seiner Filiale Neunheim zun: Vorbild
nehmen. Das Neunheimer Kirchlein,
dem heiligen Schutzengel geweiht, stammt
aus dem Jahre 1724, hat die Grund-
form des griechischen Kreuzes, Flach-
gewölbe, den Turm westlich halb her-
austretend. Seine hohe Einschätzung
würde also ein Abrücken der führenden
Persönlichkeit aus dem Gebiete kirch-
licher Kunst in der Diözese von der
Gotik bedeuten zu einer Zeit, da vielen
„Gotisch" und „Kirchlich" oder „Allein-
berechtigt" Wechselst egrifse waren. Stil-
sanatiker war Schwarz allerdings auch
in seinen früheren Jahren nicht. In
seiner „Formenlehre" hat er den roma-
nischen Stil mit derselben Sorgfalt be-
handelt, wie den gotischen. Für die

Restauration der Ellwanger Stifts-
kirche im ursprünglichen, romanischen
Stil hat er seine ganze Kraft eingesetzt.
Aber viele vermochten sich nicht zu sei-
ner Weitherzigkeit auszuschwingen. Die
Tatsache, daß der romanische Dombau-
plan für Rottenburg sich mit einer
Selbstverteidigung einsühren mpßte,
redet deutlich genug. Wer dagegen die
künstlerischen Bestrebungen unserer
bayerischen Nachbardiözesen, etwa in
der „Christlichen Kunst" (Deutsche Ge-
sellschaft für christliche Kunst, München)
verfolgte, der konnte dort schon längst
das Wiederaufleben der späteren Bau-
stile konstatieren. Die reiche Fülle von
Barockbauten, also von bequem zu stu-
dierenden Vorbildern in den betreffen-
den Gebieten, mag den Umschwung er-
klären, während in der Diözese Rotten-
burg — und Erzdiözese Freiburg — gm
tische Glanzleistungen aus neuester Zeir
das Festhalten am Stil des ausgehen-
den Mittelalters begreislich machen. Da
kam die Kirche von Lautlingen und
brachte den Bruch mit dem Herkommen.
Er wurde und war mit der Rücksicht
auf das Vorhandene und die nächste
Umgebung begründet. Aalen folgte
nach. Auch hier war die Harmonie des
ganzen Stadtbildes maßgebend. Nun
schließt sich Straßdorf an.

Der Neubau hat eine interessante
Vorgeschichte. Es galt, zu erwägen, ob
man nicht das alte Kirchlein erweitern,
und wenn nicht, ob man es erhalten solle.
Erstere Möglichkeit stieß auf Hindernisse,
die zweite Frage wurde aus Pietät ge-
genüber der Vergangenheit und aus
Rücksichten auf die Erhaltung der Reize
des landschaftlichen Gesamtbildes in
bejahendem Sinne gelöst. Man kann
sich über diese Entscheidung nur freuen.
Es will weniger bedeuten, daß man fick
Straßdorf gar nicht denken kann ohne
sein bisheriges Gotteshaus, das sich an
der Spitze des Dorfes postierte wie der
Hirt vor seiner Herde, denn auch das
neue Heiligtuni hat seinen Platz sehr
günstig gewählt. Dagegen wäre es be-
dauerlich gewesen, wenn ein so beredter
Zerlge der Stauferzeit, am Aufstieg zuni
staufischen Stammsitz gelegen, verschwuu-
! den wäre. Dem Neubau kam es von
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