Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

Seite: 102
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rückhaltlosem Vertrauen die Leitung
sämtlicher Arbeiten des Roh- wie In-
nenausbaus übertrug. Das Hinaus-
greifen der Baumeister iiber ihr eigent-
liches Arbeitsfeld ward der Kunst nicht
immer zum Vorteil und half da und
dort den Dilettantismus großziehen. In
Straßdorf find die mißlichen Begleit-
erscheinungen ausgeblieben. Was an
Jnnenkunft geboten wird, ist aus dem
Material herausgewachfen und nicht ein-
fach durch Uebertragung von Ärchitek-
turformen auf ein ihnen fremdes Ge-
biet oder Varirerung ein und desselben
Motivs entstanden. Die Beleuchtungs-
körper behandeln das Metall nicht wie
Holz, und die Brüstungen
der Orgel und der Empore
das Holz nicht wie Stuck.

Was anderswo sich gerächt
hat, das hat sich hier be-
währt und ist umso erfreu-
licher, als eine junge Kraft
Gelegenheit zu vielseitiger
Entfaltung und Betätigung
iand. Der Architekt zog
für die Bemalung die
Herren Deibels (Gmiind)
und Schenk nnb Kaiser
(Stuttgart), für Mosaik A.
v. d. Heydt (München), für
die Altäre die Herren Kai-
ser (Iggingen) und Britsch
(Gmünd), für die Kom-
munionbant Herrn Klaus
(Gmünd), ditto fiir das St

Chorgestühl, fiir die Empo-
renbrüstnng Herrn Bildstein (Gmiind),
für die Kunstschmiedearbeit Herrn Man-
gold (Gmiind), für die Vorhänge der
Seitenaltäre die Kunstgewerbeschule
Stuttgart heran.

Er hat sich noch nach einer anderen
Seite erprobt. Künstlerischer und prak-
tischer Sinn finden sich nicht überall zu-
sannnen, und beim Vergleich zwischen
Rechnungsabschluß und Kostenvoran-
schlag ergeben sich hie und da geradezu
peinliche Ueberraschnngen. Sehr oft
macht die öffentliche Meinung den Pfar-
rer dafür verantwortlich, und der
Grundsatz: „Bauen nnb nachher sich

wegmelden", beleuchtet drastisch das ltu-
erquickliche einer solchen Situation. Der

Erbauer der Straßdorser Kirche lieferte
einen detaillierten, scharf präzisierten
Ueberschlag fiir die Arbeiten der ver-
schiedenen Gewerke und kam ohne Ueber-
schreitung durch. Zwar ergaben sich im
einen oder anderen Punkte Mehraus-
gaben. Sie konnten jedoch durch Erspar-
nisse bei anderen Posten ausgeglichen
werden. Die in Aussicht genommene
Bausumme — 182 000 Mark — genügte.
Nur die Lieferung von gebrauchsferti-
gem Schotter und Sand, zu der sich die
Gemeinde bereit erklärt hatte, ist nicht
mit einberechnet und war es von An-
fang an nicht. Bedenkt man die Schwan-
kungen, die der Krieg in das Wirt-

r a ß d o v f, Blick auf d i e E m p o v e.

| schaftsleben und die Wertverhältnisse
1 brachte, so will dieses glückliche Resultat
j umso mehr bedeuten. Auch hier wurde
! ein Abschluß ohne Mißklang erzielt und
j alles in allem ein Werk geschaffen, zu
> dem Gemeinde wie Architekt zu beglück-
i wünschen sind, Möge es letzterem -
i Herrn A r ch i t e k t e n H a ns H e r -
k o IN m e r i n G m ii n d, zur Zeit Leut-
nant beim Landlvehr-Jnfanterieregiment
Nr. 124 - vergönnt sein, wohlbehalten
vom Felde der Ehre znrückznkehren und
mit dem Erfolge der Kunst weiter zu die-
nen, mit dem er sich in die Oeffentlich-
keit eingefiihrt hat. Und möge das neue
Heiligtum am Weg zum alten Kaiser-
sitz, das der Krieg erbaute, Kulturtaten
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