Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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und Knlturersolge erblühen sehen, die j
den Vergleich aushalten mit den Lcu-
stnngen aus Deutschlands Glanzperiode
— der der Staufer.

Einiges über bie Verehrung
der bl. Thekla.

Die hl. Thekla im k i r ch l i ch e n
Sterbegebet. l

Von Dekan R eite r.

In Ausübung unseres heiligen Be- j
rufes haben wir Priester schon oft bei
den Sterbenden das ergreifende Brot'i-
ciscere gebetet und im Namen unserer
Kirche gefleht: „Erlöse, o Herr, die,
Seele deines Dieners (deiner Dienerin),
wie du den Petrus und Paulus aus
dem Kerker erlöset hast. Amen. Und
wie du die selige Jungfrau Thekla,
deine Blutzeugin, von ihren drei schreck-
lichen Martern erlöset hast, so würdige
dich, die Seele deines Dieners zu er-
lösen und sie deiner himmlischen Gü-
ter bei dir in der ewigen Freude teil-
haftig zu machen. Amen."

Dieser Hinweis auf die hl. Thekla
hat mich immer etwas fremdartig an-
gemutet, und ich denke, wie es mir
ergangen, wird es auch schon meinen
Amtsbrüdern ergangen sein. Eine kurze
Zusammenstellung der Materialien über j
die heilige Sterbepatronin mag deshalb!
wohl gerechtfertigt erscheinen und darf
vielleicht auf eine dankbare Leserge- 1
meinde rechnen.

Ave sancta Thecla, morituri te sa-
lutant!

Ter Name Thekla soll sich an das
aramäische Wort thekal anlehnen, wel-
ches schweben, wägen und substantivisch
die Wage bedeutet (Mane, T h e k e l,
Phares bei Daniel 5, 25 und 27).

Heilige Trägerinnen dieses Namens,
werden in den einschlägigen Werken sechs i
aufgeführt, von welchen hier nur die
hl. Thekla aus Seleucia in Betracht
kommen kann. Zuerst einige Ziige aus:
ihrer Legende, welche, weil oftmals über- !
arbeitet, verschiedenartig lautet.

Thekla stammte aus einer vornehmen
heidnischen Familie zu Jkonürm und!
erhielt eine ausgezeichnete Erziehung.

Sie lernte die schönen Künste nnb Wis-
senschaften ihrer Zeit, las unter^ Lei-
tung der geschicktesten Lehrer die Schrif-
ten der Weisen des Altertums, glänzte
durch Schönheit der äußeren Erschei-
nung rind sah leichten Sinnes in das
leuchtende Leben hinein.

In der ersten Bltite des Alters wählte
sie sich einen reichbegabten Jüngling
(Thamyris) zum ktinftigen Lebensge-
fährten und verlobte sich feierlich unter
den üblichen Zeremonien und Opfern.

Von dein Apostel Paulus über die
Großtaten Christi und beu Hochwert der
Jungfräulichkeit belehrt, löste sie, trotz
der Vorstellungen ihrer Eltern, das
Verhältnis mit dein ungläubigen Bräu-
tigam wieder auf und wurde von da
an mit dem grinnnigen Haß verschmäh-
ter Liebe verfolgt. Zum Scheiterhaufen
verurteilt, ging sie unversehrt aus den
mächtig emporlohenden Flammen her-
vor und begleitete als treue Schülerin
den hl. Paulus nach Antiochien in Pisi-
dien. Hier ließ Alexander, dessen Man-
tel sie zerrissen hatte, allerlei wilde
Tiere auf sie los, welche indessen der
betenden Jungfrau nichts anhaben
konnten. Als Thekla ihr Gebet been-
digt hatte und einen tiefen Graben mit
Wasser erblickte, stürzte sie sich im Na-
men Jesu Christi in das Wasser, um sich
zu taufen auf den Jüngsten Tag. Die
Robben im Wasser wurden durch einen
Feuerstrahl getötet. Hierauf band man
Thekla an wilde Stiere, damit sie von
ihnen zerfleischt würde, doch eine
Flamme verbrannte die Stricke, und die
Gebundene wurde wieder frei. Zuletzt
begab sie sich nach Seleucia in Jsan-
rien. Hier verkündigte sie das Wort
(Lottes und bewirkte so viele Heilungen
daß die Aerzte neidisch wurden und sie
verfolgten. Doch sollten sie ihr Ziel
nicht erreichen. Durch Gottes Vor-
sehung verschwand Thekla lebendig im
Felsen und versank unter die Erde. Und
sie kam bis Rom, um den Paulus zu
sehen, und fand ihn entschlafen. Nach-
dem sie dort einige Zeit verblieben war,
entschlief sie in schönem Schlafe und
wurde begraben etwa 2 oder 3 Stadien
von dem Denkmal ihres Lehrers Pan-
llis, 90 Jahre alt, am 24. September.
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