Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

Seite: 109
DOI Heft: 10.11588/diglit.16256.23
DOI Artikel: 10.11588/diglit.16256.27
DOI Artikel: 10.11588/diglit.16256.28
DOI Artikel: 10.11588/diglit.16256.29
DOI Seite: 10.11588/diglit.16256#0112
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1916/0112
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
— 109

sie daselbst eine ihnen geweihte Kirche
besaßen.

Es leuchtet ein, daß nach deni eben
Gesagten die Anfügung oder Nennung
einiger christlicher Namen in dem alten
jüdischen, litaneiartigen Gebete ur-
sprünglich ganz einfach und ganz na-
türlich war. Ob dabei auch noch die
Etymologie des Namens Thekla in die
Wagschale gelegt wurde, darüber steht
mir ein Urteil nicht zu. Aber wenn das
Wort Thekla Wage bedeutet, und wenn
die hl. Thekla nach Nork (Etymologisch-
symbolisch-mythologisches Real-Wörter-
buch) als Emblem eine Wage trägt,
dann wäre es wohl auch zu verstehen,
wie die Etymologie des Namens Thekla
zur Einkleidung der Idee ihres Anteils
und Sukkurses in auxilium agonizan-
tium gedient haben könnte. Man diirfte
in diesem Falle die hl. Thekla in Pa-
rallele bringen zum hl. Michael, dessen
Name „Quis nt Deus" an sich schon
gleichfalls an Wertung und Wägung der
Seelen in tremendo jndicio erinnert.

In der Schrift: „Die deutschen Sterbe-
büchlein von der ältesten Zeit des Buch-
drucks bis zum Jahve 1520. Non Dr.
Franz Falk. Köln 1890", werden als
Schutzheilige eines glückseligen Todes
nur genannt: der Erzengel St. Michael,
die hl. Barbara und der hl. Christopho-
rus.

Seit 300 Jahren haben die Namen
Petrus, Paulus und Thekla gleich
freundlichen Engeln fo manches Sterbe-
bett umschwebt, sie werden auch jetzt
nrtb in den kommenden Tagen manchem
sterbenden Diener und mancher ster-
benden Dienerin erquickende Botschaft
bringen und tröstlichen Allsblick in
das Land der ewigen Heimat gewähren.
„Erlöse, o Herr, die Seele deines Die-
ners, wie du den Petrus und Paulus
aus dem Kerker erlöset hast. Und wie
du die selige Jungfrail Thekla, deine
Blutzeugin, von ihren drei schrecklichen
Martern erlöset hast, so würdige dich,
die Seele deines Dieners zu erlösen und
sie deiner himmlischen Güter bei dir in
der ewigen Freude teilhaftig zu machen."

Zur Literatur über die hl. Thekla ist an-
zufügen ein Merkchen bau Bi er brr um,
O. S. F., Junfermann, Paderborn, 35 Pf.,

i

und F a u st m a n n d. I., Kleine Dagzeiten
nebst neuntägiger Andacht und Gebet zur
HI. Thekla, Bücher, Würzburg, 1893. Aeltere
Werkcheu über Dieselbe sind: Neuntägige Zu-
flucht zu der hl. Jungfrau und ersten -Christi-
Märtyrin Thekla, Ifo.. in der lhohen
Domstiftskirche Augsburg ihre Wildnutz ver-
ehret wird. Gedruckt bei Jos. Ant. LUbhart
1758. Ferner gab Joh. Konrad Müsst
Pfarrer in Röttenbach und Hofkaplan, ein
niit Kupferstichen geziertes Andachtsbuch.zur
hl. Thekla anno 1759 anläßlich der Erbau-
ung der Kirche in Weid e n heraus. Di äse
Kirche ist mit Fresken Don dem gebürtigen
Söslrnger Johann B a p t i st E n d e r l e ge-
ziert, die das Lüben der hl. Dhekla schildern.
(Vgl. auch Archiv f. chr. K. 1907, S. 91.)

Die Redaktion.

Drei porträls des Fürftabts Martin
Gerbert zu St. Blasien.

Das soeben erschienene Buch v o n
S t a d t p f a r r e r Ado l f B r i nginger
in Oberndorf: „Für st >a '0 ± Marti n

G e r b e r t z u B l a s i e n, im Kommi!sstons-
verlag von Pauk Christian, Schulbuchhand-
lung in Horb, Druck von Decker u. Hardt in
Stuttgart, 1916" schildert dessen interessante
Lebensgeschichte in der Jugendzeit, als
Mönch und Fürstabt, Gelehrter, Theologe,
Historiker und KircheUmustker, als Reichs-
sürst und Landesherr^ als MeUsch uUd Or-
densmann. 3 Porträts in demselben
empfehlen wir besonders der Aufmerksamkeit
unserer Leser: Das erste ist von dem Münch-
ner Kupferstecher Egidius Verhelft, das
zweite ist ein Alabaster-Rundbild von
Stemp, aus der Altertumssammlung in
Stuttgart, das dritte ist eine Kopie des Ori-
ginals im Pfarrhaus zu Oberried in Baden,
einstens Pfarrei der Benediktinerabtei St.
Blasien. Auch das Kloster Beuron und der
Hochwürdigste Bischof von Rottenburg be-
sitzen je ein Oelbild Gevberts. Andere Por-
träts befinden sind in Baden. Das vornehm
ausgestattete Buch kostet nur 2 M. Von den
ersten zwei Porträts sind auch Postkarten
ä 10 Pf. erhältlich. Buch und Bilder emp-
föhlen wir bestens.

B r i n z i n g e r (Oberndorf).

Aunstnotiz.

In einer Abhandlung in der Tübinger
Theol. Quartalschrift 1916, S. 187, über
St. Cyrill von Alexandrien als 'Wetter-
patron bringt wie. tü. C. Stolz, jetzt Stadt-
pfarrer in Schelklingen, interessante Bemer-
kungen über die alten C h r i l lgI o cke n.
Solche sind: die zweite Glocke der Stifts-
kirche zu Tübingen von 1469 mit den
Hexametern: Fulininis emittag, Grille, ver-
nula Christi, Procul sagittas, ne nos le-
loading ...