Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 34.1916

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<1y.ut nece tristi. Ferner bic Glocke ZU
,ij o h e n st a u f e n, 1497 t>ou> Pantlion Sid-
ier in Eßlingen 'gegossen, mit denselben
Versen. Die dritte Glocke von Berg,
OA. TettNang, vor 1647 umgegossen, jetzt
verkauft, hatte die Legende: Sanctus Cyril-
lus, episcopus in Alexandria positus, Hic
fugat sagittas tonitrui ab interitu generis
huniani. Wängi im Thurg a n hat eine
Glocke von 1630 mit ähnlicher Inschrift. Eben-
so die älte kleine Glocke von L a u s e n, OA.
Balingen. Die sog. G ibiz o glock e voit
2 t. Christi n a bei Ravensburg, 1911
vom Altertumsmuseuin in Stuttgart erwor-
ben, ist nach den genauen Untersuchungeit
des Verfassers ebenfalls eine Cyrillusglocke.
In der Inschrift, die bisher gelesen wurde:
O rex gloriae, veru cum pace. Amen. Gi-
bizo epc. ist zu lesen 'statt Gibizo: Cirillus.
Wenn diese Glocke wirklich dem 12. Jahr-
hundert angeihört, wäre sie die älteste Cy-
rillusglocke. $m weiteren Verlauf seiner
Untersuchung kommt der Verfasser zum Re-
sultat, daß St. Cyrillus ursprünglich nicht
Wetterpatron war, daß sein Name an die
Stelle des Wetterpatrous St. Columba trat,
der in alter Form C o l u m q n i l l u s
hieß. Der Name Columquillus ging dann
in Cirillus über. Aus diesem Columquillus
inacht man um 1500 eine heilige
Kakwkylla, die Schutzherrin gegen Rat-
ten- und Mäuseschaden. Da der Name des
hl. Columba auch in, der Form .äolum.Villa
überliefert wird, so bringt Drexler in der
Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 1898,
2. 341 fs., mit diesem Wetterpatron die als
Mäusepatronin verehrte S t. C u t ub i l l a
in Zusammenhang, von der zwei gotische
Statuen in der alten Klosterkirche und in der
Pfarrkirche ztt Adelberg, OA. Schorndorf,
sich finden. W. '

Literatur.

Studien zur deutschen K u n st -
g eschicht e. Heft 180. Das A u -
g e n g l a s i n B i l d e r n d e r k i r ch-
I scheu Kunst t nt 15. u n d 16.
Jahr h u u d e r t von Dr. G. Praus-
uitz. Mit 12 Lichtdrucktafeln. Straß-
burg. I. H. Ed. Heitz (Heitz u. Mün-
del), 1915. Tert 42 Seiten. Preis
4 Mark.

Der Verfasser hat sich in seiner anregen-
den Studie ein eigenartiges Kleinobjekt für
kurtsthist arische Betrachtung ausgewählt:
die Brille und den Kneifer. Die Darstel-
lung öder Verwendung des Augenglases
diente dem Künstler als ein Mittel der Ju-
dividualisierung. Ursprünglich wurde es
angewandt bei besonders Vevehrungswür-
digen Personen, wurde dann fast konveutiell,
bis sich eine allgemeinere Verwendung
durchsetzte un!d zuletzt sich nur noch die
Genremalerei iit dieser Art gefiel. In den

meisten Fällen ist dabei die Fernsichtigkeit
(Presbyopie), seltener die Kurzsichtigkeit
iMyopie) dargestellt,. In einem ersten Ab-
schnitt (S. 1—19) behandelt der Verfasser, der.
sich ein reiches Bilderinaterial zusammen -
gestellt hat, oas Augenglas bei Einzelperso-
nenbildern von Geistlichen, Heiligen, Apo-
steln und Propheten. Darunter kommt be-
sonders häufig das Bild des Evangelisten
Lukas vor; so auch auf,einer Büste im Na-
tionalinuseum zu München, die vom W e i ir-
gartener Chorgestühl stammt. Ein zwei-
ter Abschnitt, S. 19—22, beschäftigt sich mit
den Bildern des hl. Hieronymus, der dritte,
S. 22—33, mit den Darstellungen des
Marientodes, der vierte, S. 33—39, mit den
Schilderungen der Beschneidung, des Jesus-
knäben int Tempel, wobei nock) ein Bild des
allerdings etwas späteren Ribera Spagno-
letto in der Wiener Galerie zu beachten ge-
wesen wäre, der Biloer der hl. Familie mit
St. Joseph als Brillenträger, des Zusam-
mentreffens mit der Ehebrecherin, der Ver-
suchung mit dem Zinsgrofchen. Das fünfte
Kapitel, 'S. 39—41, bespricht Bilder von
symbolischer Bedeutung, wie die Kardinal-
tugenden, Gerichtsbilder. Ein paar Schluß-
sätze sprechen noch über das Augenglas auf
nichtkirchlichen Bildern. Die Schrift hätte
an Uebevsichtlichkeit gewonnen, wenn die
vorstehend gegebene Einteilung in Ueber-
schrifteu hervorgehoben wäre. Auf zwei
schliefe Erklärungen erlauben wir uns den
Verfasser aufmerksam zu machen: Bei der
Erklärung eines Bildes vom lehrenden Je-
susknaben im Tempel sagt der Verfasser
S. 36: „Zu der Rechten Christi stehen Jo-
hannes unä ein Heiliger mit Wanderstab
und Beutel über dem linken Arme." Das
ist unrichtig. Die beiden Personen sind
Maria uud Joseph, die das Kind im Tempel
finden. Ein Blick in den heiligen Text lehrt
das deutlich. — Seite 41 wird von dem Bild
der Grundtugend der Mäßigung gesagt:
„Ihr Mund ist von einem Mundstück ge-
schlossen." Dieses „Mundstück" ist ein Zaum
(Zügel), der bis zum Ende des 18. Jahr-
hunderts herauf z. B. auf Fresikobildern als
Attribut der Temperantia erscheint. Int
übrigen ist die Schrift sehr interessant und
mit zwölf trefflichen Lichtdrucktafeln aus-
gestattet, welche 23 'Abbildunge.tr vorführeit.
Das Werk wird bestens empfohlen; es wird
von selbst zu weiteren und ähnlichen Stu-
dien anregeu. Weser.

Anfrage.

Die Verfasser der nachstehenden Beiträge
für das Archiv für christl. Kunst 1915 wer-
den ersucht, ihre Adresse der Expedi-
tion des „Deutschen Volksblatts", Stuttgart,
anzugehen:

1. Deckenfresken in Trugenhofen,

2. Schäfer, Rom. Kirche inUttterbrändi,

3. Spöhn, Erklärung der Disputa.

Stuttgart, Buchdruckern der Akt.-Ges. „Deutsche? Volksblntt".
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