Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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Redigiert rou SUdlpsarrer Rudolf Weser, Ulm-Sösliiigen.

Eigentum des Rotteuburger Diözesan-Runstvereiiis e. v.;
Aomiuissious-Verlag und Druck der Aktieu-Gesellschaft Deutsches Volksblatt in Stuttgart.

Erscheint in Vierteljahrsheften. Preis durch die Post halbjährlich M. 2.25 ohne XXXV.

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♦ Akt., Ges. Deutsches Volks blatt in Stuttgart pro Jahr M. 4.50. * l *y L / ♦

Die Maldkapelle von Lnsmad.

Von I)r. A. Nägele, Riedlingen.

Kaum ein weltverloreneres Plätzchen
wüßte ich im Schwabenland zu finden,
keinen friedlicheren Fleck Erde, fo fern
von allem Kriegslärm und Schlacht-
getümmel, als E n s m a d. Haus und
Hof und Kapelle, ringsum eingefchlofsen
von hochansteigenden Albhöhen, hinein-
gebettet in den hintersten Talwinkel
des nach ihm genannten Ensmader Tüt-
chens, iiberschattet von üppigem Buchen-
ivald, bildet weithin das einzige Wahr-
zeichen menschlicher Stedelnng. Ten
einzigen Zugang zu dein Schatz der
Alb eröffnet das Friedinger Tal;
am Nordende des Dorfs, das ebenfalls
in eine Längsmulde hineingebettet ist,
zweigt von der Landstraße nach Itten-
hausen—Gammertingen der sog.^ Ens-
mader Weg ab lind führt in ein kurzes,
rechterhand von Felsgestein eingesänm-
tes Trockental. Dann verengt sich die
Pforte und ein schmaler Waldpfad dnrch-
schneidet das wellige Gelände; wie sich
der Wald zu lichten beginnt, taucht in
wachsenden Umrissen das Gehöft und
Kirchlein von Ensmad auf. Die Wiese
grünt, eine Quelle rauscht, fast die ein-
zige Unterbrechung der Grabesstille, die
uns hier umfängt. An den steilen Hang
der Nordwand ist es hingebant, auch
das Türmchen mit dem Kuppeldach
schmiegt sich der Halde an und steigt
mit Bail und Boden. Tritt man von
der Nordseite her in die Kapelle, fast
zn ebener Erde, fo gelangt man gleich
auf die Empore und blickt hinab ins
Schiff, kein Laut der Welt dringt in

diese Abgeschlossenheit; umso stim-
mnngsvoller ist der Klang der beiden
fein getönten Glocken, die leider selten
an das Ohr des Pilgers dringen.

Die Ensmader Kapelle ist ganz köst-
lich in den Hintergrund des Tals hin-
einkomponiert: auf einer ansteigenden
Wiese erhebt sich das Heiligtum, mit
dem Chor gegen die Oeffnung des Täl-
chens schauend. Ganz denr ansteigen-
den Gelände sich anschmiegend, erhöht
sich der Ban durch den Turm an der
Westseite gegen den Berg hin, ähnlich
auch steigt Vorder- und Hinterhaus des
Bauernhofs an. Ans nah und fern be-
trachtet, bietet das Ganze eine wunder-
volle Silhouette.

An das 10,80 Meter lange, 6,66 Me-
ter breite, rechteckige Schiff ist nachweis-
bar später der polygonal abschließende
Chor angebaut; an der Südseite ist
ein alter Bienen st and angebracht
wie ein Schwalbennest am Kirchlein.
In einer Länge von 4,20 Meter, die ge-
genüber der äußeren Schisfshreite aus
beiden Seiten mn je 80 Zentimeter
eingezogen ist, schließt sich das außen
1,70 Meter lange Viereck an und endet
mit der aus 2,95 Meter verjüngten Vor-
derseite. Wie der äußere Chorahschluß
zeigt auch das Dach über der Apsis poly-
gonale Gliederung. Wie Helten nach-
weisbar ist diese äußere „Abseite" durch
ein im Rilndbogen abschließendes Chor-
portal (1,90 Meter hoch, 0,85 Meter
breit) lind ein Fenster darüber in läng-
lichem Oval (oben und unten gerad-
linig, seitlich halbkreisförmig mit Ab-
satz) abwechslungsreich gestaltet. Für
die Seiten des fast 6 Meter langen Chors
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