Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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facsimile
iU'r hl. Ursula, dir seit dem 15. Jahr-
hundert urkundlich, wie unten zu lesen,
als Patronin der Kapelle gilt. Die ba-
rocke, roh gefaßte Figur hält Palme und
Pfeil in der Hand, darüber schweben
zwei Engelcheu. Akanthusranken flan-
kieren diesen Aufsatz. Auf Eckpostamen-
ten zu. beiden Seiten des Altars stehen
rnünnliche .Heilige, die Banernpatrone:
links St. Eligius H mit abgeschlagenem
Fuß in der Hand, rechts St. Wendelin
nüt Schlapphnt, Schippe in der Hand,
Schaf und Kuh zu Fiißen, in neuerer
ungeschlachter Fassung. Rechts und
links vom Hochaltar führen zwei niedere
Türen zum hinteren Chorranm; sie
durchbrechen die nischenbelebte, fignren-
geschmückte Holzwand, welche den Zwi-
fchenranm zwischen Altar und Wand
ansfüllt: die links ist praktisch als Beicht-,
gitter hergerichtet. Links steht in itm-
rahmten Nischen nuten St. Barbara
und oben in kleinerem Unchang Maria,
eine Schlange zu Fiißen, die Taube des
Heiligen Geistes auf der Brust, rechts
unten der Apostel St. Jakobns mit
Pilgermnschelhnt, oben St. Anna selb-
dritt, treffliche f i eine Schnitzarbeit.
Engel stopfe mit Titelangabe hängen an
den Postamenten der unteren größeren
Holzfiguren. Die geschnitzten Orna-
mente, auch als Einfassung der Vorder-
seite des Altartisches verwendet. ent-
sprechen oft ganz den unten zu bespre-
chenden gemalten Wandverziernngen.

Das Ganze ist nach Aufbau, .Kompo-
sition unb Durchführung der Einzelhei-
ten eine ansehnliche Leistung, würdig
den übrigen, vom Sicht Zwiefalten ans-
gestatteten Kirchen und Kapellen an die
Seite git stellen. Bis auf lie Pieta
ist der Altar jedenfalls eine Arbeit des
17. Jahrhunderts, beim Neubau der
Kapelle hergestellt.

Die K a nontafel n sind gute Drucke
mit Initialen von 1711 und 1712, von
Straub in München hergestellt.

Decken- n n d W a n d g e m ä l d e.

Bedeutsamer als die Plastik ist die .
M a l e r e i, die seit einigen Jahren erst
sichtbare Verzierung des Chorgewölbes 4

4) JnschrißttafÄ und Vottäbi-lider in Ens- ^
mnd nennen ihn fälschlich! Wogius.

und die von jeher offene holzvertäferte
des Tonnengewölbes des Schiffs und
noch mehr die j ü n g st a u f g e d e ck t e n
F r e s k e n s p n r e n an den Wänden
des Chors, des Chorbogens und des
Schiffs. Schon vor der neuestens ge-
planten, durch den Krieg unterbrochenen
Nestau rierung des Ensmader Kirch-
leins durch einen jungen Kunstmaler
Georg Banr von Upflamör mußte die
reiche Bemalung anffallen, doppelt an
so entlegener Stelle. Wieder lenkt sich
der Blick aus dem weltfernen Tal nach
der geistigen Mutter all dieser kirchlichen
Außenposten, Stift Zwiefalten; unter
seiner Herrschaft standen auch Baach nnb
Daugendorf, wo ähnliche reichbeinalte
Kirchlein in demselben Jahrhundert auf
Zwiefnltischem Gebiet erstanden. Doch
stehen die Ensmader, um etwa drei
Jahrzehnte früher entstanden, entschie-
den auf höherer Stufe nnb haben aus
den kaum ansgetobten Stürmen des
Dreißigjährigen Kriegs mehr als jene
vom einst überreichen Erbe der Renais-
sance gerettet.

Die Decke des Schiffs bildet ein
hochgespanntes Tonnengewölbe, das aus
vielen, 30 Zentimeter breiten Brettern
znsannnengesetzt ist. Es setzt etwa
5 Zentimeter einwärts über den Schiffs-
inanern an. Die einst kunstvoll verdeck-
ten Fugen finb stellenweise fingerdick
offen und haben den Gemälden, den
wundervoll entworfenen, ineinander sich
schlingenden Figuren und Ornamenten
da und dort beträchtlichen Schaden zn-
gefiigt. Hauptschuld trägt das Eindrin-
gen von Wasser durchs Dach auf die
Decke. Sieben große Medaillons mit
Gruppenbildern schauen in hellen Far-
ben blinkend aus denr dichten, engge-
schlungenen Gestrüpp von Zierat Her-
mes: je drei an den zwei unteren Sei-
ten, eines in der Mitte. Links sehen
wir vom Chorbogen rückwärts zählend
1. die Beschneidung Jesu, 2. die Flucht
nach Aegypten und 3. die Auffindung
Jesu im Tempel; rechts 4. Christi Ab-
schied von seiner Mutter, 5. Jesu Fall
unter dem Kreuze, 6. Grablegung Christi
und in der Mitte 7. die Kreuzigung.
Nach Bild urtö Vers sind vor allem die
Beziehungen Marias zu jedem dieser
Bilder ans dem Leben Jesu betont. Wir
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