Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

Seite: 5
DOI Heft: 10.11588/diglit.21062.2
DOI Artikel: 10.11588/diglit.21062.3
DOI Seite: 10.11588/diglit.21062#0011
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1917/0011
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
5

haben also eine beachtenswerte Darstel-
lung der sieben Schmerzen Mariä.

Um jede dieser Szenen sind teilweise
stark vergangene Verse zu lesen. Mit
Hilfe eines in einer Schublade hinter
dem Hochaltar gefundenen M a n u -
s k r i p t s ließ sich vom restaurierenden
Maler und dem beschreibenden Ried-
linger Pilger die alte Inschrift sicher
entziffern. Dieses Heftchen von acht
Blättern enthält die lateinische Bene*

dictio tempestatis post missam, ein
Gebet zum hl. Franz st'avcr um Schuß
vor Ungewitter und zuletzt ein
«S ch m e r z e n l i e d, lvie es zu lesen
ist oben in der Kapelle zu Ensmad".
Das Schriftstück, an dieser Stelle sehr
abgegriffen, enthält am Ende des Lieds
die Anfügung: a. 1800. Es ist offen-
bar nach der Identität der Handschrift
mit den Einträgen in deir Kirchenbü-
chern von Dürrenwaldstetten die Ab-

schrift eines Zwiefalter Mönchs, der die
Pfarrei Dürrenwaldstetten mit den heute
noch dazugehörigen Parzellen Jttenhau-
sen und Ensmad zu versehen hatte.
Es ist nach der Identität der Hand-
schrift wie nach dem Ausweis der Rotel
(LindRer, Profeßbuch von Zwiefalten,
S. 75, 87) P. M a g n n s R i e f, geb.
zu Erlenmoos 1747, Profeß in Zwie-
falten 1766, Priester 1773, Kooperator
in Tigerfeld 1782 und seit 1796 Pfar-
rer in Dürrenwaldstetten, wo
er auch nach der Aufhebung
des Klosters bis zu seinen:
Tod (4. April 1814) segens-
reich wirkte. Der vielseitig
gebildete Ordensmann hat
sich im Kirchenbuch von
Dürrenwaldstetten verewigt
durch bedeutsame Einträge
über die Schicksale der Abtei
Zwiefalten beinr Franzosen-
einfall 1796 und der Auf-
hebung durch die württ. Re-
gierung 1802/03. Außer-
dem hat er ein Kirchenbuch
von Ensmav geführt, wo
kurze Biographien der Aebte
von 1089 bis 1803 auf vier
Blättern eingetragen sind.

Das Ensmad eg Schmer-
zenlied lautet also nach Ma-
nuskript und Deckengemälde:

1. Laß, o Mutter, für mich
fließen

Deines Söbnleins edles
Blut.

Ich darzu laß Zäher
schießen,

Beides löscht der Sünden
Glut").

2. Wohin Mutter mit dem
Schätz lein?

Schlag Egypten ans denr Sinn,

Oieh mein Herz! Da sindst ein
Plützlein,

Du kannst sicher fliehen hin.

3. Mit was Sorgen, mit was Plagen
Suchst du dein verlornes Kind?

So ich in die Schanz geschlagen.
Durch so manch und schwere Sünd.

st Eine Handschrift der 'Frau Geisethardt
hat: „für der Sünder Laster-Glut".

E n s m n d, Innere §.
loading ...